Walter Benjamin

Schwerer ist es, das Gedächtnis der Namenlosen zu ehren als das der Berühmten.
Dem Gedächtnis der Namenlosen ist die historische Konstruktion geweiht.

Walter Benjamin, Gesammelte Schriften, Band I, Seite 1241.

19.05.15

Lothar Fischer (1933-2004)

Die archaisierenden Skulpturen von Lothar Fischer, der 1957 die Gruppe SPUR mitbegründete, erinnern an Filme wie Edipo Re oder Medea von Pasolini.

13.05.15

sympathische Typen

Die Figuren dieser sehr gelungenen Filme stehen (innerhalb der Medienwelt) im Kontrast zu Figuren wie Kim Kardashian, die gerade ein Buch mit ihren besten 300 Selfies herausgegeben hat. Die Filme feiern kaputte, zerbrechliche und (deswegen) humane Männer. Interessant wäre zu wissen, ob es entsprechende Frauenfiguren in jüngeren Filmen gibt.

 
















Philip Seymour Hoffman in: A Most Wanted Man. Regie: Anton Corbijn, 2014
















Joaquin Poenix in: Inherent Vice. Regie: Paul Thomas Anderson, 2014













Timothy Spall in: Mr. Turner. Regie: Mike Leigh, 2014

30.04.15

vier Defa Filme

Die Deutsche Film AG, kurz DEFA, war ein volkseigenes Filmunternehmen der DDR mit Sitz in Potsdam-Babelsberg. Die DEFA drehte etwa 700 Spielfilme, 750 Animationsfilme sowie 2250 Dokumentar- und Kurzfilme.

Der Rat der Götter, Regie Kurt Mätzig, 1950, Musik: Hans Eisler
Reclams Filmführer kritisiert, der Film sei zu "plakativ" und "überdeutlich". Tatsächlich sind die Figuren recht typenhaft gezeichnet. Doch was die Handlung angeht, hat sich Regisseur Kurt Mätzig, wie er im Interview berichtet, strikt an die Prozessakten des I.G.-Farben-Prozesses (14. August 1947 – 30. Juli 1948) gehalten. (Ausnahme: Deutung der Explosion am 28.7.48 im BASF-Werk Ludwigshafen). So wenig weiß ich also über die Rolle der I.G.-Farben im Nationalsozialismus, dass ich manche Fakten für DDR-Propaganda hielt.
Die Vermeidung formaler Eskapaden ist wohl dem sozialistischen Realismus geschuldet.

Der geteilte Himmel, Regie: Konrad Wolf, 1964
Hier handelt es sich um einen Essay in Filmform. Studentin Rita verkörpert die Gründe, die es gibt, in der DDR zu bleiben, ihr Freund Manfred steht für die Option auszuwandern. Die Figuren tragen ihre Argumente nicht explizit vor, sondern man sieht ihnen zu, wie sie im Laufe der Zeit ihre politische Haltung entwickeln und persönliche Konsequenzen ziehen. Dem Film fehlt alles, was man unter Spannung versteht.

Die Legende von Paul und Paula, Regie: Heiner Carow, 1973
Der Film war ein Kassenschlager. Er ist auch nicht ganz schlecht. Aber die Naivität von Paula und der Karierismus und dann die klischeehafte Verliebtheit von Paul nerven. Doch etwas zu kitschig.

Nackt unter Wölfen, Regie Frank Beyer, 1962
Siehe dazu den Artikel von Jens Bisky (SZ, 31.3.2015):

31.03.15

zwei Filme zum Verhältnis der Geschlechter



















Laurence Anyways, Regie: Xavier Dolan, Kanada 2012
Der erste Filme, den ich von Xavier Dolan, dem jungen Regiestar aus Kanada gesehen habe. Gut gespielt, gute, von Musikvideos inspirierte Schnitte und opulente Bilder. Es geht um die Liebe zwischen Fred (Suzanne Clement; links im Bild) und Laurence (Melville Poupaud), die auf die Probe gestellt wird, als Laurence beschließt, künftig als Frau zu leben.


























Du sollst deine Frau ehren, Regie: Carl Theodor Dreyer, Dänemark 1925
Älter, nüchterner, kürzer und klassisch feministischer ist dagegen der Film vom Meister der kargen Form Carl Theodor Dreyer. Der Stummfilm handelt davon, wie eine junge Ehefrau ihren despotischen Mann zur Mithilfe im Haushalt erzieht. Der Film ist lockerer und lustiger als andere Filme von Dreyer.


06.03.15

Great Expectations

Great Expectations von Charles Dickens erschien 1860 bis 1861 als Fortsetzungsroman. Wer erwartet hier was? Der Waisenjunge Pip, er lebt bei seinem Onkel und erlernt von ihm das Schmiedehandwerk, erwartet den sozialen Aufstieg, der im durch die Hochzeit mit einer Adligen gelingen soll. Damit sich diese Erwartung erfüllen kann, gilt es allerdings zunächst die Lebensart des Adels kennenzulernen, was wegen der feinen Unterschiede nicht vollkommen gelingt. Glücklicherweise erweist es sich, dass auch die junge Frau, obwohl reiche Erbin, nicht adlig von Geburt ist, wodurch sich beide am Ende verstehen und Pip die Klassenschranken überwinden kann. Pips Mäzen Magwitch gelingt das nicht, obwohl er mit Schafszucht einiges Geld verdient hat. Die Verfilmung für die BBC ist zunächst effektheischend, dann aber spannend.

