Walter Benjamin

Schwerer ist es, das Gedächtnis der Namenlosen zu ehren als das der Berühmten.
Dem Gedächtnis der Namenlosen ist die historische Konstruktion geweiht.

Walter Benjamin, Gesammelte Schriften, Band I, Seite 1241.

02.11.13

Denis Diderot

Matthias Greffrath veröffentlichte in der Zeit vom 2.10. ein Porträt Diderots. Interessant ist, dass die Aufklärer des 18. Jahrhunderts die Encyclopédie auf eine recht parteiische Weise schrieben. Sie bemühten sich nicht, das Wissen ihrer Zeit als außenstehende Beobachter zu sammeln und in ihrem Lexikon aufzuschreiben. Wahrheit war für sie nicht neutral und objektiv, nicht auf Pluralismus bedacht, wahr war die Kritik an den bestehenden Verältnissen.

In der Tat, die Beweise waren eindeutig. Seit Monaten lagen der französischen Polizei Spitzelberichte vor, und die Bücher und Manuskripte in seiner Wohnung ließen keinen Zweifel an seinen gefährlichen Gedanken. Nach einer Woche im Staatsverlies Vincennes südöstlich von Paris leugnete der Gefangene noch, aber nach weiteren zehn Tagen, am 10. August 1749, brach er zusammen und gab alles zu. Schließlich war der Haftbefehl unbefristet; die Aussicht, auf unabsehbare Zeit in diesem Zellenloch sitzen zu müssen, hatte das Geselligkeitsgenie Denis Diderot an den Rand des Wahnsinns getrieben.
Ja, er hatte das geschrieben: "Der Gedanke, dass es keinen Gott gebe, hat noch niemanden erschreckt, wohl aber der Gedanke, dass es einen Gott gebe, wie man ihn mir schildert." Und auch diesen schmuddeligen kleinen Roman, in dem die weiblichen Geschlechtsorgane plaudern können und eine Kurtisane sich über Gott und Descartes lustig macht: "Der erste Wohnsitz der Seele sind die Füße ..."

Der Henker von Paris hatte Diderots Philosophische Gedanken zerrissen und verbrannt. An anderen Orten im Lande verbrannte man damals noch Menschen, die bei Prozessionen nicht den Hut abnahmen. Aber gefährlicher für die herrschende Ideologie als Skepsis und galante Romane war auf lange Sicht Diderots Brief über die Blinden. In ihm war die Physiologie zu einer politischen Wissenschaft geworden: Unter ihrem nüchternen Blick löste sich die Seele auf, und mit ihr Gott – und der Glaube an den König. "Wenn die Menschen einmal gewagt haben, den Schutzwall der Religion anzugreifen – den fürchtenswertesten und geachtetsten, den es gibt –, dann ist kein Halten mehr. Haben sie erst einmal drohende Blicke gegen die Majestät des Himmels gerichtet, dann werden sie alsbald auf die Herrschaftsverhältnisse auf der Erde schauen."
Im Verhör schwor Diderot den "geistigen Vermessenheiten, die meiner Feder entschlüpft sind" ab und unterschrieb einen Revers, auf dem stand: "Es werden die letzten sein." Daran hat er sich gehalten und zeitlebens nichts dergleichen mehr veröffentlicht. Jedenfalls nicht unter seinem Namen.
Bis zu diesen Tagen des Sommers 1749, bis zu seiner Haft in Vincennes, war der Mann aus der Provinz, Sohn eines Messerschmieds, über ein paar Pariser Salons hinaus kaum bekannt, sein Lebenslauf typisch für ein hochbegabtes Aufsteigerkind. Am 5. Oktober 1713 in dem ostfranzösischen Städtchen Langres geboren, kommt er mit 13 Jahren in seiner Heimatstadt aufs Jesuitenkolleg. Er will Priester werden, geht nach Paris, gerät dort in die theologischen Kämpfe zwischen den Jesuiten, die am Hof das Sagen haben, und den Jansenisten, die eine Religion für die aufsteigende Mittelschicht predigen. Darüber wird er zum Skeptiker und schließlich zum Materialisten. Er schlägt sich durch, als ewiger Student, als Hauslehrer, als Schnorrer, mit gelegentlichen kleinen Aufsätzen über eine neuartige Drehorgel oder mathematische Probleme. Seinen Vater lässt er wissen, er wolle "nichts werden", nur immer mehr wissen. Mit 28 heiratet er, "unter Stand" und heimlich, eine schöne, schlichte Frau, eine Näherin.
