Walter Benjamin

Schwerer ist es, das Gedächtnis der Namenlosen zu ehren als das der Berühmten.
Dem Gedächtnis der Namenlosen ist die historische Konstruktion geweiht.

Walter Benjamin, Gesammelte Schriften, Band I, Seite 1241.

31.03.14

Die Verachtung

Le Mépris, Regie: Jean-Luc Godard, 1963

Der Trailer ist genial, der Film ist es leider nicht. Die Figuren sind etwas zu klischeehaft geraten: Fritz Lang spielt Fritz Lang, hier ein deutscher, gelehrter Kenner des alten Griechenlands. Ein reicher amerikanischer Produzent, hat aber mehr für Schauspielerinnen übrig als für die Kunst. Die französische Schauspielerin, gespielt von Brigit Bardot, verhält sich wie eine beleidigte 16-Jährige und wünscht sich von ihrem Mann mehr Eifersucht. Dieser, Drehbuchautor und wohl das Alter Ego von Godard, fühlt sich unverstanden und gelackmeiert.





23.03.14

Figaros Hochzeit















Figaro und Susanna in der Inszenierung der Kölner Kammeroper

W.A. Mozart und Lorenzo da Ponte schwächten die adelskritischen Spitzen etwas ab, erreichten so aber, dass Beaumarchais´ La Folle Journée ou le Mariage de Figaro nach einigen Jahren des Verbots 1786 schließlich doch aufgeführt werden konnte.

Ihr habt noch nichts gesehen

Zum Tode des großen französischen Regisseurs Alain Resnais. 
von Dominik Graf

19.03.14

workers against work

Der amerikanische Geschichtsprofessor Michael Seidman hat in seinem 1991 erschienenen Buch „Workers against work. Labor in Paris and Barcelona During the Popular Fronts“, das erst 2011 als „Gegen die Arbeit. Über die Arbeiterkämpfe in Barcelona und Paris 1936-38“ auf deutsch erschienen ist, zwei historische Beispiele untersucht, in denen die politische Linke die Macht übernommen hat und sich anschließend mit massiven Arbeiterwiderstand auseinandersetzen musste. Jens Benicke hat zu diesem Buch eine Besprechung verfasst.

Der siebente Kontinent

"Der siebente Kontinent" aus dem Jahr 1989 ist der erste Kinofilm von Michael Haneke, dem radikalsten und intelligentesten Regisseur unserer Zeit. Das Alltagsleben in der kapitalistischen Gesellschaft lässt sich nicht schärfer kritisieren, als es dieser Film tut.

über den Historiker Veit Valentin

Veit Valentin war Republikaner und Weltbürger – vor allem aber: Ein deutscher Historiker, der schreiben konnte. Sein klassisches Buch über die Deutsche Revolution sollte jeder Geschichtsstudent kennen. von Ralf Zerback

15.03.14

Éric Rohmer, 1969

























Meine Nacht bei Maud, Regie: Éric Rohmer, 1969

Der Evangelische Filmbeobachter (Kritik Nr. 143/1970) hatte vollkommen Recht, als er schrieb: „Ein geistvoll gemachter Film, gerade in seiner kühl distanzierten Betrachtungsweise anregend zu Gedanken und Gesprächen über den Wert von Moralprinzipien und verschiedene Aspekte der Liebe. Erwachsenen zu empfehlen.“

05.03.14

Odysseus & Co.

Über den griechischen Adel im 8. Jahrhundert v. Chr.

Wirtschaft vor 2000 Jahren


Zur Bedeutung des Handelsverkehrs im römischen Kaiserreich

Von einer Marktwirtschaft, im Sinne eines sich selbst regulierenden Systems von Märkten, kann in Bezug auf des römische Kaiserreich nicht gesprochen werden. Der Markt war im Imperium Romanum nur eine Form der Verteilung von Gütern neben anderen. Diese anderen Formen, Subsistenzwirtschaft und Redistribution sollen kurz skizziert werden, um im Vergleich mit ihnen die spezifische Funktion der Märkte und Händler innerhalb eines Systems verschiedenartiger Austauschbeziehungen analysieren zu können.

Wilhelm Reich

Der Fall Wilhelm Reich, Regie: Antonin Svoboda, Österreich 2012
Der Film ist recht konventionell aufgebaut, entwickelt aber dennoch Spannung, was der historischen Figur W. Reich und dem Schauspieler K.M. Brandauer zu verdanken ist. Es ist schon erstaunlich, dass heute überhaupt ein Film über den ziemlich vergessenen Wilhelm Reich gedreht wurde, über den es in den 70ern noch hieß, dass eine Kritik des Faschismus ohne seine Massenpsychologie des Faschismus nicht zu denken sei. Svoboda hat auch schon 2009 einen wohlwollenden Dokumtarfilm über Reich gemacht, der der DVD beiliegt. In dieser Doku wird auch Reichs Engagement in der KPD erwähnt.