Emil Szittya


Gerade erschienen zwei Bücher mit Artikeln und Briefen von Emil Szittya (1886-1964), diese Bücher wurden in einem Zeitungsartikel vorgestellt. Hier eine kurze Selbstdarstellung von Emil Szittya; sein Brief an Manfred George, erschienen im Aufbau vom 18. Dez. 1964:

Ich vagabundierte in meiner Jugend zu Fuß durch Österreich, Deutschland, die Schweiz, Italien, Frankreich, Belgien, Holland und Spanien. Ich kenne in diesen Ländern alle Museen und viele Intellektuelle. Ich gründete 1909 zusammen mit Blaise Cendrars „Les Hommes Nouveaux“ in Paris und wir waren die ersten, die Chagall lancierten. (Ich selbst habe übrigens den ersten Aufsatz, der über Chagall erschien, geschrieben).
1915 hatte ich eine Zeitschrift mit Hugo Kersten in Zürich „Der Mistral“, über die sogar Romain Rolland, wenn auch ablehnend, schrieb. Mitarbeiter an dieser Zeitschrift waren u. a. Apollinaire, Marinetti, Georg Trakl, Hugo Ball und Carl Sternheim. Man betrachtet diese Zeitschrift als Vorläufer des Dadaismus (was sie nicht war) und man behauptet deshalb mit Unrecht, dass ich selbst auch Dadaist war. 1919 hatte ich mit Paul Baudisch eine Zeitschrift in Wien, „Horizont Hefte“, 1934 erschien meine anti-Hitlerische Zeitschrift, „Die Zone“, in Paris.
Das „Kuriositätenkabinett“ wurde missverstanden. Kürzlich nannte es Dr. Raabe in dem Vorwort zu der Neuausgabe von „Die Aktion“, immerhin ein wichtiges Quellenbuch für die Zeitgeschichte. Wie Sie wissen, war ich Mitarbeiter der „Aktion“, aber auch von Querschnitt, Kunstblatt, Weltkunst und einer Anzahl deutscher Zeitungen.
Mein Buch „Selbstmörder“ ist die erste Kulturgeschichte in allen Zeiten und allen Ländern. Mein Roman „Klaps“, der bei Kiepenheuer erschien, ist einer von zwölf Romanen, die ich in den letzten 60 Jahren schrieb. Leider sind die anderen elf Bände noch nicht erschienen.
Seit 1930 schrieb ich meistens französisch, u. a. über Brecht in „Europe“, über Soutine in „Lettres Françaises“ und über Cendrars dort und im „Mercure de France“.
Wissen Sie, dass ich seit über 50 Jahren auch male, aber es bisher immer verschwiegen habe? Ich habe einige Hundert Bilder gemalt. Vor einem Jahr haben mich Freunde gezwungen in Paris auszustellen und später hatte ich eine Ausstellung in Zürich.
Was soll ich Ihnen noch erzählen? In einigen Monaten werde ich 78 Jahre alt und habe immer noch materielle Sorgen. Vielleicht bin ich selbst viel schuld daran. Ich war nie sehr geschickt in Geldsachen.
Es grüßt Sie herzlich Ihr
Emile Szittya
(Brief an Manfred George, in: Aufbau, 18. Dez. 1964.)

04.03.15

Helvétius

Denker der Lust - Der Philosoph Helvétius war selbst den Aufklärern zu radikal. Die Religion galt ihm als Menschenwerk, der Mensch als bloße Maschine und die Moral als eine Frage des Nutzens. Vor 300 Jahren geboren, vermag er noch heute zu provozieren. von Gero von Randow

h.g. adler


11.01.15

Wolfgang Neuss

Wie Herbert Wehner war auch Wolfgang Neuss eine der interessanten Figuren der alten Bundesrepublik. „Das Neuss Testament", ein Film von Rüdiger Daniel (2009, 72 Min.), ist nun im Internet zugänglich.

Herbert Wehner

"Wehner, die unerzählte Geschichte" ist ein Doku-Drama aus dem Jahr 1993. 1. Teil: Die Nacht von Münstereifel, 102 Min., 2. Teil: Hotel Lux, 106 Min., Buch und Regie: Heinrich Breloer. Der zweite Teil, Hotel Lux, beleuchtet die jüngeren Lebensjahre Wehners von seinem frühen politischen Engagement, er war Sekretär von Erich Mühsam und ab 1927 in der KPD, über seine Zeit im Moskauer Exil bis zu seiner Ausreise nach und Haft in Schweden.

15.11.14

Filme


Claires Knie, Eric Rohmer, 1970
Bei Rohmer hat man immer das Gefühl, er habe zuerst einen philosophischen Aufsatz geschrieben, die Gedanken aus diesem dann mehr oder weniger willkürlich auf verschiedene Figuren verteilt, womit er das Drehbuch hatte, das er dann schließlich verfilmte. In diesem Fall redet dann eine 16-Jährige, wenn sie dem narzisstischen Protagonisten Jérôme Paroli bietet, so lebenserfahren, als wäre sie ihre eigene Mutter. Den Auftrag, einer Freundin Ideen für einen Roman zu liefern, nimmt Jérôme als willkommenen Anlass für lässige Flirts mit Laura und Claire. Vielleicht kritisiert der Film, dass er sich solche Ausreden zurechtlegt.

Baal, Volker Schlöndorff, 1970
Wie Schlöndorff im Interview zugibt, ist der Film heute vor allem noch sehenswert, weil Fassbinder die Hauptrolle spielt und in dieser sich selbst. 

Night Moves, Kelly Reichardt 2013
Drei süße, kleine Ökos sprengen einen Staudamm, weil er die Landschaft verschandelt. Anschließend plagt die Frau in diesem Trio ein schlechtes Gewissen, weil ein Camper vermisst wird. Daraufhin bringt ihr Kumpel sie zum Schweigen und zeigt damit, dass er weniger sozial ist, als vom Zuschauer angenommen. Winter’s Bone (2010) von Debra Granik, der auch von amerikanischen Provinzlern handelt, fand ich eindrucksvoller.