Frankreich stagniert. Leidet unter den Ausgaben für Krieg und Versailles. Die Bauern verstecken das Vieh vor den Steuerinspektoren und leben im Dreck. Die Manufakturen bleiben hinter den englischen und preußischen zurück. Vor dem klerikalen Gesinnungsterror fliehen Handwerker, Ingenieure und Wissenschaftler nach St. Petersburg, wo gut gezahlt wird, oder ins Preußische, wo zumindest religiöse Toleranz herrscht. Dabei liegt so viel Fortschritt in der Luft: chemische Formeln, neue Staatsformen, die Entdeckungen in Übersee, neue Maschinen, neue Vermutungen über den Anfang der Erde, der Tiere, des Menschen.
Der freie Radikale, hochgewachsen, unterwegs stets im grauen Rock und ohne Perücke, muss nun eine Familie ernähren. Und lebt doch weiterhin à la bohème, lässt nichts anbrennen, keinen Gedanken, keine Affäre. Um Madame de Puisieux, seine Maitresse, zu finanzieren, schreibt er in einer Woche die Indiskreten Kleinode. Im Palais Royal spielt er Schach gegen Rousseau, im Café Procope diskutiert er mit dem Mathematiker d’Alembert Buchprojekte. Er ist umtriebig neugierig auf allerlei Gebieten, eloquent und feuerköpfig, und wie viele Aufsteiger glaubt er an die Macht der Gedanken.
Der ideale Mann, so befinden seine Verleger, um ein Lexikon der neuen Art herauszugeben, in das sie viel Geld investiert haben: eine Enzyklopädie aller Wissenschaften, Künste und Handwerke. Doch da kommt die Verhaftung. Die Verleger protestieren: Was soll jetzt aus ihrem Werk werden? Arbeitsplätze sind in Gefahr, Setzer, Stecher, Drucker ... Das Argument zieht immer, im November 1749 kommt Diderot frei.
Zwei Jahrzehnte, die besten Jahre seines Lebens, verzehrt die Encyclopédie. Diderot schreibt Tausende von Artikeln, rekrutiert 150 Autoren und geht selber in die Werkstätten der Handwerker, um die Produktionsverfahren, die Namen von Materialien und Werkzeug zu lernen. Die 28 Bände, die zwischen 1751 und 1772 erscheinen, sind das Meisterstück der Aufklärung.
Ihre Verleger werden reich, Sorge bereiten ihnen nur die Zensur und ein Herausgeber, der listig entschlossen ist, dem "Lexikon" seine Handschrift aufzudrücken. Denn anders als für sie ist das Werk für ihn mehr als nur eine Mischung aus technischem Handbuch und Konversationslexikon.
Es wird zur politischen Satire, wenn zum Beispiel ein überraschend ironischer Rousseau hier den Hobbesschen Gesellschaftsvertrag persifliert: "Ich werde gestatten, dass Ihr die Ehre habt, mir zu dienen, unter der Bedingung, dass Ihr mir für die Mühe, die ich mir mache, Euch zu kommandieren, das wenige gebt, was Euch bleibt." Es wird zum Lebenskunstbrevier mit Kochrezepten und Ratschlägen gegen Depression: "Nicht immerzu glauben, man habe eine Vorzugsbehandlung verdient." Zum Lehrbuch über die Liebe: "Ich vermute, daß verschiedene Männer sich derselben Frau verbinden können; die einen lieben sie wegen ihres Geistes, die anderen für ihre Tugend, die dritten wegen ihrer Fehler ..." Befremdet schreibt der fast eine Generation ältere Voltaire aus Genf: "In Ihrem Lexikon wagt man es, ich zu sagen ..."
