Walter Benjamin

Schwerer ist es, das Gedächtnis der Namenlosen zu ehren als das der Berühmten.
Dem Gedächtnis der Namenlosen ist die historische Konstruktion geweiht.

Walter Benjamin, Gesammelte Schriften, Band I, Seite 1241.

14.05.18

Transit von Christian Petzold















Dem Regisseur ist, anders als nach der Lektüre von Tim Lindemanns Rezension erwartet, eine gute Romanverfilmung gelungen. Das heißt in diesem Falle, das erzwungene Warten, dem sich der Roman ausführlich widmet, in aller Kürze, die die Form Film erfordert, zu zeigen. Das geschieht z.B. durch ein literarisches Zitat beim amerikanischen Konsul oder durch den Selbstmord der Hundehalterin.
Es ist mir aber unklar, warum vieles, was man sieht, zudem von einer Stimme aus dem Off erzählt wird. Warum diese Verdoppelung, die ich schon in Melvilles "Schweigen des Meeres" enttäuschend fand? Hier wäre eventuell eine engere Orientierung am Roman, der den Erzähler nur am Anfang und am Schluss kenntlich macht, besser gewesen. Die Beziehung des Protagonisten zu einem Marsailler Jungen, die in der Radio-Reparatur-Szene gipfelt, zugleich die beste im ganzen Film, ist allerdings viel eindrucksvoller gestaltet als im Buch.

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