Phoenix, Christian Petzold, 2014
Dieser neue und gelungene Film von Christian Petzold verpackt Kritik am Umgang der Deutschen mit der Vergangenheit als Film Noir. Der Film ist spannend (weil man sich fragt, ob Jonny seine Frau nicht irgendwann erkennt), zuweilen gruslig, stilsicher ausgestattet, gut gespielt, nicht zu lang und somit unterhaltsam. Bewegend ist die Musik. Petzold verwendet Musik ja immer sehr bewusst, meist nur, wenn die Figuren ein bestimmtes Lied auflegen, spielen oder singen. Hier ist dieses Verfahren auf die Spitze getrieben, sodass die Musik entscheidende Bedeutung erhält.

11.11.14

die zwanziger Jahre

In einem Dossier über Berlin in den zwanziger Jahren erschienen neulich zwei gelungene historische Skizzen über Else Lasker-Schüler (von M. Klaue) und die Stadtärztin Käte Frankenthal (von B. Schmidt). 

15.10.14

Joachim Lottmann: Endlich Kokain

Während die Titanic in ihrer Humor Kritik Autor und Protagonist in eins warf und Lottmann unterstellte, er stimme in die wohlfeile Kritik der Grünen und Gutmenschen ein, lässt sich das Buch auch als Persiflage dieser Kritik lesen. Die Persiflage wird im Laufe des Romans durch zunehmende Übertreibung erkennbar. Anfangs gönnt man dem Protagonisten seinen Erfolg durchaus, stetig wandelt er sich aber zum Antihelden, bis man diesem lustigen Typ, den man gerade erst kennengelernt hat, doch besser wieder den Rücken zukehrt.

wie über Geschichte schreiben?

Am Beispiel von Joachim Fests Hitler-Biographie (erschienen 1973) gibt Gerhard Henschel Hinweise zu dieser Frage.

12.09.14

Erinnerung an ein gescheitertes Attentat auf Franco

Spanien 1964: Das Franco-Regime verschärft seine Repressionen. Der Schotte Stuart Christie beschließt zu handeln – und reist nach Madrid, um sich an einem Bombenattentat auf den Diktator zu beteiligen. Erinnerungen an ein anarchistisches Abenteuer. aus:

21.08.14

Dolomitenkrieg

Dem Buch ist keine Einleitung des Autors vorangestellt. So liest man Uwe Nettelbecks Buch über den Dolomitenkrieg zunächst wie eine spannende Reportage, die chronologisch vom Ersten Weltkrieg im Allgemeinen und insbesondere vom Krieg in den Alpen berichtet. Schon bald befremden einen dann aber der Stil und der affirmative Tonfall: Obwohl das Leiden der Soldaten beschrieben wird, sind es doch meist Heldengeschichten, die hier erzählt werden. Man greift sich wortwörtlich an den Kopf, angesichts der sinnlosen Aktionen. Dieser Effekt wird durch die Art der Darstellung hervorgerufen, sie verdoppelt die Absurdität des Geschehens und führt sie so vor Augen. Nicht nur der Dolomitenkrieg war widersinnig, sondern auch die Art und Weise, wie er beschrieben wurde. Denn dass diese Sätze nicht aus dem Jahr 1976 stammen, wird beim Lesen zunehmend klarer. Nettelbeck hat hier ausschließlich Zitate aus der Kriegs- und Nachkriegszeit montiert. So ist das Buch nicht nur Geschichtsbuch sondern auf zweiter Ebene auch Kritik der Kriegsberichterstattung und der journalistischen Phrasen. Im Nachwort beschreibt dann Detlev Claussen, wie sich Nettelbeck die Methode bei Karl Kraus abgeschaut hat. Das Buch wurde 2014 wieder aufgelegt und enthält Fotografien.

18.08.14

Harun Farocki (1944-2014)

Die Worte des Vorsitzenden, Berlin 1969
Ein Interview zu seinem ersten Film, den man auf youtube ansehen kann, gab Farocki im Juli 2014 der Jungle-World.

06.08.14

Milena Jesenská

An Milena Jesenská, die nicht nur Briefpartnerin Franz Kafkas, sondern auch Widerstandskämpferin gegen das nationalsozialistische Deutschland und ­Kritikerin des Stalinismus war, erinnert Birgit Schmidt.

30.07.14

John Thelwall (1764-1834)


Die republikanische Attacke gemalt von James Gillray um 1795

Die Briten liebten ihren König, doch nach 1789 gab es auch auf der Insel Anhänger der Revolution. Ihr lautester Fürsprecher war – radikal, aber wohlgesittet – der zu Unrecht vergessene Demokrat John Thelwall. von Martin Herzog,

21.06.14

Filme


Die Passion der Jungfrau von Orléans, Regie: Carl Theodor Dreyer, 1928.
Ein Beispiel dafür, um wie viel radikaler und schöner als heute die Filmkunst der 20er Jahre war. Formale Strenge (Einheit von Zeit, Ort und Handlung; schwarzweiße und stumme Bilder; leere Räume) schärft den Blick für die inhaltliche Auseinandersetzung: der Glaube von Jeanne steht der (theologischen) Vernunft des Gerichts gegenüber. An der filmischen Gestaltung (geprägt durch halbnahe und nahe Einstellungen) kritisiert Michael Kienzl: „So oft er das menschliche Antlitz in seiner Bösartigkeit oder seinem Leiden in den Mittelpunkt rückt, so oft drängt er es auch an den Bildrand, als Bestandteil fast abstrakter Kompositionen. In den flachen, mit hohen Brennweiten aufgenommenen Bildern von Kameramann Rudolph Maté finden sich noch deutliche Spuren des Expressionismus: in den Mustern von Fenstergittern, extremen Unter- und Aufsichten, den schiefen Einstellungen oder dämonisch wirkenden Schatten. Die genaue räumliche Anordnung der Figuren bleibt dabei weitgehend ein Mysterium. Statt sich an Establishing Shots orientieren zu können, ist der Zuschauer in einem Wirrwarr sich widersprechender Blickachsen gefangen.“

Beltracchi – Die Kunst der Fälschung, Regie: Arne Birkenstock, 2014
Dieser Film war eine positive Überraschung. Er ist gut aufgebaut, unterhaltsam, lustig und wirft Fragen zu Kunst und Gesellschaft auf.