Es ist ein helles, ein heiteres Unterfangen, und ein Schelmenroman dazu. Die Theologen schäumen, wenn sie da, wo sie es nicht erwarten, die winzigen materialistischen Viren finden. So steht unter dem Stichwort "Menschenfresser": "Siehe auch Eucharistie, Kommunion, Altar usw."
Er braucht Geselligkeit und Cafés, Klatsch und Debatte
Auch der Artikel "Sarazener" dürfte den Autoren viel Spaß gemacht haben. Am Anfang und für die Augen der Zensoren kritisiert er die Wissenschaftsfeindlichkeit des Islams. In der Mitte formuliert er die Hoffnung, dass zunehmende Aufklärung und abnehmender religiöser Dogmatismus einander entsprechen. Und hinten rechnet er, als Beweis für den Sieg der Vernunft, die abnehmende Zahl der Hostien vor, die in Paris noch ausgeteilt werden.
71 000 Artikel plus 2900 Stiche, deren Legenden dem Handwerk und den Werkzeugen erstmals einheitliche Namen geben. Dazu Galantes, Philosophisches, Politisches. Es ist ein wenig so, als säßen heute Harald Lesch, Wilhelm Schmid, Uwe Wesel, Gabriele Goettle, Georg Schramm, Barbara Sichtermann, Willi Winkler und Alexander Kluge beieinander, um als Herausgeber gemeinsam mit der arbeitslosen Brockhaus-Redaktion Wikipedia zu füttern.
Das erste Verbot kommt 1751, es wird stillschweigend gelockert. Aber nach einem Attentatsversuch auf Ludwig XV. verschärft sich die Repression. Die Encyclopédie wird endgültig verboten, der Papst setzt sie auf den Index. Diderot schlägt den Verlegern vor, die restlichen acht Bände heimlich im Untergrund zu drucken und nach Fertigstellung alle Exemplare gleichzeitig auszuliefern. D’Alembert und Voltaire springen ab und warnen – nicht nur aus Furcht: Ihnen passt die ganze Richtung nicht mehr, vieles ist ihnen zu plebeisch, zu antireligiös. Sie drängen Diderot, aufzugeben.
Aber der Bürger Diderot arbeitet weiter, pflichtbewusst, wenngleich es keine rechte Freude mehr macht. Das meiste von dem, was er sonst noch schreibt – poetische Schriften, Kunstkritiken, philosophische Erzählungen –, fließt in die Correspondence des Melchior Grimm, ein von Hand vervielfältigtes Journal aus Paris, mit dem der deutsche Baron Europas aufgeklärte Fürsten versorgt. Oder es bleibt in der Schublade, wie der von Laurence Sterne inspirierte Roman Jacques der Fatalist und sein Herr, und wird erst später, peu à peu, gefunden, manches davon noch im 20. Jahrhundert.
Ich habe einen Vertrag zu erfüllen, sagt er allen, die an seinem Encyclopédie- Dienst zweifeln. Aber das allein wird es nicht gewesen sein. Diderot ist weder zum Repräsentanten noch zum Wanderprediger gemacht, kein Voltaire, kein Rousseau. Er braucht Geselligkeit, die Entzündung durch Neuigkeiten, Streit, Klatsch, seine Cafés, seine Freunde. "Ich dichte nicht, ich bin überhaupt kein Autor. Ich lese, oder ich unterhalte mich; ich frage, oder ich antworte. Wenn Sie nur mich hören, werden Sie mir vorwerfen, es sei ohne Zusammenhang."
Ein liebenswerter Kerl, notiert einer der Enzyclopedisten, "ein großer Philosoph, der aber ständig in Exkurse abschweift. Gestern zählte ich in der Zeit von neun bis ein Uhr, während der er bei mir in meinem Zimmer war, derer fünfundzwanzig." Für Diderot ist die Abschweifung ontologisches Prinzip, denn streng kausal genommen, gibt es sie gar nicht: "Nichts ist ohne Zusammenhang, weder im Kopf eines Träumenden noch in dem eines Narren, und im Gespräch hängt auch alles zusammen."
