Walter Benjamin
Schwerer ist es, das Gedächtnis der Namenlosen zu ehren als das der Berühmten.
Dem Gedächtnis der Namenlosen ist die historische Konstruktion geweiht.
Walter Benjamin, Gesammelte Schriften, Band I, Seite 1241.
Dem Gedächtnis der Namenlosen ist die historische Konstruktion geweiht.
Walter Benjamin, Gesammelte Schriften, Band I, Seite 1241.
31.03.15
zwei Filme zum Verhältnis der Geschlechter
Laurence Anyways, Regie: Xavier Dolan, Kanada 2012
Der erste Filme, den ich von Xavier Dolan, dem jungen Regiestar aus Kanada gesehen habe. Gut gespielt, gute, von Musikvideos inspirierte Schnitte und opulente Bilder. Es geht um die Liebe zwischen Fred (Suzanne Clement; links im Bild) und Laurence (Melville Poupaud), die auf die Probe gestellt wird, als Laurence beschließt, künftig als Frau zu leben.
Du sollst deine Frau ehren, Regie: Carl Theodor Dreyer, Dänemark 1925
Älter, nüchterner, kürzer und klassisch feministischer ist dagegen der Film vom Meister der kargen Form Carl Theodor Dreyer. Der Stummfilm handelt davon, wie eine junge Ehefrau ihren despotischen Mann zur Mithilfe im Haushalt erzieht. Der Film ist lockerer und lustiger als andere Filme von Dreyer.
06.03.15
Great Expectations
Great Expectations von Charles Dickens erschien 1860 bis 1861 als Fortsetzungsroman. Wer erwartet hier was? Der Waisenjunge Pip, er lebt bei seinem Onkel und erlernt von ihm das Schmiedehandwerk, erwartet den sozialen Aufstieg, der im durch die Hochzeit mit einer Adligen gelingen soll. Damit sich diese Erwartung erfüllen kann, gilt es allerdings zunächst die Lebensart des Adels kennenzulernen, was wegen der feinen Unterschiede nicht vollkommen gelingt. Glücklicherweise erweist es sich, dass auch die junge Frau, obwohl reiche Erbin, nicht adlig von Geburt ist, wodurch sich beide am Ende verstehen und Pip die Klassenschranken überwinden kann. Pips Mäzen Magwitch gelingt das nicht, obwohl er mit Schafszucht einiges Geld verdient hat. Die Verfilmung für die BBC ist zunächst effektheischend, dann aber spannend.
Emil Szittya
Ich vagabundierte in meiner Jugend zu Fuß durch Österreich, Deutschland, die Schweiz, Italien, Frankreich, Belgien, Holland und Spanien. Ich kenne in diesen Ländern alle Museen und viele Intellektuelle. Ich gründete 1909 zusammen mit Blaise Cendrars „Les Hommes Nouveaux“ in Paris und wir waren die ersten, die Chagall lancierten. (Ich selbst habe übrigens den ersten Aufsatz, der über Chagall erschien, geschrieben).
1915 hatte ich eine Zeitschrift mit Hugo Kersten in Zürich „Der Mistral“, über die sogar Romain Rolland, wenn auch ablehnend, schrieb. Mitarbeiter an dieser Zeitschrift waren u. a. Apollinaire, Marinetti, Georg Trakl, Hugo Ball und Carl Sternheim. Man betrachtet diese Zeitschrift als Vorläufer des Dadaismus (was sie nicht war) und man behauptet deshalb mit Unrecht, dass ich selbst auch Dadaist war. 1919 hatte ich mit Paul Baudisch eine Zeitschrift in Wien, „Horizont Hefte“, 1934 erschien meine anti-Hitlerische Zeitschrift, „Die Zone“, in Paris.
Das „Kuriositätenkabinett“ wurde missverstanden. Kürzlich nannte es Dr. Raabe in dem Vorwort zu der Neuausgabe von „Die Aktion“, immerhin ein wichtiges Quellenbuch für die Zeitgeschichte. Wie Sie wissen, war ich Mitarbeiter der „Aktion“, aber auch von Querschnitt, Kunstblatt, Weltkunst und einer Anzahl deutscher Zeitungen.
Mein Buch „Selbstmörder“ ist die erste Kulturgeschichte in allen Zeiten und allen Ländern. Mein Roman „Klaps“, der bei Kiepenheuer erschien, ist einer von zwölf Romanen, die ich in den letzten 60 Jahren schrieb. Leider sind die anderen elf Bände noch nicht erschienen.
Seit 1930 schrieb ich meistens französisch, u. a. über Brecht in „Europe“, über Soutine in „Lettres Françaises“ und über Cendrars dort und im „Mercure de France“.
Wissen Sie, dass ich seit über 50 Jahren auch male, aber es bisher immer verschwiegen habe? Ich habe einige Hundert Bilder gemalt. Vor einem Jahr haben mich Freunde gezwungen in Paris auszustellen und später hatte ich eine Ausstellung in Zürich.
Was soll ich Ihnen noch erzählen? In einigen Monaten werde ich 78 Jahre alt und habe immer noch materielle Sorgen. Vielleicht bin ich selbst viel schuld daran. Ich war nie sehr geschickt in Geldsachen.
Es grüßt Sie herzlich Ihr
Emile Szittya
(Brief an Manfred George, in: Aufbau, 18. Dez. 1964.)
04.03.15
Helvétius
Denker der Lust - Der Philosoph Helvétius war selbst den Aufklärern zu
radikal. Die Religion galt ihm als Menschenwerk, der Mensch als bloße
Maschine und die Moral als eine Frage des Nutzens. Vor 300 Jahren
geboren, vermag er noch heute zu provozieren. von Gero von Randow DIE ZEIT Nº 06/2015 5. Februar 2015
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