Walter Benjamin

Schwerer ist es, das Gedächtnis der Namenlosen zu ehren als das der Berühmten.
Dem Gedächtnis der Namenlosen ist die historische Konstruktion geweiht.

Walter Benjamin, Gesammelte Schriften, Band I, Seite 1241.

20.01.18

Im Café der verlorenen Jugend (2007)

Patrick Modianos Protagonistin Louki erinnert an Peter Stamms "Agnes". Beiden fehlt der Vater, beide haben einen älteren Freund bzw. Ehemann, beide verschwinden.
In Modianos Roman erzählen vier verschiedene Figuren jeweils in der Ich-Form, dennoch ist sein Buch weniger verrätselt als das von Stamm, was nicht heißt, dass, um es zu verstehen, eine zweite Lektüre, am besten in Paris, nicht nötig wäre.

Auf halbem Weg zum wahren Leben
umgab uns eine düstere Melancholie,
die aus soviel spöttischen Worten sprach,
im Café der verlorenen Jugend.

Guy Debord

Hiob



















Gott im Gespräch mit Satan [Corrado Giaquinto (1703-1766)]

Christoph Türcke weist in einem Essay auf den kritischen Gehalt des Buchs Hiob hin. Denn in welches Licht rückt es Gott, wenn er sich durch Satan zu zwei Wetten (auf Kosten Hiobs) provozieren lässt? Interessant ist dann auch die Frage, wie es eine so ketzerische Erzählung in den Kanon geschafft hat.

Tyll

Daniel Kehlmanns Roman überzeugt durch plotlastige, spannende Szenen und gut recherchierte Schilderungen verschiedener Lebenswelten des 17. Jahrhunderts: Das Dorf, die Mühle, die Milieus der Gelehrten und Ordensleute, der Fürsten, Feldherrn und Söldner, die Szene der Diplomaten. Ein Höhepunkt ist der Dialog zwischen Friedrich V. und Gustav Adolf. Eindrucksvoll ist, wie Kehlmann den Stand des Wissens um 1650 vor Augen führt.
An wenigen Stellen fand ich den Roman zu didaktisch: manches, was uns der Autor über die die Zeit des Dreißigjährigen Krieges erklären will, sagen und denken seine Figuren, obwohl es als Selbstverständlichkeit des eigenen Lebens den Zeitgenossen wohl nicht der Rede wert gewesen wäre. Auch die Gesamtkonstruktion des Romans überzeugt nicht vollends, die Kapitel sind angeordnet, als wolle der Autor verschleiern, dass er chronologisch erzählt.

Frederic Rzewski

Das Lied "winnsboro cotton mill" durfte ich in der Version von Frederic Rzewski gespielt von Herbert Schuch unerwarteter Weise gestern im Konzerthaus hören und sehen.
"Frederic Rzewski uses the melody of this industrial folk song as the basisfor the last of his Four North American Ballads for solo piano, which hecompleted in 1979." Schreibt Kathryn Woodard.




When I die don’t bury me at all
Just hang me up on the spoolroom wall.
Place a knotter in my hand
So I can keep on spoolin’ in the Promised Land.

I got the Blues, I got the Blues,
I got the Winnsboro Cotton Mill Blues.
Lordy, Lordy, spoolin’s hard.
You know and I know, I don’t have to tell,
Work for Tom Watson, got to work like hell.

I got the Blues, I got the Blues,
I got the Winnsboro Cotton Mill Blues. 

—“Winnsboro Cotton Mill Blues”


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