Walter Benjamin

Schwerer ist es, das Gedächtnis der Namenlosen zu ehren als das der Berühmten.
Dem Gedächtnis der Namenlosen ist die historische Konstruktion geweiht.

Walter Benjamin, Gesammelte Schriften, Band I, Seite 1241.

23.09.18

Armin Eich: Geschichte des Krieges

Armin Eich hat mit seinem Buch Die Söhne des Mars. Eine Geschichte des Krieges von der Steinzeit bis zum Ende der Antike eine Studie von hohem aufklärerischem Wert vorgelegt. Der Althistoriker schreibt glücklicherweise nicht eine Geschichte der kleinen und großen Schlachten der Frühgeschichte und Antike, sondern versucht vielmehr die historische Genese und die Entwicklungsdynamik des Krieges darzustellen. Hier die Besprechung, durch die ich auf das Buch gestoßen war.

Blackkklansman

Verena Luecken, FAZ, 22.8.2018

Satire, bitterernst: Spike Lees „BlacKkKlansman“ über den Afroamerikaner Ron Stallworth, der Mitglied des Ku-Klux-Klans wurde, erzählt von Ereignissen, die vor vierzig Jahren stattfanden. Und kommt dennoch keinen Tag zu spät.

Gert Loschütz


23.07.18

Volker Weiß: Die autoritäre Revolte

Im Januar 2018 habe ich mit Gewinn das Buch "Die autoritäre Revolte" von Volker Weiß gelesen. Während es im investigativ-journalistischen Stil beginnt, wird es bis zum Schluss immer besser und polemischer. Richtig gut ist dann, wie der Autor mit Foucault den heutigen Antirassismus und mit Palästina-Freund Klaus Holz den Islamismus kritisiert. Tübingen kommt an zwei Stellen vor:

Die hier 1959 gegründete Katholische (später: Konservative) Front führte die kreativen Protestformen in Deutschland ein. https://de.wikipedia.org/wiki/Marcel_Hepp

Der rechte Carl Schmitt-Kenner Günter Maschke heiratete 1965 in Tübingen die Schwester von Gudrun Ensslin. In Tübingen studierte Maschke Philosophie bei Ernst Bloch und war von 1963 bis 1964 Redakteur der Studentenzeitung Notizen. 1964 fand er Anschluss an die radikal-linke situationistische „Subversive Aktion“ Tübingen. Nach deren Auflösung 1966 engagierte sich Maschke im Sozialistischen Deutschen Studentenbund (SDS). https://de.wikipedia.org/wiki/G%C3%BCnter_Maschke

Es ist erfreulich, dass das Buch von Volker Weiß in den Feuilletons auf großes Interesse gestoßen ist, weil es z.B. den Unterschied zwischen Konservativen und Rechten erhellt und die Islamfreundschaft der Identitären und Völkischen beschreibt.

15.07.18

Raumpatrouille

Wie man Kindheitserinnerungen zu Papier bringen kann, zeigt Matthias Brandt in seinem Buch Raumpatrouille. Er entwickelt aus den Erinnerungen kleine Szenen, die als Kapitel nur lose miteinander verbunden sind (die Übergänge sind offensichtlich, die Szenen weniger offensichtlich konstruiert). In diesen Episoden tauchen dann Personen, Gesten und vor allem auch Dinge auf, die, vermutlich als Bilder, im Gedächtnis geblieben sind.

14.07.18

Éric Vuillard: Die Tagesordnung

Das Buch beginnt auf Seite 7 und endet auf Seite 118. Der Autor ist ein Freund der kleinen Form. Interessant ist der Vergleich mit Christian Krachts Die Toten, auch er schreibt ja keine opulente Schwarten und beide widmen sich historischen Stoffen. Vuillard beschreibt hier Hitlers Bündnis mit der Industrie, den Anschluss Österreichs und das Münchner Abkommen, dabei ist sein Erzähler nah am Geschehen, er ist engagiert bis pathetisch. Man gewinnt bei Vuillard den Eindruck, dass er weiß, was er mit seinem Buch will. Krachts Erzähler im Roman über das deutsch-japanische Bündnis nimmt eine distanziert-kühle bis satirische Haltung ein. Der Autor scheint mit seinem Buch kein über Unterhaltung hinausgehendes Ziel zu verfolgen. Für genauere, die Gestalt betreffende, Aussagen müsste ich nun die Bücher ein zweites Mal lesen.

