Walter Benjamin

Schwerer ist es, das Gedächtnis der Namenlosen zu ehren als das der Berühmten.
Dem Gedächtnis der Namenlosen ist die historische Konstruktion geweiht.

Walter Benjamin, Gesammelte Schriften, Band I, Seite 1241.

30.10.13

Filme III


The Thomas Crown Affair, Regie: Norman Jewison, 1968
Mit Steve McQueen und Faye Dunaway und schöner Musik von Michel Legrand.
Noch cooler geht es nicht. Dieser Film ist sicherlich heute noch das große Vorbild für Filme wie oceans eleven. Es geht um einen wohlhabenden Unternehmer, der sich die Zeit nicht nur damit vertreibt Golf und Polo zu spielen und zu fliegen, sondern auf der Suche nach Spannung und Abenteuer auch Banken überfällt. Das bürgerliche Leben und seine Formen des Zeitvertreibs kommen also tatsächlich nicht allzu gut weg, selbst ihre exklusiveren Formen sind so langweilig, dass man was Aufregendes wo anders suchen muss.

Teorema, Regie: Pasolini, 1968
Musik von Ennio Morricone und Mozart
Das ist ein ziemlich artifizieller Film. Es geht um die Frage, was Leute daraus machen, wenn sie die Liebe erfahren. Diese Erfahrung wird im Film personifiziert durch die Figur des namenlosen Gasts einer großbürgerlichen Familie. Der Film zeigt in seiner zweiten Hälfte fünf Möglichkeiten, mit der Erfahrung umzugehen: Die Tochter wird sprachlos, die Mutter versucht die Erfahrung zu wiederholen, die Haushälterin interpretiert das Erlebte religiös und wird zur Märtyrerin, der Sohn fühlt sich zur Kunst ermutigt und der Vater verschenkt seine Fabrik an die Arbeiter. Es ist also nicht ausgemacht, dass aus Erfahrung Erkenntnis folgt, geschweige denn Glück. (sehenswert war auch der Dokumentarfilm Die Akte Pasolini, der die Rolle Pasolinis im Italien der 60er und 70er Jahr beleuchtete.)

Possession, Regie: Andrzej Zulawski, 1981
Mit Sam Neill und Isabelle Adjani, die für ihr Spiel in diesem Film in Cannes 1981 als beste Schauspielerin ausgezeichnet wurde, was sehr nachvollziehbar ist.
West-Berlin 1981, das sieht in diesem Film aus wie eine Sciencefiction-Filmkulisse. David Lynch trifft auf Alien, plus Action: ein düsteres Spektakel. Inhaltlich geht es auch wieder um die Liebe, Mark glaubt an seine Frau Anna, obwohl sie sich mit dem Bösen einlässt. Leider sterben am Schluss beide.

William S. Burroughs a man within, Regie: Yony Leyser, 2010
Das ist das sehr gelungene Dokumentarfilm-Debut dieses jungen Regisseurs. Es geht um das Leben von Burroughs und um seinen Einfluss auf die Subkultur im 20. Jahrhundert.

00 Schneider im Wendekreis der Eidechse, Regie: Helge Schneider, 2013
Ein sehr nostalgischer, lässiger und poetischer Film, es dominieren herbstlichen Farben und Jazzmusik. Immmer wieder sieht man in langen Einstellungen, wie sich der Hund des Kommissars auf dem Sofa rekelt oder Helge Schneider tanzt im braunen Ledermantel mehrere Minuten in einer Tiefgarage. Die surreale Komik ist eher ein Nebeneffekt. Per Schnitt erhält das Ruhrgebiet einen Strand am Mittelmeer, das ist zunächst einfach schön und eben auch witzig.

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