Walter Benjamin
Schwerer ist es, das Gedächtnis der Namenlosen zu ehren als das der Berühmten.
Dem Gedächtnis der Namenlosen ist die historische Konstruktion geweiht.
Walter Benjamin, Gesammelte Schriften, Band I, Seite 1241.
Dem Gedächtnis der Namenlosen ist die historische Konstruktion geweiht.
Walter Benjamin, Gesammelte Schriften, Band I, Seite 1241.
24.04.13
Gertrud
Gertrud, Carl Theodor Dreyer, Dänemark 1964
Das ist der letzte Film von Dreyer, der nach dem Zweiten Weltkrieg nur zwei Filme drehte, insgesamt 14.
Der Film ist von langen Einstellungen geprägt, die Räume sind nüchtern ausgestattet, das Schauspiel ist sehr reduziert. Diese protestantische Nüchternheit steht in radikalem Gegensatz zum aufgewühlten Seelenleben der Figuren, über das diese in den langen Dialogen Auskunft geben. Gertrud ist die treibende Kraft dieser Gespräche, Gustav Kanning, ihr Mann, sagt an einer Stelle sinngemäß "einer Frau sollte es nicht erlaubt sein so frei zu sprechen". Sie fordert Offenheit und Wahrheit in der Diskussion über die Liebe. Nachdem Gertruds Hoffnung auf erfüllte Liebe scheitert, wofür ich nicht das Idealhafte ihrer Vorstellungen verantwortlich machen würde, zieht Getrud die Einsamkeit einer pragmatischen Zweisamkeit vor. (Darin, dass es hier auch um vergangene Liebe geht, ähnelt der Film Theodor Stoms Novelle Immensee.)
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