Walter Benjamin
Schwerer ist es, das Gedächtnis der Namenlosen zu ehren als das der Berühmten.
Dem Gedächtnis der Namenlosen ist die historische Konstruktion geweiht.
Walter Benjamin, Gesammelte Schriften, Band I, Seite 1241.
Dem Gedächtnis der Namenlosen ist die historische Konstruktion geweiht.
Walter Benjamin, Gesammelte Schriften, Band I, Seite 1241.
21.08.14
Dolomitenkrieg
Dem Buch ist keine Einleitung des Autors vorangestellt. So liest man Uwe Nettelbecks Buch über den Dolomitenkrieg zunächst wie eine spannende Reportage, die chronologisch vom Ersten Weltkrieg im Allgemeinen und insbesondere vom Krieg in den Alpen berichtet. Schon bald befremden einen dann aber der Stil und der affirmative Tonfall: Obwohl das Leiden der Soldaten beschrieben wird, sind es doch meist Heldengeschichten, die hier erzählt werden. Man greift sich wortwörtlich an den Kopf, angesichts der sinnlosen Aktionen. Dieser Effekt wird durch die Art der Darstellung hervorgerufen, sie verdoppelt die Absurdität des Geschehens und führt sie so vor Augen. Nicht nur der Dolomitenkrieg war widersinnig, sondern auch die Art und Weise, wie er beschrieben wurde. Denn dass diese Sätze nicht aus dem Jahr 1976 stammen, wird beim Lesen zunehmend klarer. Nettelbeck hat hier ausschließlich Zitate aus der Kriegs- und Nachkriegszeit montiert. So ist das Buch nicht nur Geschichtsbuch sondern auf zweiter Ebene auch Kritik der Kriegsberichterstattung und der journalistischen Phrasen. Im Nachwort beschreibt dann Detlev Claussen, wie sich Nettelbeck die Methode bei Karl Kraus abgeschaut hat. Das Buch wurde 2014 wieder aufgelegt und enthält Fotografien.
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