Walter Benjamin

Schwerer ist es, das Gedächtnis der Namenlosen zu ehren als das der Berühmten.
Dem Gedächtnis der Namenlosen ist die historische Konstruktion geweiht.

Walter Benjamin, Gesammelte Schriften, Band I, Seite 1241.

30.08.15

UNTERWERFUNG von Michel Houellbecq

"Übrigens stieß ich bei einer Internetrecherche zu Huysmans interessanterweise auf einen der bemerkenswertesten Artikel von Rediger, der Huymans in der Revue européenne als denjenigen Autor bezeichnete, bei dem die Sackgasse des Naturalismus und des Materialismus am offenkundigsten erkennbar geworden sei; aber der ganze Artikel war ein einziger Aufruf an seine früheren traditionalistischen und identitären Freunde. Es sei tragisch, bekundete er leidenschaftlich, dass eine irrationale Feindseligkeit gegenüber dem Islam sie daran hindere, die folgende Gewissheit nicht zu erkennen: Sie seien in den wesentlichen Punkten im völligen Einklang mit den Moslems. Was die Ablehnung des Atheismus und Humanismus angehe, die notwendige Unterwerfung der Frau und die Rückkehr des Patriarchats: Ihr Kampf sei in jeder Hinsicht derselbe." (S. 248)

Kritik von G. Scheit in Sans Phrase Nr.6. (S. 186 f.):
Gewalt im Namen der Sharia komme nicht vor, der Islam werde also verharmlost.
Die Sehnsucht nach Befriedung der Gesellschaft durch Gewalt komme nicht vor.
Es werde nicht deutlich, warum François nicht im katholischen Kloster bleibe.
Die ökonomische Neuordnung Frankreichs sei unschlüssig dargestellt.
Der Islam als Einheit stiftende Macht sei angesichts des Zerfalls des Nahen Ostens unglaubwürdig.
Journalistischer, konventioneller Stil.
Der Roman stelle keine Provokation des Islam, sondern der französischen Öffentlichkeit dar.
Der Antisemitismus hätte vom Rand in den Mittelpunkt des Romans gerückt werden müssen.

25.08.15

Victoria
















Victoria, Regie: Sebastian Schipper, 2015
Ein Lehrstück anhand dessen man diskutieren kann, was Realismus ist, welche Rolle Musik im Film spielt. Anhand dessen man zeigen kann, was eine Einstellung, ein Schnitt, Erzählzeit und erzählte Zeit sind. Spannend, nicht kitschig, filmgeschichtlich eingebettet. Kritisieren lassen sich nur die überflüssigen Untertitel.

15.08.15

Der Malteser Falke





















The Maltese Falcon, 1941, Regie: John Huston
Der Film (mit Humphrey Bogart und Peter Lorre) spielt ausschließlich bei Nacht und gilt als erster Film Noir.

Blog-Archiv