Walter Benjamin
Schwerer ist es, das Gedächtnis der Namenlosen zu ehren als das der Berühmten.
Dem Gedächtnis der Namenlosen ist die historische Konstruktion geweiht.
Walter Benjamin, Gesammelte Schriften, Band I, Seite 1241.
Dem Gedächtnis der Namenlosen ist die historische Konstruktion geweiht.
Walter Benjamin, Gesammelte Schriften, Band I, Seite 1241.
26.04.16
Arbeit Bewegung Geschichte
Peter Nowak stellt die neue historische Zeitschrift "Arbeit Bewegung Geschichte" vor.
16.04.16
Sebastian Haffner: "Die Pariser Kommune"
"Am 28. März wurde die neugewählte Kommune von Paris feierlich proklamiert, ihre 92 Mitglieder versammelten sich auf dem Balkon des Stadthauses, über dem eine rote Fahne wehte, und über den Platz davor paradierte drei Stunden lang die gesamte Nationalgarde.
Viele Pariser sagten, es sei die schönste Parade, die sie je gesehen hätten - und sie hatten manche schöne Parade gesehen. Es war ein Siegesfest. Die Nationgardisten salutierten vor den gewählten Volksvertretern, indem sie, Bataillon für Bataillon, ihre Käppis im Gleichtakt auf die Spitzen ihrer Bajonette hißten. Der Frühlingstag war hell und blau, die Fahnen wehten, die Clairons schmetterten, und die Kanonen - die zurückeroberten Kanonen - schossen Salut. Am Abend wurde auf den Straßen getanzt.
Paris feierte seinen Sieg und seine Freiheit. Zwei Monate später starben die letzten der Sieger und Freiheitskämpfer auf diesem Platz schockweise unter den Salven der Erschießungspelotons."
Im Gegensatz zu vielen Historikern konnte Haffner schreiben. Ich denke, Elemente seines Stils sind u.a.: Eine Syntax, die sich vor Hauptsätzen nicht scheut, Detailaufnahmen, die das Geschehen lebendig werden lassen, Vorausdeutungen, die für Spannung sorgen und der Mut, lange Entwicklungslinien zu zeichnen. Z.B. beschreibt Haffner im Schlusskapitel seines Aufsatzes die Lehren, die Lenin aus der Geschichte der Kommune zog.
Dieser Aufsatz von Sebastian Haffner erschien anlässlich des hundertsten Jahrestags der Pariser Kommune 1971 in der Illustrierten "Stern" und wurde mindestens zweimal nachgedruckt: 1985 in einem Sammelband, der heute unter dem Titel "Historische Variationen" noch erhältlich ist, und 1996 im Band "Zwecklegenden - Die SPD und das Scheitern der Arbeiterbewegung", den 1996 Uwe Soukup herausgab.
Viele Pariser sagten, es sei die schönste Parade, die sie je gesehen hätten - und sie hatten manche schöne Parade gesehen. Es war ein Siegesfest. Die Nationgardisten salutierten vor den gewählten Volksvertretern, indem sie, Bataillon für Bataillon, ihre Käppis im Gleichtakt auf die Spitzen ihrer Bajonette hißten. Der Frühlingstag war hell und blau, die Fahnen wehten, die Clairons schmetterten, und die Kanonen - die zurückeroberten Kanonen - schossen Salut. Am Abend wurde auf den Straßen getanzt.
Paris feierte seinen Sieg und seine Freiheit. Zwei Monate später starben die letzten der Sieger und Freiheitskämpfer auf diesem Platz schockweise unter den Salven der Erschießungspelotons."
Im Gegensatz zu vielen Historikern konnte Haffner schreiben. Ich denke, Elemente seines Stils sind u.a.: Eine Syntax, die sich vor Hauptsätzen nicht scheut, Detailaufnahmen, die das Geschehen lebendig werden lassen, Vorausdeutungen, die für Spannung sorgen und der Mut, lange Entwicklungslinien zu zeichnen. Z.B. beschreibt Haffner im Schlusskapitel seines Aufsatzes die Lehren, die Lenin aus der Geschichte der Kommune zog.
Dieser Aufsatz von Sebastian Haffner erschien anlässlich des hundertsten Jahrestags der Pariser Kommune 1971 in der Illustrierten "Stern" und wurde mindestens zweimal nachgedruckt: 1985 in einem Sammelband, der heute unter dem Titel "Historische Variationen" noch erhältlich ist, und 1996 im Band "Zwecklegenden - Die SPD und das Scheitern der Arbeiterbewegung", den 1996 Uwe Soukup herausgab.
Februar 1934: Aufstand in Österreich
Ein kleiner, aber feiner Linolschnitt-Comic über ein in Deutschland weniger bekanntes Geschichtskapitel.
11.04.16
Max Pechstein (1881-1955)
An Pechsteins Gemälden gefallen mir die Farben. Seine Holzschnitte, Tuschezeichnungen und Aquarelle zeigen, dass er ein echter Allrounder war. Aber wahrscheinlich waren das alle großen Künstler.
