Walter Benjamin

Schwerer ist es, das Gedächtnis der Namenlosen zu ehren als das der Berühmten.
Dem Gedächtnis der Namenlosen ist die historische Konstruktion geweiht.

Walter Benjamin, Gesammelte Schriften, Band I, Seite 1241.

07.11.10

Vernunft und Mystik im Mittelalter

'Davon allein bin ich selig, dass Gott vernünftig ist und ich das erkenne'
Viele verehren Meister Eckhart als großen Mystiker. Aber stimmt das überhaupt? Eine Klarstellung zu seinem 750. Geburtstag

26.10.10

Akteure des Umbruchs

Was sind das für Lumpenhunde!

»Akteure eines Umbruchs«: Eine Porträtgalerie führt uns mitten hinein in die politischen Leidenschaften des 19. Jahrhunderts.
Wem unsere Bundesbelletristik etwas zu sansohaft und ennuyant erscheint, wer es praller, schicksalsheftiger, wer es politischer, leidenschaftlicher und kühner mag, der wird hieran Freude finden: ein Geschichtsbuch, eine Sammlung von Porträts deutscher Frauen und Männer des 19. Jahrhunderts. Revolutionäre und Reaktionäre, Sozialisten, Liberale, behutsame Reformer und widerständige Archivare – allesamt Akteure eines Umbruchs.

20.07.10

Marquis de Condorcet, Daniel Schulz (Hg.): »Freiheit, Revolution, Verfassung«



Das Gemälde von Carl Wendlin
g (1910) zeigt Pfälzer Freiheitsfreunde zur Zeit der Revolution. Das Bild hängt im Rathaus von Landau
Schon der französische Philosoph und Revolutionär Condorcet wusste, dass ein Parlament allein noch keine Demokratie macht.
Wie viel Mitsprache der Bürger braucht der Staat? Wie viel direkte Demokratie verträgt die Republik? Und vor allem: Wie ist das zu organisieren? Das sind die entscheidenden Fragen, die uns immer wieder zurückführen zu den Anfängen der modernen Demokratie in Europa, in die Tage der Französischen Revolution. Seit einiger Zeit findet dabei ein Denker erneut Beachtung, der die Revolution mit einer Reihe von wichtigen Texten begleitet hat und auch als politisch Handelnder eine bedeutende Rolle einnahm. Die Rede ist vom Marquis de Condorcet, dem Citoyen Caritat.

13.07.10

Kurt Flasch im Radiointerview

Jochen Rack interviewte Flasch für die Sendung "Zeitgenossen" (vom 24.9.2006) und sprach mit ihm u.a. über das katholische Mainz im Nationalsozialismus, über die Einteilung der Geschichte in Epochen, über Augustinus und über die Uni Frankfurt zu Beginn der 60er.

Herbert Marcuse im Interview

Aufnahme: 11.11.1976, BR
Gesprächspartner: Ivo Frenzel, Willy Hochkeppel

http://www.youtube.com/watch?v=Ri9WozzxiDo

11.07.10

Franziska Gräfin zu Reventlow





Sex, Macht und Größenwahn
Dieser Schwabing-Faktor ist nicht zu toppen: Franziska Gräfin zu Reventlow war die heidnische Madonna, die letzte Bohèmienne, die moderne Hetäre - und sie hatte sie alle. Nicht nur alle Ehrentitel, die man in München um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert einsammeln konnte, sondern auch alle geistigen Voraussetzungen, um ihre männlichen Bohème-Spezis locker zu übertrumpfen. Gegen ihre verkniffene adlige Familie rebellierte die Reventlow früh; es folgten Mädchenpensionat, Lehrerinnenseminar und Nietzsche-Begeisterung.


Der große Bohème-Durchbruch gelingt ihr in München, dort ließ sie sich zur Malerin ausbilden und veröffentlichte erste Prosaskizzen. Ludwig Klages, Karl Wolfskehl, Alfred Schuler, Stefan George, Oscar H. Schmitz und Franz Hessel zählten zu ihren Schwabinger Bekannten; ihre Briefe und Tagebücher sind eine unschätzbare Quelle zur intellektuell-erotischen Betriebsdynamik um 1900. 'Warum gehen Liebe und Erotik für mich so ganz auseinander', seufzt die Gräfin in ihrem Tagebuch - und ergreift in Aufsätzen immer Partei für 'das lasterhafte Weib'. Den Schlüsselroman 'Herrn Dames Aufzeichnungen oder Begebenheiten aus einem merkwürdigen Stadtteil' muss man gerade in Zeiten grassierender George-Hysterie nur preisen: Reventlow durchschaut das geschraubte 'Wir'-Pathos und den 'Personenkultus' der 'Wahnmochinger' - so heißen die Schwabinger, die einen auf dionysisch machen. Vor allem aber nimmt sie den mystisch bemäntelten Antisemitismus auseinander, den Klages und Schuler verbreiteten.


