Claires Knie, Eric Rohmer, 1970
Bei Rohmer hat man immer das Gefühl, er habe zuerst einen
philosophischen Aufsatz geschrieben, die Gedanken aus diesem dann mehr oder
weniger willkürlich auf verschiedene Figuren verteilt, womit er das Drehbuch
hatte, das er dann schließlich verfilmte. In diesem Fall redet dann eine
16-Jährige, wenn sie dem narzisstischen Protagonisten Jérôme Paroli bietet, so
lebenserfahren, als wäre sie ihre eigene Mutter. Den Auftrag, einer Freundin
Ideen für einen Roman zu liefern, nimmt Jérôme als willkommenen Anlass für
lässige Flirts mit Laura und Claire. Vielleicht kritisiert der Film, dass er
sich solche Ausreden zurechtlegt.
Baal, Volker Schlöndorff, 1970
Wie Schlöndorff im Interview zugibt, ist der Film heute vor
allem noch sehenswert, weil Fassbinder die Hauptrolle spielt und in dieser sich
selbst.
Night
Moves, Kelly Reichardt 2013
Drei süße, kleine Ökos sprengen einen Staudamm, weil er die
Landschaft verschandelt. Anschließend plagt die Frau in diesem Trio ein
schlechtes Gewissen, weil ein Camper vermisst wird. Daraufhin bringt ihr Kumpel
sie zum Schweigen und zeigt damit, dass er weniger sozial ist, als vom
Zuschauer angenommen. Winter’s Bone (2010) von Debra Granik, der auch
von amerikanischen Provinzlern handelt, fand ich eindrucksvoller.
Phoenix,
Christian Petzold, 2014
Dieser neue und gelungene Film von Christian Petzold verpackt Kritik am
Umgang der Deutschen mit der Vergangenheit als Film Noir. Der Film ist spannend
(weil man sich fragt, ob Jonny seine Frau nicht irgendwann erkennt), zuweilen
gruslig, stilsicher ausgestattet, gut gespielt, nicht zu lang und somit
unterhaltsam. Bewegend ist die Musik. Petzold verwendet Musik ja immer sehr
bewusst, meist nur, wenn die Figuren ein bestimmtes Lied auflegen, spielen oder
singen. Hier ist dieses Verfahren auf die Spitze getrieben, sodass die Musik entscheidende
Bedeutung erhält.