Karl Marx in Paris

In Vorbereitung auf die Marx-Ausstellung in Trier habe ich Jan Gerbers "Karl Marx in Paris" gelesen, das in einem unterhaltsamen, populärwissenschaftlichen Ton geschrieben ist. Das Buch ist entlang biografischer Stationen gegliedert, so auch der erste Teil der Ausstellung im Simeonstift, wobei in Gerbers Buch, anders als dort, jeweils auch beschrieben ist, womit sich Marx in Berlin, Köln, Paris und Manchester beschäftigt hat. Die Inhalte seines Werks sind in Trier im zweiten Teil der Ausstellung (im ohnehin sehr sehenswerten Rheinischen Landesmuseum) anschaulich gemacht. Gerber untersucht also, wo Marx die "drei Quellen" (Lenin) seines Werkes entdeckte. Die idealistische Philosophie lernte er in Berlin kennen, die Revolution in Paris und das Proletariat in England. Gerber stellt dar, inwiefern die Begriffe Revolution und Proletariat zeitgebunden waren. Die ökonomischen Studien, die Marx nach dem Scheitern der 48er Revolution und auf Raten von Friedrich Engels in London begonnen hat, sind nicht Teil dieses Essays, wie Gerber sein Buch irgendwo nennt.

06.07.18

Radsport














  
Bernhard Torsch über Gino Bartali






















Roland Kaufhold über den Rennradfahrer Albert »Teddy« Richter

Robert Herr über den Arbeiter-Radfahrerbund Solidarität

17.05.18

Operation Crossbow (1965)













Lilli Palmer als Frieda, die Hotelière; George Peppard als Lt. John Curtis; Sophia Loren als Nora
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Dominik Graf (Die Zeit 19/2018):

Die Trä­ne von So­phia Lo­ren
Der Re­gis­seur Do­mi­nik Graf über Mi­cha­el An­der­son, den letz­ten gro­ßen Er­zäh­ler von Kriegs­dra­men
Mi­cha­el An­der­son ver­füg­te über je­nes ge­rad­li­ni­ge, aber den Zu­schau­er süch­tig ma­chen­de Re­gie­hand­werk, mit dem er die bru­tals­ten Un­aus­weich­lich­kei­ten für sei­ne Haupt­fi­gu­ren der­art knapp und still auf den Punkt brin­gen konn­te, dass ei­nem da­nach die Welt wie in Eis er­starrt schien. An­der­sons größ­ter Er­folg war zwar 1956 die fröh­li­che Ju­les-Ver­ne-Ad­ap­ti­on In 80 Ta­gen um die Welt, aber in sei­nen In­sze­nie­run­gen spür­te man stets den Welt­krieg, den er als bri­ti­scher Sol­dat er­lebt hat­te. Sein ers­ter Tri­umph, der Roy­al-Air-Force-Hel­den­ge­sang Mai 1943 (1955) über die spek­ta­ku­lä­re Zer­stö­rung der Ruhr­talsper­ren 1943, gab in Breit­wand-Di­men­si­on den ty­pi­schen An­der­son-Er­zähl­ton vor: die Mi­schung aus tie­fem in­ne­ren Feu­er und ent­waff­nen­der Sach­lich­keit.

