Walter Benjamin

Schwerer ist es, das Gedächtnis der Namenlosen zu ehren als das der Berühmten.
Dem Gedächtnis der Namenlosen ist die historische Konstruktion geweiht.

Walter Benjamin, Gesammelte Schriften, Band I, Seite 1241.

29.09.12

ein DDR-Dokumentarfilm

...über den Roten Frontkämpfer Bund mit seltenen Filmaufnahmen aus den 20er Jahren findet sich hier. Zugleich wirft der Film ein Licht auf das Geschichts- und Selbstverständnis der DDR.



15.09.12

hangmen also die




















USA 1943, Regie: Fritz Lang, Drehbuch: Bert Brecht, Musik: Hans Eisler

ein antifaschistischer Hollywoodfilm. Für die Elemente aus Krimi und Agentenfilm war wohl Fritz Lang verantwortlich, während Brecht dessen Schielen auf den Publikumsgeschmack kritisierte. So gehen die guten Szenen auf Brecht zurück (Dialog zw. Svoboda und Dedic zur Frage, ob sich der Attentäter stellen soll, "Volksszenen"), während Lang für die Spannung und Überraschungseffekte sorgte. Dadurch etwas inkonsistent. Kann mit "Casablanca" oder "Sein oder Nichtsein" nicht ganz mithalten.

13.09.12

geistige und körperliche Arbeit



















Aus dem Jahre 1988 gibt es von Harum Farocki einen rund 45 minütigen Film über "Georg K. Glaser - Schriftsteller und Schmied". Er begleitet Glaser bei der Arbeit an einem Gefäß aus Kupfer, vom Zuschnitt des Kupferblechs bis zur Präsentation des fertigen Stücks im Schaufenster. Anfangs kann man den alten Mann in seiner Werkstatt nicht so recht mit dem jugendlichen Schwererziehbaren, dem Heimkind und Landstreicher, den man aus "Geheimis und Gewalt" kennt, zusammenbringen. Aber wenn Glaser im Gespräch mit dem Interviewer dessen Thesen freundlich und verschmitzt widerspricht, oder wenn er seine Handwerkskunst gegen die geschichtliche Tendenz verteidigt, wird deutlich, dass es noch der selbe Trotz und rebellische Geist sind, die ihn antreiben. Gerne würde man ihm noch länger zuhören.

11.09.12

Georg K. Glaser

Der Roman "Geheimnis und Gewalt" von Georg K. Glaser erschien erstmals 1951 und 1955 in einer Ausgabe der Büchergilde Gutenberg. Der Roman trägt autobiografische Züge und thematisiert die zum Zeitpunkt seiner Entstehung nicht weit zurückliegende Niederlage der kommunistische Bewegung in Deutschland. Schon der Titel verweist darauf, dass es sich bei dieser Niederlage um eine gewaltsame handelt, Glaser schildert Verhaftungen von Kommunisten, Flucht, Verhöre und Prozesse. Allerdings reflektiert er auch eigene Fehler. Er hinterfragt von der Parteileitung gefordete Widerstandsaktionen in den Jahren 1933 und 34, die er angesichts der Stimmung in Deutschland für selbstmörderisch hält. Er kritisiert, dass Kommunisten diese Stimmung leugnen und verdrängen, die doch spätestens die Abstimmung im Saarland so deutlich vor Augen führt.

 "Niemandem schien es wichtig zu wissen, daß Menschen aus einem Mehr an Zwang, Angst und Pflichten eine größere Sicherheit beziehen konnten." S. 334

Er bedauert, die Vorzüge des Rechtsstaats von Weimar nicht erkannt zu haben und im französischen Exil der dreißiger Jahre sagt Albert: "Die Arbeiterbewegung war nie mehr als eine ergänzende Kritik der bürgerlichen Gesellschaft. Seitdem die Gewaltschleicher bewiesen haben, daß die bürgerliche Ordnung anders als durch diese Kritik und zugunsten anderer Gruppen als der Arbeiterklasse verändert werden kann, ist unsere ganze Geschichtsbetrachtung wieder in Frage gestellt, und aus einer notwendigen Entwicklungsstufe wird der Liberalismus zu einem einzigartigen Unfall, einem mißglückten Versuch, die Macht anders als unmittelbar auszuüben. Die Arbeiterbewegung geht an denselben Widerständen zugrunde wie die bürgerliche Gesellschaft. Der letzte Versuch, beide, Liberalismus und Arbeiterbewegung, in die Zukunft zu retten, der Versuch der Volksfront ist gescheitert. Überall da, wo die Bewegung auf eigene Faust ihre Gedanken in die Tat hat umsetzen wollen, ist sie entweder in den blutigsten aller Bürgerkriege zurückgewiesen worden, oder aber, wenn sie gesiegt hat, in eine endlose, elende und tragische Spottposse auf ihre eigenen Ideen ausgemündet." S. 343

Trotz aller Kritik bleibt aber die Abneigung gegen die Gewalt bestehen, sie muss aber neu formuliert werden.

"Ich wußte nicht recht, woran ich war, noch was ich wollte. ich war seit langem ohne Partei und ohne Bewegung, aber ich hoffte doch auf ein Lebenszeichen von deren Seite." (S. 373)

"Geheimnis", der andere Teil des Titels, bezieht sich auf das Private: auf das Geheimnis, wie Schreiben gelingen kann, auf das, was einem an sich selbst nicht erklärlich ist, auf das was man vor anderen verbergen muss, z.B. als kriegsgefangener Arbeiter im Gespräch mit Kollegen oder auf der Flucht.

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