The Counselor, Regie: Ridley Scott, 2013
Der Film zeigt die Gewalt als farbenfrohes Spektakel, Leid wird zur läuternden Lebenserfahrung aufgeblasen. Ein (was gut ist) verstörender, aber überambitionierter und letztlich nihilistischer Film.

The Wolf of Wallstreet, Regie: Martin Scorsese, 2013
Es gibt hier sehr starke Szenen (DiCaprio als Jordan Beldort fährt unter Drogeneinfluss seinen Sportwagen nach Hause; Jordan Belfort lotet auf seiner Jacht bei einem Gespräch mit einem Kriminalpolizisten aus, ob er diesen bestechen kann) allerdings gibt es auch Redundanzen (z.B. wenn die zehnte wilde Party gezeigt wird).

The Hurt Locker, Regie: Kathryn Bigelow, 2008
Nicht nur extrem spannend, sondern durch den Blick auf die Männlichkeit der Soldaten auch psychologisch interessant. „Visuelle Poesie für die Eingeweide.“– A. O. Scott: The New York Times

Brigadistas, Regie: Daniel Burkholz, 2007
Dieser Dokumentarfilm über Veteranen des spanischen Bürgerkriegs ist leider schlecht gemacht. Statt die Geschichte in den Mittelpunkt zu rücken, stehen kitschige Festakte im Vordergrund. Die Interviewten kommen immer nur kurz zu Wort und sind auf Grund von Hintergrundgeräuschen schlecht zu verstehen. Schade.

13.06.14

Die Ausgewanderten

Vor rund vier Jahren stellte ich diesem Archiv ein Zitat Walter Benjamins voran. Nun stieß ich auf ein Buch, das vollständig im Sinne dieses Zitates geschrieben und gestaltet ist. W.G. Sebald versucht in "Die Ausgewanderten" (1992) das "Gedächtnis der Namenlosen zu ehren" und weiht ihnen eine "historische Konstruktion". Historische Konstruktion sind hier sowohl die Sprache, als auch die Handlung, in der Fiktion und Dokumentation nahtlos ineinander übergehen. Johann Wolfgang Goethes Satz über unserer Welt, die eine Glocke sei, die einen Riß habe und nicht mehr klinge, taucht erst gegen Ende der vierten und letzten Erzählungen auf, könnte aber auch als Thema ganz am Anfang des Buches stehen.

02.06.14

Bakunin zum 200. Geburtstag













Revolutionär, Schnorrer, Enthusiast: Vor 200 Jahren kam der große Anarchist Michail Bakunin zur Welt. Zeitlebens war er immer dort, wo es nach Revolte roch. von Gero von Randow

27.05.14

Uwe Johnson und W.G. Sebald

Über die nach England ausgewanderten Schriftsteller Uwe Johnson und W.G. Sebald erschienen jüngst zwei Essays, in beiden geht es darum, wie diese Autoren die deutsche Geschichte thematisierten.

Thoreau






































Der 2012 erschienene Comic über Henry David Thoreau von A. Dan und M. Le Roy verschafft einen ersten Eindruck von Thoreaus Leben und Werk. An die literarische und zeichnerische Qualität eines René Tardi (z.B. Putain de guerre! ) reichen die beiden Nachwuchskünstler noch nicht heran.


Filme

The Master, Regie: Paul Thomas Anderson, 2012
"Free winds and no tyranny for you. Freddie. Sailor of the seas. You pay no rent. Free to go where you please. Then go. Go to that landless latitude and good luck. For if you figure a way to live without serving a master, any master, then let the rest of us now, will you? For you´d be the first person in the history of the world." Lancaster Dodd (Philip Seymor Hoffman) zu Freddie Quell (Joaquin Phoenix) im letzten Gespräch zwischen beiden. Freddie geht dann.


Coco Chanel, Regie: Anne Fontaine, 2009
Coco kommt ins Billardzimmer
Étienne Balsan: Sieh an.
Coco: Ich gehe nach Paris.
Balsan: Was willst du dort tun?
Coco: Reich werden.
Balsan: Darf man fragen, mit welcher genialen Idee wir reich und berühmt werden?
Coco: Ich entwerfe Hüte.
Balsan: Exzellente Idee... Das geht hier genauso. Ich finanziere es dir.
Coco: Die paar Hüte für deine Freundinnen machen mich nicht reich.
Balsan: Du willst nicht im Ernst arbeiten. Das ergibt keinen Sinn. (zu Arthur Capel:) Was meinst du?
Capel: Ich finde sie hat Recht.
Balsan: Ihr Engländer, ihr lasst Frauen vielleicht schuften, aber wir hier haben uns einen Funken Galanterie bewahrt.