Im Star-ge­spick­ten Film Ge­heim­ak­ti­on Cross­bow (1965), der die Zer­stö­rung der na­zi­deut­schen V2-Ra­ke­ten-Zen­tra­le er­zählt, wird selbst das fi­na­le Flam­men­in­fer­no in den Schat­ten ge­stellt vom Auf­tritt So­phia Lo­rens. Sie spielt die Frau ei­nes Ra­ke­ten­in­ge­nieurs, des­sen Na­men ein bri­ti­scher Agent an­ge­nom­men hat. Lo­ren weiß nicht, dass ihr Mann tot ist. In des­sen Ho­tel­zim­mer in Brüs­sel trifft sie auf Ge­or­ge Peppard, der sich als Freund aus­gibt. Sie sieht ihr ei­ge­nes Bild mit ih­ren Kin­dern auf dem Schreib­tisch, dann kommt die Ge­sta­po zu ei­ner Aus­weis­kon­trol­le, und sie er­fährt, dass in Peppards Pass der Na­me ih­res Man­nes steht: das Ge­sicht der Lo­ren, als sie be­greift, was sie gar nicht wis­sen dürf­te! Peppard hält sie in dem Zim­mer fest, bie­tet ihr Weiß­wein an. Lo­ren fleht, er mö­ge ihr doch ver­trau­en, sie wer­de nichts ver­ra­ten, sie wol­le nur zu­rück zu ih­ren Kin­dern. Schließ­lich, nach­dem sie von Emo­tio­nen und Al­ko­hol er­schöpft ist, be­en­det ei­ne sa­gen­haf­te Groß­auf­nah­me – nur ei­ne ein­zi­ge Trä­ne auf Lo­rens Wan­ge – die Sze­ne. Ab­blen­de.

Am nächs­ten Mor­gen ver­lässt Peppard das Ho­tel­zim­mer und sagt zur von Li­li Pal­mer ge­spiel­ten Che­fin des Hau­ses (auch sie ei­ne Agen­tin für die Eng­län­der), Lo­ren sei ver­trau­ens­wür­dig, sie sol­le sie ge­hen las­sen. Kaum ist er fort, kommt Pal­mer mit ei­nem Wä­sche­wa­gen und Wä­sche un­term Arm ins Zim­mer. Dar­un­ter um­klam­mert sie ei­ne Pis­to­le mit Schall­dämp­fer. Lo­ren starrt sie nur an, Pal­mer schießt drei­mal, ent­setzt von ih­rer ei­ge­nen Herz­lo­sig­keit, die sie dem har­ten Le­ben im Wi­der­stand ver­dankt. Der Wa­gen ist für Lo­rens Lei­che. Sie hät­te al­les ver­ra­ten, durch ih­re Kin­der war sie er­press­bar.

Al­le, die man mag in die­sem Film, ster­ben.

So­viel man weiß, soll Mi­cha­el An­der­son, mit dem wir nun den letz­ten gro­ßen eng­li­schen Er­zäh­ler von Kriegs­dra­men ver­lo­ren ha­ben, ein äu­ßerst lie­bens­wer­ter Zeit­ge­nos­se ge­we­sen sein.

Mi­cha­el An­der­son * 30. 1. 1920 † 25. 4. 2018


15.05.18

zwei DEFA-Filme




















Konrad Wolf


Konrad Wolf (* 20. Oktober 1925 in Hechingen; † 7. März 1982 in Ost-Berlin), der kurz vor Kriegsende als Soldat der Roten Armee zurück nach Deutschland kam, erzählt in Ich war neunzehn (1968) sehr einprägsam von seinen Erlebnissen, Freunden und Begegnungen in diesem Frühjahr 1945.

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Die Frau und der Fremde (1985) 
Der DEFA-Film entstand unter der Regie von Rainer Simon. Im selben Jahr erhielt das Werk an der Berlinale den Goldenen Bären. Es blieb der einzige in der DDR hergestellte Film, der jemals diese Auszeichnung gewann. Der Film spielt 1918 und er setzt Gefühle ins Bild: Sehnsucht, Liebe, Enttäuschung.





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