Es ist die Logik des Traums und des Gedächtnisses, die ihn fasziniert. "Ich bin geneigt zu glauben, dass alles, was wir gesehen, kennengelernt, wahrgenommen und gehört haben, [...] in uns ohne unser Wissen weiterbesteht. [...] Der Schlaf versetzt mich in Konzerte zurück, die genau so gespielt werden, wie damals, als ich zugegen war."
Ich bin geneigt zu glauben: So klingt eine der höflichen Wendungen, mit denen er sich dem nähert, was alle kennen, die sich beobachten – und was sich bislang aller Messbarkeit entzieht: die wahre Funktionsweise des Gehirns, das Zusammenspiel von Denken und Empfinden, Wunsch und Wille.
Der Schlaf der Vernunft gebiert für ihn keine Ungeheuer, sondern beseelten Materialismus. "Jedes Tier ist mehr oder weniger Mensch; jedes Mineral mehr oder weniger Pflanze; jede Pflanze mehr oder weniger Tier. [...] Nichts ist seinem Wesen nach nur das eine oder das andere [...]. Und ihr redet von Individuen, ihr armseligen Philosophen! [...] Es gibt keine, nein, es gibt keine ... Es gibt nur ein großes Individuum, das ist das Ganze. [...] Solange ich lebe, reagiere ich als einheitliche Masse, als toter Körper reagiere ich in Molekülen ... Ich sterbe also gar nicht? ... Nein, in diesem Sinne sterbe ich gewiss nicht ..."
Der so im Halbschlaf vor sich hin spricht, ist der Mitherausgeber der Encyclopédie, d’Alembert. D’Alemberts Traum heißt dieser Dialog, Diderots wohl kühnster und verspieltester Text. Er offenbart eine Art mystischen Materialismus: mystisch, weil über alles Erfahrbare hinausgreifend, materialistisch, weil völlig transzendenzfrei. Einiges von diesem beseelten Materialismus findet Eingang in die Encyclopédie: "Die Ausdrücke Leben und Tod haben nichts Absolutes; sie bezeichnen nur die aufeinanderfolgenden Zustände ein und desselben Wesens", heißt es unter dem Stichwort "Entstehen". Und dann leistet sich Diderot eine kleine romantische Spekulation: "Wer weiß, ob die Asche (eines Vaters einer Mutter, eines Geliebten) nicht unsere Tränen spüren und darauf reagieren kann?"
Hat er sich den Mächtigen zu sehr genähert?
Es gibt keine Lücke im Gewebe der Welt, es gibt nur Glieder, die wir noch nicht kennen. Das ist ein Fundamentalismus der heiteren Art. Er zerstört die wunderreichen Fundamente der Religion und antizipiert, worauf Gehirnforschung, Evolutions- und Molekularbiologie insgeheim hinarbeiten: die Fundamente einer diesseitigen Metaphysik. Er plant eine "experimentelle Naturgeschichte des Menschen", eine Theorie des Körpers, die ihn als einen Moment der gesamten Materie des Universums betrachtet. "Ich, ein Universum aus Atomen, ein Atom im All", so wird es 200 Jahre später der geniale amerikanische Physiker Richard Feynman sagen. Die Welt braucht Poesie? Sie ist poetisch.
Und dann radikalisiert sich Diderot noch einmal. Die französischen Zustände sind erdrückend, eine Reise zu Zarin Katharina II., die lange um seinen Besuch in St. Petersburg gebuhlt, die ihn üppig subventioniert hat, desillusioniert ihn vollends.
Der Philosoph genießt den Charme der absoluten Macht und lernt ihre – und seine – Grenzen kennen. Hundert Nachmittage verbringt er mit der 15 Jahre jüngeren, deutschstämmigen Zarin, philosophiert mit ihr, "von Mann zu Mann", wie sie sagt, fragt sie aus, macht ihr Vorschläge zur Abschaffung der Despotie. Aber dann sagt sie: "Monsieur Diderot, mit all Ihren großen Prinzipien, die ich sehr gut verstehe, kann man schöne Bücher, aber nur schlechte praktische Arbeit machen [...]. Sie arbeiten nur auf Papier, das geduldig ist; es ist einfach, streitet nicht und setzt weder Ihrer Fantasie noch Ihrer Feder Widerstand entgegen, während ich arme Zarin die menschliche Haut bearbeite, die ungleich reizbarer und empfindlicher ist."