Coco Chanel & Igor Stravinsky, Regie: Jan Kounen, 2009
Dieser Film ist etwas ernster. Es kommen z.B. auch die Näherinnen der Firma Chanel zu Wort. Der Premiere von Le sacre de printemps (1913) wird erstaunlich viel Platz eingeräumt, dagegen wird weniger deutlich als im anderen Film, was das Neue an Coco Chanels Mode war. Ein richtiger Schluss scheint den Filmmachern nicht eingefallen zu sein.

Kommissar Süden und der Luftgitarrist, Regie: Dominik Graf, 2008
Dominik Graf ist bekanntermaßen der einzige deutsche Regisseur, der coole Krimis hinbekommt. Auch dieser gehört dazu.

Pauline am Strand, Regie: Éric Rohmer,1982
Dem Film ist ein Zitat von Chrétien de Troyes vorangestellt: "Qui trop parole il se mesfait." ("Wer zuviel redet, verliert sich selbst.") Pauline scheint das zu beherzigen.

Die letzte Metro, Regie: François Truffaut, 1980
Von Paris sieht man leider wenig, der Film spielt fast ausschließlich im Theater. Er handelt auch vom Theater, zudem von der Resistance und der Liebe. Er ist sehenswert.
Is Paris Burning? Regie: Rene Clement, 1966
Für das Thema, Auswahl der Schauspieler und die Aufnahmen von Paris verleihe ich drei Boxhandschuhe, für das Drehbuch gibt es vier vollgeschissene Unterhosen. Der Plot ist zerdehnt, es mangelt an Kohärenz. Sehr schade.

Jules und Jim, Regie: François Truffaut,1962
Das ist eine Literaturverfilmung. Henri-Pierre Roché schrieb 1953 den Roman Jules et Jim, der Begebenheiten schildert, die Roché mit seinem Freund, dem deutschen Schriftsteller Franz Hessel, und dessen Frau Helen Hessel, geborene Grund, erlebte. Truffaut verfilmte diese Geschichte.
Der Evangelische Filmbeobachter, München (Kritik Nr. 126/1962) schrieb: "Die Begriffe Ehe, Liebe und Verantwortung gegenüber dem eigenen Kind sind in diesem Werk der französischen «Neuen Welle» so pervertiert, daß man trotz seiner künstlerischen Werte - verdichtende Bildsprache, parodistische und karikierende Züge - nur ein klares Nein zu ihm sagen kann."
  
Vierzig Gewehre, Regie: Samuel Fuller, 1957
In diesem Western spielt Barbara Stanwyck die unbarmherzige Großgrundbesitzerin Jessica Drummond, die sich in den US-Marshal Griff Bonnell (Barry Sullivan) verliebt, der auf der Jagd nach ihrem Bruder ist. Für eine Western aus den 50er Jahren ist Jessica Drummond m. E. eine ungewöhnliche Frauenfigur. Leider haben die Produzenten dem Film einen auffällig unpassenden Schluss verpasst, das Happy End muss man sich also wegdenken.

15.05.14

Arthur Honegger

Über ein Konzert des Münchner  Kammerorchesters schreibt Werner M. Grimmel in der Schwäbischen Zeitung vom 12. Mai: "(...) Schade auch, dass nach der Pause einige Plätze leer blieben. Wer ausharrte, wurde indes reich belohnt. Impulsiv zelebrierte Liebreich Honeggers zweite Sinfonie, deren drei knappe Sätze im Kriegswinter 1941/42 entstanden sind. Monochrome Streichermusik steigert sich nach tristem Seufzerbeginn immer wieder in dichte Klangballungen hinein, schwankt zwischen trotziger Selbstbehauptung und Hoffnungslosigkeit. In tiefer Trauer versinkt der zentrale Adagio-Satz. Chromatische Motive bohren sich fest in wilder Verzweiflung. Erinnerungen an fernes Glück tönen zaghaft und zerbrechlich herein. Das Finale spitzt sich rhythmisch rasant und kraftvoll zu, bis eine Solotrompete Zuversicht signalisiert. In Ravensburg ertönte die choralartige Melodie von hinten auf der Empore – ein überraschender Effekt von überwältigender Wirkung, der sich ganz spontan mitteilte. Leider gab es nach relativ kurzem Konzert auch vom Orchester keine Zugabe."

Der selbe Autor in der gleichen Zeitung (Ausgabe vom 13.05.2014) unter dem Titel "Liebesgeschichten":

Schon die ersten leisen Töne, die der weltweit gefeierte Geiger Gidon Kremer bei seinem Auftritt im Kultur- und Kongresszentrum Oberschwaben spielte, öffneten Räume vollkommener Klangschönheit. Auf dem Programm stand zunächst ein Werk des in Riga geboren lettischen Komponisten Arturs Maskats (Jahrgang 1957). „Midnight in Riga“ erwies sich als ausgewachsenenes Tripelkonzert für Violine, Violoncello, Vibrafon und Streicher mit dominierendem Solopart für Kremer, der das Stück im vergangenen Jahr in Linz uraufgeführt hat.

06.05.14

Peter Gaiß

Blutiger Sommer, von Thomas Faltin, Stuttgarter Zeitung 02.05.2014
Beutelsbach - Er ist ein Held, und doch kennt ihn fast keiner mehr. Peter Gais, den alle nur den Gaispeter nannten, ist am 2. Mai 1514 aus dem Schatten der Geschichte getreten und entfachte über Nacht einen revolutionären Flächenbrand in Württemberg. 