Ihr Roman 'Der Geldkomplex' (Untertitel: 'Meinen Gläubigern zugeeignet') vereint analytische Ironie mit lässiger Eleganz: Eine bankrotte Schriftstellerin lässt ihren schmerzhaften Geldkomplex von einem Freudianer behandeln. Psychologie des Geldes, Warencharakter und Geschlechterbeziehungen: Reventlow bringt auf den Punkt, wie Sex, Macht und Größenwahn zusammenhängen. Fast alle Psychosen, meint ihre frivol-scharfsinnige Icherzählerin, seien 'in erster Linie mit Geld zu heilen'.Jutta Person

Franziska Gräfin zu Reventlow: Sämtliche Werke in sechs Bänden. Igel Verlag, Oldenburg 2010. 198 Euro.
sz vom 7.7.2010

08.07.10

I Read Some Marx (And I Liked It)

http://www.youtube.com/watch?v=wyqJ9wxZ9L0

Johannes Agnoli, Subversive Theorie

Im Wintersemester 1989/90 hielt Johannes Agnoli seine letzte Vorlesung an der FU Berlin. Sie wurde zu einer Summe seines Denkens, zum Einspruch gegen die Hoffnungslosigkeit einer linken Bewegung, der die Tradition und damit das historische Selbstbewußtsein abhanden gekommen ist. In subversiver Absicht gibt er die Geschichte der kommunistischen Utopie und beweist die Produktivität noch der Niederlagen. Beginnend mit dem alten Griechenland und dem Spartakusaufstand, über die Bauernkriege, die Renaissance und die Aufklärung hinweg, über Wilhelm Weitling, Karl Marx und Michail Bakunin bis in die Gegenwart hinein, zeigt Agnoli, was es heißt, den Antagonismus gegen Ausbeutung und Herrschaft zu organisieren und ihn zugleich zu denken.
“Die Subversion ist die Arbeit, die die Revolution vorbereitet. Sie ist nicht selbst die Revolution – und diese Arbeit ist notwendig, um der Revolution behilflich zu sein in der schwierigen Zeit ihrer Überwinterung.”

Radiogespräch mit Max Horkheimer

Philosophie als Kulturkritik
http://www.youtube.com/watch?v=cEKVGRyp_k8

07.07.10

06.07.10

Über Knigge


Kennen Sie den? Ein Schiff mit dem Freiherrn von Knigge geht auf hoher See unter. Knigge klammert sich an eine Planke und sucht sich schwimmend zu retten. Da kommt ein großer Hai auf ihn zu; Knigge zückt sein Taschenmesser, bereit, um sein Leben zu kämpfen. Der Hai, der es sieht, schüttelt den Kopf und meint: 'Aber Herr Knigge, Fisch mit Messer?'

Der Witz funktioniert deshalb so gut, weil er die Energien der Schadenfreude entbindet. Der Name des Adolph Freiherrn von Knigge steht ein für das, was Sigmund Freud das Unbehagen in der Kultur nennt, und zwar in seiner schärfsten und starrsten Form. Das Verbot, Fisch mit dem Messer zu essen, kann als pars pro toto für alle möglichen Benimmregeln gelten, für die es keinerlei sachlichen Grund zu geben scheint und die in ihrer daseinserschwerenden Willkür offenbar nur einen Zweck verfolgen: jene feinen Unterschiede zu zementieren, durch die die je höhere gesellschaftliche Schicht sich von der niedrigeren abzusetzen strebt, indem sie deren Manieren der Verachtung preisgibt. Gern hört man da die erfundene Geschichte, wie der archetypische Vertreter solchen Denkens in elementare Nöte gerät, bei denen ihm seine delikaten Künste leider, leider gar nichts helfen.

Burke, Goethe, Benjamin


Dialektik der Aufklärung
1789 gab es in Europa jenseits des reaktionären Lagers zwei bedeutende Intellektuelle, die vom ersten Moment an Feinde der großen Revolution in Frankreich waren: Der Engländer Edmund Burke und der Deutsche Johann Wolfgang Goethe. Burke entwickelte seine Einwände gleichzeitig mit dem sich überstürzenden Geschehen, in dauernder Gefahr, überholt und widerlegt zu werden - doch erwiesen sich seine Einsichten als so scharfsinnig, dass er sogar die Entwicklungen des schnellsten Geschehens aller bisherigen Weltgeschichte voraussagen konnte: So prophezeite er schon 1790 den Umschlag der Revolution in den Terror und ihren Ausgang in die Militärdiktatur eines einzelnen Tyrannen.

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