Walter Benjamin

Schwerer ist es, das Gedächtnis der Namenlosen zu ehren als das der Berühmten.
Dem Gedächtnis der Namenlosen ist die historische Konstruktion geweiht.

Walter Benjamin, Gesammelte Schriften, Band I, Seite 1241.

21.06.14

Filme


Die Passion der Jungfrau von Orléans, Regie: Carl Theodor Dreyer, 1928.
Ein Beispiel dafür, um wie viel radikaler und schöner als heute die Filmkunst der 20er Jahre war. Formale Strenge (Einheit von Zeit, Ort und Handlung; schwarzweiße und stumme Bilder; leere Räume) schärft den Blick für die inhaltliche Auseinandersetzung: der Glaube von Jeanne steht der (theologischen) Vernunft des Gerichts gegenüber. An der filmischen Gestaltung (geprägt durch halbnahe und nahe Einstellungen) kritisiert Michael Kienzl: „So oft er das menschliche Antlitz in seiner Bösartigkeit oder seinem Leiden in den Mittelpunkt rückt, so oft drängt er es auch an den Bildrand, als Bestandteil fast abstrakter Kompositionen. In den flachen, mit hohen Brennweiten aufgenommenen Bildern von Kameramann Rudolph Maté finden sich noch deutliche Spuren des Expressionismus: in den Mustern von Fenstergittern, extremen Unter- und Aufsichten, den schiefen Einstellungen oder dämonisch wirkenden Schatten. Die genaue räumliche Anordnung der Figuren bleibt dabei weitgehend ein Mysterium. Statt sich an Establishing Shots orientieren zu können, ist der Zuschauer in einem Wirrwarr sich widersprechender Blickachsen gefangen.“

Beltracchi – Die Kunst der Fälschung, Regie: Arne Birkenstock, 2014
Dieser Film war eine positive Überraschung. Er ist gut aufgebaut, unterhaltsam, lustig und wirft Fragen zu Kunst und Gesellschaft auf.

The Counselor, Regie: Ridley Scott, 2013
Der Film zeigt die Gewalt als farbenfrohes Spektakel, Leid wird zur läuternden Lebenserfahrung aufgeblasen. Ein (was gut ist) verstörender, aber überambitionierter und letztlich nihilistischer Film.

The Wolf of Wallstreet, Regie: Martin Scorsese, 2013
Es gibt hier sehr starke Szenen (DiCaprio als Jordan Beldort fährt unter Drogeneinfluss seinen Sportwagen nach Hause; Jordan Belfort lotet auf seiner Jacht bei einem Gespräch mit einem Kriminalpolizisten aus, ob er diesen bestechen kann) allerdings gibt es auch Redundanzen (z.B. wenn die zehnte wilde Party gezeigt wird).

The Hurt Locker, Regie: Kathryn Bigelow, 2008
Nicht nur extrem spannend, sondern durch den Blick auf die Männlichkeit der Soldaten auch psychologisch interessant. „Visuelle Poesie für die Eingeweide.“– A. O. Scott: The New York Times

Brigadistas, Regie: Daniel Burkholz, 2007
Dieser Dokumentarfilm über Veteranen des spanischen Bürgerkriegs ist leider schlecht gemacht. Statt die Geschichte in den Mittelpunkt zu rücken, stehen kitschige Festakte im Vordergrund. Die Interviewten kommen immer nur kurz zu Wort und sind auf Grund von Hintergrundgeräuschen schlecht zu verstehen. Schade.

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