Zur Bedeutung des Handelsverkehrs im römischen
Kaiserreich
Von einer Marktwirtschaft, im Sinne eines sich selbst
regulierenden Systems von Märkten, kann in Bezug auf des römische Kaiserreich
nicht gesprochen werden. Der Markt war im Imperium Romanum nur eine Form der
Verteilung von Gütern neben anderen. Diese anderen Formen, Subsistenzwirtschaft
und Redistribution sollen kurz skizziert werden, um im Vergleich mit ihnen die
spezifische Funktion der Märkte und Händler innerhalb eines Systems verschiedenartiger
Austauschbeziehungen analysieren zu können.
1.Subsistenz
Sowohl die Kleinbauern, die auch im Kaiserreich nicht von
den Großgrundbesitzer verdrängt wurden, als auch große landwirtschaftliche
Güter versorgten und bezahlten Besitzer, Sklaven und freie Arbeiter mit eigenen
Produkten. Die Forderung Catos (Patrem familias vendacem, non emacem esse
oportet, aus: De agri cultura 2,7) impliziert, dass der Hauptteil der für
Produktion und Arbeitskräfte nötigen Güter selbst hergestellt werden sollte.
Schreiber spricht von einer „generelle(n) Subvention der Warenproduktion durch
die Subsistenzproduktion.“ Die Subsistenzproduktion führte zum Ausschluss einer
zahlenmäßig bedeutenden Bevölkerungsgruppe vom Markt.
2.Redistribution
Im Gegensatz zur Landbevölkerung war die der Städte auf
Markt und Handel angewiesen. Auf Grund deren strukturellem Unvermögen die
Versorgung der Zentren des Reichs dauerhaft zu gewährleisten, setzte die plebs
urbana im 2. Jhd. v. Chr. eine staatliche, bürokratisch organisierte Verteilung
von Nahrungsmitteln durch. Diese cura annonae wurde von Augustus reorganisiert,
die Zahl der Empfänger in Rom auf 200 000 reduziert. Die ebenfalls staatliche
Versorgung des Heeres, das auch in wirtschaftlich wenig entwickelten Regionen
stationiert war, zog, so betont Jacobsen, in Form von Neben- und Folgehandel
eine Intensivierung des Handels in den Provinzen nach sich. Obgleich der Anteil
der plebs urbana und der Armee an der Gesamtbevölkerung unter 5% lag, sollte
die Bedeutung des Prinzips der Redistribution nicht unterschätzt werden. Denn
einerseits handelte es sich bei den Empfängern um sozial bedeutsame Gruppen und
andererseits war die Stadt Rom als größtes Bevölkerungszentrum im
Mittelmeerraum ein wichtiger Faktor in der Wirtschaft des Imperium Romanum.
3.Markt
Märkte in vorindustriellen Gesellschaften erfüllten
unterschiedliche ökonomische Funktionen; Verschiedene Tauschsphären existierten
unabhängig voneinander. In bäuerlichem Gebiet dienten Märkte dem Austausch von
Gebrauchsgütern, der nicht von Konkurrenz und Gewinnstreben geprägt war,
sondern auf Reziprozität beruhte. Im Fernhandel dagegen hatte ansatzweise
Kommerzialisierung stattgefunden, dies zeigte sich u.a. in der Existenz
hauptberuflicher Händler und bei der Kreditvergabe.
In Italien und den Provinzen gab es lokale Marktzyklen, die
jeweiligen Markttage wurden sinnvoll aufeinander abgestimmt. Diese einzelnen
Märkte waren über die Region hinaus nicht miteinander vernetzt oder
verflochten, sondern wurden von Bauern der Umgebung (bis 15 km entfernt) und
den städtischen Handwerkern zur Versorgung der unmittelbaren Grundbedürfnisse
bedient.
Neben diesen isolierten lokalen Märkten gab es risikoreichen
aber gewinnbringenden Fernhandel, der meist Luxusprodukte aus Ländern wie
Indien oder China in den Mittelmeerraum brachte. Auch innerhalb des
Mittelmeerraumes wurde z.B. mit Wein und Olivenöl gehandelt. Der Umfang und die
Reichweite dieses Fernhandels stehen im Kontrast zum Fehlen von
Handelsgesellschaften und Handelshäuser. Die Zusammenschlüsse von Seeschiffern
(corpora navicularium) dienten nur sekundär der Potenzierung ökonomischer
Kraft. Wie das Gros der Handwerker stammte auch die Mehrzahl der
Handeltreibenden aus den mittleren und unteren Schichten, auch Freigelassene
und Frauen waren im Handel tätig.
Literatur zum Thema:
Drexhage, Hans-Joachim, et al., Die Wirtschaft des Römischen
Reiches (1. - 3. Jahrhundert) Berlin 2002.
Jacobsen, Gurli, Primitiver Austausch oder freier Markt?,
Untersuschungen zum Handel in den gallisch-germanischen Provinzen während der
römischen Kaiserzeit, St. Katharinen
1995. (169-185)
Kneißel, Peter, Zur Wirtschaftsstruktur des römischen
Reichs: Das Beispiel Gallien, in: Kneißel/ Losemann (Hg.), Alte Geschichte und
Wissenschaftsgeschichte, Festschrift für Karl Christ zum 65. Geburtstag,
Darmstadt 1988. (234-255)
Kloft, Hans, Die Wirtschaft der griechisch-römischen Welt,
Darmstadt 1992. (220-229)
Middleton, Paul, The roman army and long-distance trade, in:
Whittaker/Garnsey, Trade and famine in classical antiquity, Cambridge 1983.
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Schneider, Das Imperium Romanum:
Subsistenzproduktion- Redistribution- Markt, in: Kneissl, Peter, Imperium
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Weber, Gregor, Das Imperium Romanum als Wirtschaftsraum, in:
Schreiber, Waltraud, Vom Imperium Romanum zum Global Village, Neuried 2000.
Veyne, Paul, Die Originalität des Unbekannten, darin: Leben
des Trimalchion, Frankfurt 1988.
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