Walter Benjamin

Schwerer ist es, das Gedächtnis der Namenlosen zu ehren als das der Berühmten.
Dem Gedächtnis der Namenlosen ist die historische Konstruktion geweiht.

Walter Benjamin, Gesammelte Schriften, Band I, Seite 1241.

17.10.17

Science Fiction

Mein erster 3D-Film: Blade Runner 2049 (Regie: Denis Villeneuve, 2017) hat Georg Seeßlen, in seiner kurzen, lesenswerten Besprechung in der Printausgabe der ZEIT als "Science Fiction Noir" bezeichnet, was es trifft, denn der Film ist vorallem düster.
Ex Machina (Regie: Alex Garland, 2015) überzeugt mit einem Frankenstein als Hipster. Wie Blade Runner 2049 erklärt der Film den Freiheitswillen zu dem Merkmal, das zum Menschen macht.

Genrekino

Eine Doku über die deutschen Bahnhofskinos ("AKIs"), in denen in den 50er und 60er Jahren hauptsächlich Genre-Filme liefen, brachte mich auf die Idee, einen Grusel- und einen Action-Klassiker anzuschauen. Die Brut (1979) von David Cronenberg und Assault on Precinct 13 (1976) von John Carpenter.
Ersterer lebt vom Kontrast zwischen skandinavisch, herbstlicher Landschaft, friedlichen Beige- und Brauntönen des Interieurs und der Architektur, gemütlichen Hippie-Frisuren (der Protagonist fährt Volvo) und dem Schrecken, der in diese 70er Jahre Welt fährt. Es scheint außerdem ein im Horrorfilm übliches Motiv zu sein (Rosemaries Baby; Possession), dass Frauen das Böse gebären.
Assault on Precinct 13 ist ein Actionfilm, der den Namen verdient. Von John Carpenter sind auch Drehbuch, Schnitt und die geniale Musik gemacht. Ich bin gespannt auf den Roman Die Farm von Max Annas, der sich angeblich an diesem Film orientiert.

10.10.17

Valeska Grisebach: Western

Es ist eigentlich ein Geniestreich alle Motive des Western (Frontier, Fahne, abendliche Tanzveranstaltung im Freien, Dorf, einfache Abenteurer, Fluss, Landschaft, Pferde, Messer, Gewehre, Faustkampf, der Blick auf die Ureinwohner ("Dorfis"), Anpirschen, Lauschen, Männerfreundschaft und Rivalität, Frau als Besitz der Gruppe, Clan, Kriegsname,...) in einen ganz gegenwärtigen Film zu packen und den dann Western zu nennen.

Richard Sorge




















Isabel Kreitz: Die Sache mit Sorge, Stalins Spion in Tokio, Carlsen Verlag, Hamburg 2014.

Dieses spannende Buch über die letzten Monate des kommunistischen Agenten Richard Sorge ist in genau dem Comic-Stil gezeichnet, den ich mag, vielleicht kann man ihn klassisch oder realistisch nennen. Jedenfalls orientieren sich die Zeichnungen an Fotos und sind detailversessen gestaltet. Als Beispiele fallen mir nur Hal Foster und Florenco Clavé ein.

J.D. Vance

Die Hillibilly-Elegie von J.D. Vance kann man wegen der zahlreichen Anekdoten aus dem Millieu der us-amerikanischen, weißen, ehemaligen Arbeiter flüssig weglesen. Es bedient womöglich die voyeuristische Ader, wegen der man auch Filme von Ulrich Seidl anschaut. Das Buch enthält sich, entgegen der Ankündigung im Klappentext, fast aller politischer Wertungen, ist einfach autobiografisch. Einen Tick zu sehr erhalten so die Möglichkeiten des Einzelnen Gewicht. Zugleich ist es ja aber sympatisch, dessen Freiheit zu betonen.

Film Noir

In allen drei Filmen töten die Protagonisten für (im Falle von la femme infidèle: wegen ) Frauen.
Am radikalsten und besten ist der Film mit Michel Piccoli und Romy Schneider. Es geht um ein Duell zwischen Idealismus und Pragmatismus. Zwar fehlen Provinz und Idylle, über die das Unglück hereinbrechen könnte, weil der Protagonist aber Kommissar ist, ist der Film gar nicht soweit weg von den Noir Filmen der 40er und 50er Jahre. Deneuve und Belmondo erinnern an Bonny und Clyde.
Der Film von Chabrol ist eine der Studien über die bürgerliche Familie, für die er bekannt wurde.















Das Mädchen und der Kommissar (Max et les ferrailleurs), Regie: Claude Sautet, 1971.
Michel Piccoli: Max
Romy Schneider: "Lili" /Julia Anna Ackermann


















Das Geheimnis der falschen Braut (La sirène du Mississippi), Regie: François Truffaut, 1969.  Catherine Deneuve als Julie Roussel/Marion Vergano
Jean-Paul Belmondo als Plantagenbesitzer Louis Mahé
Michel Bouquet in der Rolle des Privatdektetivs Comolli





















Die untreue Frau ( La femme infidèle) Regie: Claude Chabrol, 1969.
Michel Bouquet als Charles Desvallées
Stéphane Audran als Hélène Desvallées


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