Der Verlorene, Dtl. 1951, Regie: Peter Lorre
20 Jahre nach Fritz Langs "M" spielte Peter Lorre nochmals einen Serienmörder.
"Der Verlorene", 1951 unter dem Arbeitstitel "Der Totmacher" in
Hamburg produziert , war Lorres erste (und letzte) Regiearbeit und sein erster (und letzter)
deutscher Film nach der Rückkehr aus dem amerikanischen Exil.
Des weiteren war "Der Verlorene" der erste Film, der von der gerade
gegründeten Wiesbadener Filmbewertungsstelle das FSK-Prädikat "wertvoll"
verliehen bekam. Das allerdings war dann schon fast die einzige gute Kritik -
der Rest bewegte sich zwischen desinteressiert und gehässig. Denn Gegenstand
des Films ist die Indolenz der Deutschen, an der Lorre ebenso verzweifelte wie
seine Hauptfigur. "Dieser allgemeine Gefühlsmangel, auf jeden Fall aber die
offensichtliche Herzlosigkeit, die manchmal mit billiger Rührseligkeit
kaschiert wird, ist jedoch nur das auffälligste äußerliche Symptom einer tief
verwurzelten, hartnäckigen und gelegentlich brutalen Weigerung, sich dem
tatsächlich Geschehenen zu stellen und sich damit abzufinden", hatte Hannah
Arendt die psychosoziale Lage bei ihrem Besuch in Deutschland ein Jahr zuvor
zusammengefasst. Und Lorre hatte nun den fatalen Fehler begangen, den
Deutschen ins Gewissen reden zu wollen.
Kein Wunder also, dass auch das Publikum eine weitere filmhistorische
Premiere, nämlich den ersten deutschen Film, in dem ein Nazi willentlich
getötet wird, lieber verpassen wollte, und dass Lorres Lehre aus der
Geschichte, die sein Biograph Felix Hofmann als "Nur ein toter Nazi ist ein
guter Nazi" referiert, damals noch weniger mehrheitsfähig war als heute. Der
Film wurde nach wenigen Tagen aus Mangel an Zuschauern wieder abgesetzt. Die
Filmhistorikerin Lotte Eisner resümiert: "Der beachtliche und ehrliche Film
wurde in Deutschland so kalt aufgenommen, dass Lorre enttäuscht nach Amerika
zurückging und sich vollends zu Tode soff."
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