Walter Benjamin

Schwerer ist es, das Gedächtnis der Namenlosen zu ehren als das der Berühmten.
Dem Gedächtnis der Namenlosen ist die historische Konstruktion geweiht.

Walter Benjamin, Gesammelte Schriften, Band I, Seite 1241.

23.07.18

Volker Weiß: Die autoritäre Revolte

Im Januar 2018 habe ich mit Gewinn das Buch "Die autoritäre Revolte" von Volker Weiß gelesen. Während es im investigativ-journalistischen Stil beginnt, wird es bis zum Schluss immer besser und polemischer. Richtig gut ist dann, wie der Autor mit Foucault den heutigen Antirassismus und mit Palästina-Freund Klaus Holz den Islamismus kritisiert. Tübingen kommt an zwei Stellen vor:

Die hier 1959 gegründete Katholische (später: Konservative) Front führte die kreativen Protestformen in Deutschland ein. https://de.wikipedia.org/wiki/Marcel_Hepp

Der rechte Carl Schmitt-Kenner Günter Maschke heiratete 1965 in Tübingen die Schwester von Gudrun Ensslin. In Tübingen studierte Maschke Philosophie bei Ernst Bloch und war von 1963 bis 1964 Redakteur der Studentenzeitung Notizen. 1964 fand er Anschluss an die radikal-linke situationistische „Subversive Aktion“ Tübingen. Nach deren Auflösung 1966 engagierte sich Maschke im Sozialistischen Deutschen Studentenbund (SDS). https://de.wikipedia.org/wiki/G%C3%BCnter_Maschke

Es ist erfreulich, dass das Buch von Volker Weiß in den Feuilletons auf großes Interesse gestoßen ist, weil es z.B. den Unterschied zwischen Konservativen und Rechten erhellt und die Islamfreundschaft der Identitären und Völkischen beschreibt.

15.07.18

Raumpatrouille

Wie man Kindheitserinnerungen zu Papier bringen kann, zeigt Matthias Brandt in seinem Buch Raumpatrouille. Er entwickelt aus den Erinnerungen kleine Szenen, die als Kapitel nur lose miteinander verbunden sind (die Übergänge sind offensichtlich, die Szenen weniger offensichtlich konstruiert). In diesen Episoden tauchen dann Personen, Gesten und vor allem auch Dinge auf, die, vermutlich als Bilder, im Gedächtnis geblieben sind.

14.07.18

Éric Vuillard: Die Tagesordnung

Das Buch beginnt auf Seite 7 und endet auf Seite 118. Der Autor ist ein Freund der kleinen Form. Interessant ist der Vergleich mit Christian Krachts Die Toten, auch er schreibt ja keine opulente Schwarten und beide widmen sich historischen Stoffen. Vuillard beschreibt hier Hitlers Bündnis mit der Industrie, den Anschluss Österreichs und das Münchner Abkommen, dabei ist sein Erzähler nah am Geschehen, er ist engagiert bis pathetisch. Man gewinnt bei Vuillard den Eindruck, dass er weiß, was er mit seinem Buch will. Krachts Erzähler im Roman über das deutsch-japanische Bündnis nimmt eine distanziert-kühle bis satirische Haltung ein. Der Autor scheint mit seinem Buch kein über Unterhaltung hinausgehendes Ziel zu verfolgen. Für genauere, die Gestalt betreffende, Aussagen müsste ich nun die Bücher ein zweites Mal lesen.

Karl Marx in Paris

In Vorbereitung auf die Marx-Ausstellung in Trier habe ich Jan Gerbers "Karl Marx in Paris" gelesen, das in einem unterhaltsamen, populärwissenschaftlichen Ton geschrieben ist. Das Buch ist entlang biografischer Stationen gegliedert, so auch der erste Teil der Ausstellung im Simeonstift, wobei in Gerbers Buch, anders als dort, jeweils auch beschrieben ist, womit sich Marx in Berlin, Köln, Paris und Manchester beschäftigt hat. Die Inhalte seines Werks sind in Trier im zweiten Teil der Ausstellung (im ohnehin sehr sehenswerten Rheinischen Landesmuseum) anschaulich gemacht. Gerber untersucht also, wo Marx die "drei Quellen" (Lenin) seines Werkes entdeckte. Die idealistische Philosophie lernte er in Berlin kennen, die Revolution in Paris und das Proletariat in England. Gerber stellt dar, inwiefern die Begriffe Revolution und Proletariat zeitgebunden waren. Die ökonomischen Studien, die Marx nach dem Scheitern der 48er Revolution und auf Raten von Friedrich Engels in London begonnen hat, sind nicht Teil dieses Essays, wie Gerber sein Buch irgendwo nennt.

06.07.18

Radsport














  
Bernhard Torsch über Gino Bartali






















Roland Kaufhold über den Rennradfahrer Albert »Teddy« Richter

Robert Herr über den Arbeiter-Radfahrerbund Solidarität

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