In guten Historienfilmen stehen nicht die Kulissen im Vordergrund, sondern die Figuren und ihre Geschichte. Eine Auswahl:
Das Gelübde, Regie: Dominik Graf, 2008
Angesichts der Methoden der aufgeklärten preußischen Ärzte schlägt man sich automatisch auf die Seite der Nonne Anne Katharina Emmerick und des romantischen Dichters Clemens Brentano, der deren Visionen notiert. (Zum Glauben heutzutage siehe den Film
Paradies. Glaube von Ulrich Seidl, in dem er alle religiösen Hoffnungen, Missverständnisse und Borniertheiten der Welt eindampft und sie bei einem Paar, in einem Haus zeigt.)
A Dangerous Method, Regie: David Cronenberg, mit: Viggo Mortensen und Keira Knightley, 2011
Otto Gross, anarchistischer Psychoanalytiker und Freund Franz Jungs, hat einen wichtigen Auftritt: durch seine Theorien fühlt sich C.G. Jung legitimiert das Verhältnis mit seiner Patientien Sabina Spielrein einzugehen.
Der flüsternde Tod, Regie: Jürgen Goslar, 1976
"Die untergehende Sonne, die (KameramannWolfgang) Treu hier so gerne einsetzte, das ist auch die Sonne, die - während sie drehten - über der Kolonialwelt Afrikas untergeht. Rhodesien (...) ging unter. Und es ensteht Simbabwe." schreibt Dominik Graf in einer Lobeshymne für die FAZ. Der Film ist sicherlich handwerklich gut gemacht, die Handlung aber doch konventionell, nicht zu vergleichen mit
Dogville, in dem Lars von Trier das Rape´n´ Revenge-Motiv 2003 nochmals aufgriff.
Milk, Regie: Gus van Sant, mit: Sean Penn, 2008
Ein Bürgerrechtsbewegungsfilm. Stark sind manche der Reden, die Milk/Penn hält, interessant ist auch die Figur des Möders Dan White. Dass Harvey Milk als Erzähler, die eigene Geschichte einem Diktiergerät erzählt, ist doppeltgemoppelt, weil das, was er erzählt, anschließend meist auch gezeigt wird oder vor der Diktiergerät-Session schon gezeigt wurde.
Barbara, Regie: Christian Petzold, 2012
Petzold ist derzeit sicherlich der beste Regisseur in Deutschland.
Mit minimalitischen Mitteln gelingt es ihm, auch im Film
Barbara über eine Ärztin in der DDR, Spannung zu erzeugen. Z.B. werden durch den fast vollständigen
Verzicht auf Filmmusik das Rauschen der Blätter, das Summen eines Schlaflieds, das Klavierspiel der Protagonistinals Musik erst wahrnehmbar. Neorealismus auf der Höhe der Zeit.