Schamoni vs. Lemke

Ein großer graublauer Vogel, Regie: Thomas Schamoni, Deutschland 1969
Der erste Film des Filmverlags der Autoren. Die Handlung geht in diesem Film leider in einem Wust von Künstlertum und überambitioniertem Experimentieren unter. Das versteht kein Arbeiter.

Rocker, Regie: Klaus Lemke, Deutschland 1971
Im Mittelpunkt stehen eigentlich nicht die Rocker, sondern der jugendliche Mark, der seinen großen Bruder Ulli und Rocker (wie z.B. Gerd) bewundert. Die Form, grobschlächtige Sprache und grobkörnige Bilder, verdeckt hier nicht die Geschichte, sondern hebt sie hervor. Diese Geschichte erzählt von Marks Einstieg in die schöne aber auch rohe, raue und brutale Welt der Älteren

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Filme gegen Erwachsene

Paradies: Hoffnung, Regie: Ulrich Seidl, Österreich 2013
Die Mutter der 13-jährigen Melanie ist im Urlaub in Kenia und telefonisch nicht erreichbar, der Fitnesscoach im Camp ist eine Karikatur, der Arzt nähert sich ihr zunächst an, als sei er im gleichen Alter, und distanziert sich kurz darauf, als sich Melanie in ihn verliebt, ohne Erklärungsversuch. Die Erwachsenen sind hier keine Vorbilder.

Fish Tank, Regie: Andrea Arnold, GB 2009
Die 15-jährige Mia verliebt sich in Connor den Freund ihrer Mutter. Diese Mutter ist selbst noch nicht ganz erwachsen und unternimmt wenig mit ihren Töchtern, davon hebt sich Connor angenehm ab. Doch auch er erweist sich als Enttäuschung, als er Mia eines Abends verführt und vergewaltigt und sich am nächsten Morgen aus dem Staub macht.

Während bei Paradies: Hoffnung durch die Art und Weise, wie das Diät-Camp konzipiert ist, das Satirische überwiegt, ist Fish Tank ein sehr trauriger Film, in dem Hoffnung zerschlagen wird und am Ende nur die Flucht bleibt.

Wirtschaftspolitik um 1500

Der Ratschlag über die Monopolien als Beispiel für Wirtschaftspolitik auf Reichsebene an der Wende vom Mittelalter zur Neuzeit

02.03.14

W. Waiblinger über evangelische Schulen


Nun mag es wohl auch die Art, wie man Wissenschaft und Sprachen treibt und lehrt, gewesen sein, was unserm ungeduldigen, besser begabten Jünglinge harte Fesseln anlegte. Man mag über dererlei Erziehungsanstalten sagen, was man will, so bleibt immerhin wahr, dass dem ein­zelnen Lehrer zuviel Gewalt überlassen ist. Sieht man, wie oft ein solcher von äußerst beschränktem Geiste, wenn auch von vielem Wissen ist, wie un­klar, zwecklos, mit welchen Umwegen zum Ziele gearbeitet wird, wie man alles erschwert, wie selten die Lehrer Männer von hellem Kopf und Urteil sind, wie wenig sie die Mittel verstehen, um die Jugend zu leiten, wie wenig sie Talent und Kraft haben, um aufkeimende Fähigkeiten zu wecken, zu nähren, auf guten Weg zu bringen, wie gänzlich solche Stubenmenschen mit dem Leben unbekannt sind, wie wenig sie den Menschen kennen, so kann man begreifen, wie es möglich ist, dass oft Talente von Bedeutung gänzlich irre geleitet und in Gefahr gebracht werden, nie mehr durch eigene Selbster­ziehung verbessern zu können, was in frühern Jah­ren durch die Engbrüstigkeit und Unfähigkeit der Lehrer an ihnen verdorben wurde. Statt dass dieser im Stande sein sollte, jede Eigentümlichkeit der Schüler herauszufinden, und je nach der Beschaf­fenheit des Individuums so oder anders auf seine Rezeptivität zu wirken, macht man keinen Unter­schied, sondern treibt sie mechanisch auf eine Art zu einer Arbeit an, als wenn sie nichts als gleich ge­baute Uhren wären, deren Stahlfeder der Lehrer nach Belieben aufzöge. Diese traurige Erfahrung mag auch auf das ohnedies so verletzbare und empfindliche Wesen unsers jungen Dichters ge­wirkt haben. Jedoch studierte er mit Eifer die alten Sprachen, gehörte zu den Besten, und war beson­ders für das Griechische eingenommen.
aus: Wilhelm Waiblinger: Friedrich Hölderlins Leben, Dichtung und Wahnsinn, Winter 1827/28.

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