Diderots Konsequenz: Er wird zum Ghostwriter für einen der größten Bestseller des 18. Jahrhunderts, die Geschichte der beiden Indien des Abbé Raynal. Das Buch ist eine radikale Kritik nicht nur des kolonialen Terrors, sondern auch der Fürstenmacht, Ausbeutung und Herrschaft. Diderot liefert Raynals kompilierter Chronik der Eroberungsverbrechen die furiosen rhetorischen Spitzen: "Flieht, unglückliche Hottentotten, flieht [...] Der Tiger nimmt euch nur das Leben. Die anderen aber werden eure Unschuld und Freiheit vergewaltigen." Der Kritik an den Mächtigen folgt die an denen, die sich beherrschen lassen: "Es gibt die unmenschliche Gewalt, die unterdrückt, und die schläfrige und schwache Gewalt, die unterdrücken lässt." Und doch weiß er: "Wenn die Völker unglücklich sind, so werden weder eure Meinungen noch die meinigen, sondern die Unmöglichkeit, noch mehr und länger zu leiden, sie zur Rebellion treiben."
Am Ende all der klandestinen Aufklärungen zieht Diderot eine bittere Bilanz. Hat er sich den Mächtigen zu sehr genähert? Sind die blutigen Rebellionen am Ende nicht wirksamer als das Vertrauen auf die Aufklärung der Könige, auf die Wirkung von Viren und Nadelstichen? War es falsch, den Revers in Vincennes zu unterschreiben? "Die Welt ist das Haus des Starken", steht am Schluss der Elemente der Physiologie. "Die Angst vor dem Tod ist ein Henkel, an dem der Starke uns packt und führt, wohin er will. Zerbrecht den Henkel und enttäuscht die Hand des Starken." Denn "es gibt nur eine Tugend, nämlich die Gerechtigkeit, und nur eine Pflicht, nämlich das Glücklichsein, und nur eine Konsequenz, nämlich sich aus dem Leben nicht allzu viel zu machen und den Tod nicht zu fürchten".
Aber diese Moral ist für Diderot nicht individualistisch. Glück und Gerechtigkeit sind öffentliche Güter, man muss auch sie grenzenlos denken. So, wie man sie fühlt. Unter dem Stichwort "Tagelöhner" steht in der Encyclopédie: "Dieser Menschenschlag bildet den größten Teil der Nation. Sein Schicksal soll eine gute Regierung hauptsächlich vor Augen haben. Ist der Tagelöhner unglücklich, so ist die Nation unglücklich."
Die späten Jahre: ein langsames Verlöschen. In seinem letzten Brief, Februar 1784, man weiß nicht, an wen er ihn gerichtet hat, stehen karge zwei Sätze: "Die Philosophie ist nur das Opium der Leidenschaften, das Greisenalter der Augenblicke." Am letzten Samstagmittag im Juli 1784 stirbt Denis Diderot, nach Lammfleisch mit Chicoree. Er greift nach einer Aprikose. "Was zum Teufel soll mir das schaden?", knurrt er seine Frau an, dann senkt sich sein Kopf.
Normalerweise werden Atheisten ohne Zeremonie verscharrt. Die Familie muss die Gemeinde bestechen, in Saint-Roch findet er ein Grab. Während der Revolution werden Kirche und Grüfte geplündert; auch sein Sarg verschwindet.
Wie es heißt, möchte Präsident François Hollande die "Asche Diderots" zum 300. Geburtstag ins Pantheon überführen, zu Rousseau und Voltaire. Aber längst fordert eine starke Lobby: Mehr Frauen ins Pantheon! Diderot selber wäre begeistert. Der Artikel "Femme" in der Encyclopédie beginnt mit dem Satz: "Frau – das Wort allein berührt die Seele [...], und der Philosoph, der noch nachzudenken glaubt, ist bald nur noch ein Mann, der begehrt, oder ein Liebhaber, der träumt ..."

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Blog-Archiv