Emmanuel Carrère: Das Reich Gottes
Nach den ersten hundert Seiten, auf denen der Autor, bzw. sein Ich-Erzähler, erklärt, warum er das Buch schreibt, wird es interessant und man lernt einiges: über Paulus und seinen Streit mit Petrus und Josephus, über Lukas und das Interesse der Römer und Griechen am Judentum, über die wunderlichen Worte und Taten von Jesus, über römische Schrifsteller (Seneca, Martial, Flavius Josephus) und Kaiser (Nero, Titus), über den jüdischen Aufstand und seine Folgen. Carrère gelingt es mit gewagten Vergleichen die Welt des 1. Jahrhunderts lebendig werden zu lassen. Ein aktueller französischen Autor, der seine Bücher, sofern die anderen diesem hier ähneln, recht interessant aufbaut.
10.04.16
Heinz Strunk: Der Goldene Handschuh
Ein wirklich wortgewaltiger und deprimierender Roman. Man könnte über die Frage diskutieren, ob das Buch den Ausgestoßenen, Verwahrlosten und Verlierern ein Denkmal setzt und sich mit ihnen solidarisiert oder ob es sie als Material zur Demonstration von schriftstellerischem Können missbraucht.
Filme
The Hateful Eight (2015) Regie: Quentin Tarantino. Den Film hätte man insgesamt und besonders um einige Gewaltszenen kürzen können. Deutlich subtiler und mehr zur Diskussion anregend erzählt da ein anderer Hinstorienfilm von der Gewalt: a most violent year (2014) von Regisseur J. C. Chandor.
Der Staat gegen Fritz Bauer (2015) Regie: Lars Kraume, mit Burghart Klaußner als Fritz Bauer. Der Film porträtiert Fritz Bauer und zeigt sowohl das politische Klima der Gesellschaft in der BRD, als auch Möbel und Innenausstattung der 1950er- und 1960er-Jahre. Dass der Film auf platte Weise Bauers Homosexualität in den Mittelpunkt stellt, wie es in einer Kritik hieß, kann ich nicht bestätigen. Interessant ist, dass es inzwischen immerhin sieben Filme über Bauer gibt.
Carol (2015) Regie: Todd Haynes. Mit Cate Blanchett und Rooney Mara.
Weil er an Weihnachten lief und es im Film immer schneit, habe ich ihn leider als Weihnachtsfilm an der Grenze zum Kitsch in Erinnerung.
Dämonen und Wunder (Originaltitel: Dheepan) Regie: Jacques Audiard.
Mich wundert, dass ein Film mit einem so schlechten (nämlich guten) Ende die Goldene Palme (2015) gewinnen konnte.
Caravaggio (1986) Regie: Derek Jarman. Mit Tilda Swinton
Leider kann ich nicht sagen, warum mir dieser Film nicht gefallen hat.
Zwei Tage, eine Nacht (2014) Regie: Jean-Pierre und Luc Dardenne
„Nach dem neuen Film der Dardenne-Brüder sieht man klarer, wie der Kapitalismus das Verhalten formt.“– Peter Körte: FAZ vom 25. Oktober 2014
Auf der Internetseite Trajectoires gibt es sogar einen Artikel von einem postmodern angehauchten Studenten, in dem er Christian Petzold mit den Dardenne-Brüdern vergleicht.
Der Staat gegen Fritz Bauer (2015) Regie: Lars Kraume, mit Burghart Klaußner als Fritz Bauer. Der Film porträtiert Fritz Bauer und zeigt sowohl das politische Klima der Gesellschaft in der BRD, als auch Möbel und Innenausstattung der 1950er- und 1960er-Jahre. Dass der Film auf platte Weise Bauers Homosexualität in den Mittelpunkt stellt, wie es in einer Kritik hieß, kann ich nicht bestätigen. Interessant ist, dass es inzwischen immerhin sieben Filme über Bauer gibt.
Carol (2015) Regie: Todd Haynes. Mit Cate Blanchett und Rooney Mara.
Weil er an Weihnachten lief und es im Film immer schneit, habe ich ihn leider als Weihnachtsfilm an der Grenze zum Kitsch in Erinnerung.
Dämonen und Wunder (Originaltitel: Dheepan) Regie: Jacques Audiard.
Mich wundert, dass ein Film mit einem so schlechten (nämlich guten) Ende die Goldene Palme (2015) gewinnen konnte.
Caravaggio (1986) Regie: Derek Jarman. Mit Tilda Swinton
Leider kann ich nicht sagen, warum mir dieser Film nicht gefallen hat.
Zwei Tage, eine Nacht (2014) Regie: Jean-Pierre und Luc Dardenne
„Nach dem neuen Film der Dardenne-Brüder sieht man klarer, wie der Kapitalismus das Verhalten formt.“– Peter Körte: FAZ vom 25. Oktober 2014
Auf der Internetseite Trajectoires gibt es sogar einen Artikel von einem postmodern angehauchten Studenten, in dem er Christian Petzold mit den Dardenne-Brüdern vergleicht.
Krimis
Kriminalhauptkommissar Hanns von Meuffels (Matthias Brandt) und seine Kollegin Constanze Hermann (Barbara Auer) in der "Polizeiruf"-Folge "Kreise" (2015). Der erste Polizeiruf von Christian Petzold. Auf die beiden nächsten und seine Verfilmung von Anna Seghers "Transit" bin ich schon gespannt.
Der sympathischste Polizist der jüngeren Fernsehgeschichte: Hannes Muck (Gerhard Liebmann) in: "Wenn du wüsstest, wie schön es hier ist" (2015) von Regisseur Andreas Prochaska.
Abonnieren
Posts (Atom)