Der Sieg des roten Napoleon

Der Triumph der Viet Minh über franzö­sische Truppen in Dien Bien Phu 1954 zwang Frankreich zur Aufgabe seiner ­Kolonien in Südostasien. von Sascha Daniel Wölck
Jungle World Nr. 18, 30. April 2014

über das Ludlow-Massaker in Colorado 1914

Vor 100 Jahren eskalierte der Streik der Bergarbeiter von Colorado zum lokalen Bürgerkrieg. Die Folgen für die amerikanische Arbeiterbewegung reichen bis heute. von Manfred Berg

18.04.14

Porträt Georg Herweghs

 













Unter dem Titel "Germania, mir graut vor dir" erschien in der (1817–1875).

31.03.14

Die Verachtung

Le Mépris, Regie: Jean-Luc Godard, 1963

Der Trailer ist genial, der Film ist es leider nicht. Die Figuren sind etwas zu klischeehaft geraten: Fritz Lang spielt Fritz Lang, hier ein deutscher, gelehrter Kenner des alten Griechenlands. Ein reicher amerikanischer Produzent, hat aber mehr für Schauspielerinnen übrig als für die Kunst. Die französische Schauspielerin, gespielt von Brigit Bardot, verhält sich wie eine beleidigte 16-Jährige und wünscht sich von ihrem Mann mehr Eifersucht. Dieser, Drehbuchautor und wohl das Alter Ego von Godard, fühlt sich unverstanden und gelackmeiert.





23.03.14

Figaros Hochzeit















Figaro und Susanna in der Inszenierung der Kölner Kammeroper

W.A. Mozart und Lorenzo da Ponte schwächten die adelskritischen Spitzen etwas ab, erreichten so aber, dass Beaumarchais´ La Folle Journée ou le Mariage de Figaro nach einigen Jahren des Verbots 1786 schließlich doch aufgeführt werden konnte.

Ihr habt noch nichts gesehen

Zum Tode des großen französischen Regisseurs Alain Resnais. 
von Dominik Graf

19.03.14

workers against work

Der amerikanische Geschichtsprofessor Michael Seidman hat in seinem 1991 erschienenen Buch „Workers against work. Labor in Paris and Barcelona During the Popular Fronts“, das erst 2011 als „Gegen die Arbeit. Über die Arbeiterkämpfe in Barcelona und Paris 1936-38“ auf deutsch erschienen ist, zwei historische Beispiele untersucht, in denen die politische Linke die Macht übernommen hat und sich anschließend mit massiven Arbeiterwiderstand auseinandersetzen musste. Jens Benicke hat zu diesem Buch eine Besprechung verfasst.

Der siebente Kontinent

"Der siebente Kontinent" aus dem Jahr 1989 ist der erste Kinofilm von Michael Haneke, dem radikalsten und intelligentesten Regisseur unserer Zeit. Das Alltagsleben in der kapitalistischen Gesellschaft lässt sich nicht schärfer kritisieren, als es dieser Film tut.

über den Historiker Veit Valentin

Veit Valentin war Republikaner und Weltbürger – vor allem aber: Ein deutscher Historiker, der schreiben konnte. Sein klassisches Buch über die Deutsche Revolution sollte jeder Geschichtsstudent kennen. von Ralf Zerback

15.03.14

Éric Rohmer, 1969

























Meine Nacht bei Maud, Regie: Éric Rohmer, 1969

Der Evangelische Filmbeobachter (Kritik Nr. 143/1970) hatte vollkommen Recht, als er schrieb: „Ein geistvoll gemachter Film, gerade in seiner kühl distanzierten Betrachtungsweise anregend zu Gedanken und Gesprächen über den Wert von Moralprinzipien und verschiedene Aspekte der Liebe. Erwachsenen zu empfehlen.“

05.03.14

Odysseus & Co.

Über den griechischen Adel im 8. Jahrhundert v. Chr.

Wirtschaft vor 2000 Jahren


Zur Bedeutung des Handelsverkehrs im römischen Kaiserreich

Von einer Marktwirtschaft, im Sinne eines sich selbst regulierenden Systems von Märkten, kann in Bezug auf des römische Kaiserreich nicht gesprochen werden. Der Markt war im Imperium Romanum nur eine Form der Verteilung von Gütern neben anderen. Diese anderen Formen, Subsistenzwirtschaft und Redistribution sollen kurz skizziert werden, um im Vergleich mit ihnen die spezifische Funktion der Märkte und Händler innerhalb eines Systems verschiedenartiger Austauschbeziehungen analysieren zu können.

Wilhelm Reich

Der Fall Wilhelm Reich, Regie: Antonin Svoboda, Österreich 2012
Der Film ist recht konventionell aufgebaut, entwickelt aber dennoch Spannung, was der historischen Figur W. Reich und dem Schauspieler K.M. Brandauer zu verdanken ist. Es ist schon erstaunlich, dass heute überhaupt ein Film über den ziemlich vergessenen Wilhelm Reich gedreht wurde, über den es in den 70ern noch hieß, dass eine Kritik des Faschismus ohne seine Massenpsychologie des Faschismus nicht zu denken sei. Svoboda hat auch schon 2009 einen wohlwollenden Dokumtarfilm über Reich gemacht, der der DVD beiliegt. In dieser Doku wird auch Reichs Engagement in der KPD erwähnt.

Schamoni vs. Lemke

Ein großer graublauer Vogel, Regie: Thomas Schamoni, Deutschland 1969
Der erste Film des Filmverlags der Autoren. Die Handlung geht in diesem Film leider in einem Wust von Künstlertum und überambitioniertem Experimentieren unter. Das versteht kein Arbeiter.

