Walter Benjamin

Schwerer ist es, das Gedächtnis der Namenlosen zu ehren als das der Berühmten.
Dem Gedächtnis der Namenlosen ist die historische Konstruktion geweiht.

Walter Benjamin, Gesammelte Schriften, Band I, Seite 1241.

05.10.12

Der Verlorene



















Der Verlorene, Dtl. 1951, Regie: Peter Lorre

20 Jahre nach Fritz Langs "M" spielte Peter Lorre nochmals einen Serienmörder.
 "Der Verlorene", 1951 unter dem Arbeitstitel "Der Totmacher" in Hamburg produziert , war Lorres erste (und letzte) Regiearbeit und sein erster (und letzter) deutscher Film nach der Rückkehr aus dem amerikanischen Exil. 
 Des weiteren war "Der Verlorene" der erste Film, der von der gerade gegründeten Wiesbadener Filmbewertungsstelle das FSK-Prädikat "wertvoll" verliehen bekam. Das allerdings war dann schon fast die einzige gute Kritik - der Rest bewegte sich zwischen desinteressiert und gehässig. Denn Gegenstand des Films ist die Indolenz der Deutschen, an der Lorre ebenso verzweifelte wie seine Hauptfigur. "Dieser allgemeine Gefühlsmangel, auf jeden Fall aber die offensichtliche Herzlosigkeit, die manchmal mit billiger Rührseligkeit kaschiert wird, ist jedoch nur das auffälligste äußerliche Symptom einer tief verwurzelten, hartnäckigen und gelegentlich brutalen Weigerung, sich dem tatsächlich Geschehenen zu stellen und sich damit abzufinden", hatte Hannah Arendt die psychosoziale Lage bei ihrem Besuch in Deutschland ein Jahr zuvor zusammengefasst. Und Lorre hatte nun den fatalen Fehler begangen, den Deutschen ins Gewissen reden zu wollen. Kein Wunder also, dass auch das Publikum eine weitere filmhistorische Premiere, nämlich den ersten deutschen Film, in dem ein Nazi willentlich getötet wird, lieber verpassen wollte, und dass Lorres Lehre aus der Geschichte, die sein Biograph Felix Hofmann als "Nur ein toter Nazi ist ein guter Nazi" referiert, damals noch weniger mehrheitsfähig war als heute. Der Film wurde nach wenigen Tagen aus Mangel an Zuschauern wieder abgesetzt. Die Filmhistorikerin Lotte Eisner resümiert: "Der beachtliche und ehrliche Film wurde in Deutschland so kalt aufgenommen, dass Lorre enttäuscht nach Amerika zurückging und sich vollends zu Tode soff."

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