Rocker, Regie: Klaus Lemke, Deutschland 1971
Im Mittelpunkt stehen eigentlich nicht die Rocker, sondern der jugendliche Mark, der seinen großen Bruder Ulli und Rocker (wie z.B. Gerd) bewundert. Die Form, grobschlächtige Sprache und grobkörnige Bilder, verdeckt hier nicht die Geschichte, sondern hebt sie hervor. Diese Geschichte erzählt von Marks Einstieg in die schöne aber auch rohe, raue und brutale Welt der Älteren

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Filme gegen Erwachsene

Paradies: Hoffnung, Regie: Ulrich Seidl, Österreich 2013
Die Mutter der 13-jährigen Melanie ist im Urlaub in Kenia und telefonisch nicht erreichbar, der Fitnesscoach im Camp ist eine Karikatur, der Arzt nähert sich ihr zunächst an, als sei er im gleichen Alter, und distanziert sich kurz darauf, als sich Melanie in ihn verliebt, ohne Erklärungsversuch. Die Erwachsenen sind hier keine Vorbilder.

Fish Tank, Regie: Andrea Arnold, GB 2009
Die 15-jährige Mia verliebt sich in Connor den Freund ihrer Mutter. Diese Mutter ist selbst noch nicht ganz erwachsen und unternimmt wenig mit ihren Töchtern, davon hebt sich Connor angenehm ab. Doch auch er erweist sich als Enttäuschung, als er Mia eines Abends verführt und vergewaltigt und sich am nächsten Morgen aus dem Staub macht.

Während bei Paradies: Hoffnung durch die Art und Weise, wie das Diät-Camp konzipiert ist, das Satirische überwiegt, ist Fish Tank ein sehr trauriger Film, in dem Hoffnung zerschlagen wird und am Ende nur die Flucht bleibt.

Wirtschaftspolitik um 1500

Der Ratschlag über die Monopolien als Beispiel für Wirtschaftspolitik auf Reichsebene an der Wende vom Mittelalter zur Neuzeit

02.03.14

W. Waiblinger über evangelische Schulen


Nun mag es wohl auch die Art, wie man Wissenschaft und Sprachen treibt und lehrt, gewesen sein, was unserm ungeduldigen, besser begabten Jünglinge harte Fesseln anlegte. Man mag über dererlei Erziehungsanstalten sagen, was man will, so bleibt immerhin wahr, dass dem ein­zelnen Lehrer zuviel Gewalt überlassen ist. Sieht man, wie oft ein solcher von äußerst beschränktem Geiste, wenn auch von vielem Wissen ist, wie un­klar, zwecklos, mit welchen Umwegen zum Ziele gearbeitet wird, wie man alles erschwert, wie selten die Lehrer Männer von hellem Kopf und Urteil sind, wie wenig sie die Mittel verstehen, um die Jugend zu leiten, wie wenig sie Talent und Kraft haben, um aufkeimende Fähigkeiten zu wecken, zu nähren, auf guten Weg zu bringen, wie gänzlich solche Stubenmenschen mit dem Leben unbekannt sind, wie wenig sie den Menschen kennen, so kann man begreifen, wie es möglich ist, dass oft Talente von Bedeutung gänzlich irre geleitet und in Gefahr gebracht werden, nie mehr durch eigene Selbster­ziehung verbessern zu können, was in frühern Jah­ren durch die Engbrüstigkeit und Unfähigkeit der Lehrer an ihnen verdorben wurde. Statt dass dieser im Stande sein sollte, jede Eigentümlichkeit der Schüler herauszufinden, und je nach der Beschaf­fenheit des Individuums so oder anders auf seine Rezeptivität zu wirken, macht man keinen Unter­schied, sondern treibt sie mechanisch auf eine Art zu einer Arbeit an, als wenn sie nichts als gleich ge­baute Uhren wären, deren Stahlfeder der Lehrer nach Belieben aufzöge. Diese traurige Erfahrung mag auch auf das ohnedies so verletzbare und empfindliche Wesen unsers jungen Dichters ge­wirkt haben. Jedoch studierte er mit Eifer die alten Sprachen, gehörte zu den Besten, und war beson­ders für das Griechische eingenommen.
aus: Wilhelm Waiblinger: Friedrich Hölderlins Leben, Dichtung und Wahnsinn, Winter 1827/28.

12.02.14

Filmgenres


Woody Allen, Blue Jasmin, 2013
Tragikomödie

Jim Jarmusch, Only Lovers Left Alive, 2013
Barocke Rocknummer

Christoph Hochhäusler, Unter dir die Stadt, 2010
„Realismus ist immer Neo-, Sur-, Super-, Hyper-.“ (Frieda Grafe)

Justin Chadwick, The Other Boleyn Girl, 2008
So wie der Banker in Hochhäuslers Film seinen Angestellten nach Jakarta befördert, so verpasst Henry VIII. den Ehemännern der Boleyn Girls Aufgaben abseits des Hofes, um die Frauen für sich zu haben. Ein biblisches Motiv.

Rainer Werner Fassbinder, Die Sehnsucht der Veronika Voss, 1982
Krimi

Terrence Malik, Badlands, 1973
Roadmovie

Robert Altmann, McCabe & Mrs. Miller, 1971
Western: „McCabe & Mrs. Miller ist zur Blütezeit des New Hollywood entstanden, jener kurzen Phase in der Geschichte der Traumfabrik, in der die alten Studio­bosse abdankten und die neuen Konzernbosse noch nicht die Zügel fest in der Hand hatten - und junge Autoren und Regisseure das Machtvakuum nutzten und ihre künstlerischen Vorstellungen fast ohne Intervention durchsetzen konnten. McCabe hat einen Traum. Er will in der gerade entstehenden Stadt ein Bordell mit einem Badehaus einrichten und schnell reich werden. Es gibt Bodenschätze hier, Bergwerke entstehen, und McCabe hält bald Beteiligungen. Auftritt Mrs. Miller (Julie Christie): Sie hat ihre Träume längst hinter sich. Pragmatisch macht sie McCabe klar, dass er als Mann für das Unternehmen Bordell dringend eine Geschäftspartnerin braucht. Hier, wo eine Liebesbeziehung keimen könnte, die Frau den wilden Westerner zu domestizieren hätte, signalisiert Altman bereits durch das ,,&“ im Titel, dass es um etwas anderes geht – eine Firma, eine Beziehung zwischen Mann und Frau, die auf Geld beruht. Selbst wenn der Romantiker McCabe später zu Mrs. Miller ins Bett steigt, wird sie immer wieder auf ihre Geldschatulle auf dem Nachttisch deuten. Die Illusion der Liebe und andere zivilisatorische Annehm­lichkeiten sind nur gegen blanke Dollars zu haben. Doch der Aufstieg des Klein­unternehmens McCabe & Miller ist im nach Westen expandierenden Kapitalis­mus zugleich der Anfang vom Ende. Eine anonyme Bergwerksgesellschaft schickt bezahlte Killer, die McCabe, der sich selbst mit einem Westernheroen verwechselt, gerade noch erledigen kann. Er stirbt dabei – ähnlich sinnlose und einsame Western-Tode gibt es nur noch bei Sam Peckinpah.“ (Bodo Fründt im Klappentext der DVD)

Éric Rohmer, La Collectionneuse, 1966
Essay darüber, wie sich Intellektuelle die Gründe für ihr Handeln zurechtlegen.

Benjamin Christensen, Das geheimnisvolle X, 1914
Spionagethriller

21.01.14

drei Filme von Elio Petri (1929-1982)


A ciascuno il suo / Zwei Särge auf Bestellung (1967)
Ein Krimi: “Erst bekommen zwei Honoratioren des besseren Mittelstandes von Cefalù anonyme Drohbriefe, dann sind sie tot. (...) Die Bürger der kleinen, sizilianischen Stadt wollen das Ganze auf sich beruhen lassen, wie man das halt so tut – nur nicht Paolo Laurana, der glaubt, dass es hier um ganz andere Dinge als bloße Ehrenhändel ging.“ (Aus dem Beiblatt zur DVD)


Un tranquillo posto di campagna / das verfluchte Haus (1969)
Ein Gruselfilm: “Leonardo Ferri braucht Ruhe, um seine Kunst zu schaffen. So zieht er aufs Land, in ein Haus, in dem während des Krieges eine Frau ermordet wurde. Dort findet er aber auch nicht zu sich, wird immer nervöser, unbeherrschter, unberechenbarer...Ein viel zu wenig bekanntes Hauptwerk Petris – halb Schauerstück in krass atonalen Tönen, halb Sozialgroteske von (...) melancholischer Art.“ (Aus dem Beiblatt)


La classe operaia va in paradiso / Die Arbeiterklasse kommt ins Paradies (1971)
Eine Erzählung: “Das Prägewerk Fabrik: Gefangen, lärmbombardiert, ausgesetzt dem Fließband und beziehungslos zur hergestellten Ware, mutieren die Arbeiter zu Parodien dessen, was Menschen waren oder sein könnten. Gian Maria Volonté, ohnmächtig zitternder Held des Films, ist das robotende Ass der Fabrik, das seine Produktivität selbst noch durch sexuelle Träume zu steigern weiß. Der Job bringt ihn um einen Finger, der Streik um den Job, der Verlust beider zur Einsicht, dass die Fabrik sein Leben verpfuscht hat. Seine Wiedereinstellung, von der Gewerkschaft als Sieg gefeiert, gerät im Licht der Erkenntnis zur Verdammnis.“ (aus dem Beiblatt) Der Film gewann 1972 die Goldene Palme in Cannes. Die kongeniale Musik (von Ennio Morricone) und der Schnitt zeigen den Rhythmus der Maschinen, der den Arbeitern den Takt vorgibt. Die Inszenierung der Fabrik erinnert an Modern Times oder Dancer in the Dark.

16.01.14

Das Erbe

„Das Erbe“ von Rutu Modan ist eine kleine Erzählung, die ich in einem Zug gelesen habe, sie ist facettenreich: weil sie ziemlich spannend ist, man will wissen, wie die Liebesgeschichte zwischen Mika und ihrem polnischen Verehrer ausgeht, weil sie witzig ist, dafür sorgen die liebenswert sture, alte Dame Regina Segal und der dubiose, unbeholfene Herr Jagodnik, weil sie darüber reflektiert, wie man mit der Vergangenheit umgehen kann, durch die Figur der Leiterin der Gesellschaft zur Erinnerung an die polnischen Juden und weil sie traurig stimmt, z.B. wenn es um die Vergangenheit von Regina und Roman geht.

05.01.14

Rosa Luxemburg

1908 veröffentlichte Rosa Luxemburg auf polnisch eine Artikelfolge über "Nationalitätenfrage und Autonomie". Sie erschien 2012 erstmals vollständig auf deutsch, was Olaf Kistenmacher zum Anlass nahm Luxemburgs Kritik am Nationalismus zusammenzufassen. Weitere Texte, auf die er sich dabei beruft, sind "Die Akkumulation des Kapitals" (1913), "Die Krise der Sozialdemokratie" (1915) und "Die russische Revolution" (1922 veröffentlicht), die alle im Internet zu finden sind.

11.12.13

Lorenz Brentano

Von der Paulskirche ins Kapitol
Die Deutschen und die USA verbindet eine lange, innige Geschichte. Das Leben des badischen Demokraten und Chicagoer Republikaners Lorenz Brentano ist ein schönes Beispiel dafür. Eine Erinnerung zu seinem 200. Geburtstag von Alfred Georg Frei aus der Zeit vom 31.10.2013

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