Es gibt mehrere Gründe dafür, dass sich in Bayern mehr als
anderswo die Folklore politisieren und die Politik
folklorisieren lassen musste. Einer davon liegt in der
paradoxen Erzeugung der Provinz durch die Aufklärung. Wiederum
nachträglich nämlich war die Säkularisation unter dem Grafen
Montgelas als Trauma barbarischen Religionsfrevels
erschienen. Gar so arg aber war die Enteignung und Entmachtung der
Klöster nicht, sie wurde selbst von einem Teil der katholischen
Kirche als notwendiger Prozess der Reinigung und
Konzentration aufs Geistliche angesehen. Was aber entstand,
neben der Notwendigkeit, weltliche Verwaltung an die Stelle der
kirchlichen Organisationen zu setzen, war ein kultureller
Sog. Die Klöster waren nicht nur Instrumente der ökonomischen
und politischen Macht, sondern auch Institutionen von Bildung
und Kultur. So war die Säkularisation Auslöser einer
beschleunigten Provinzialisierung der Provinz, die mit der
gezielten Förderung der Bildungseinrichtungen und der Kunst in
den großen Städten einherging. In dieses Vakuum der
»abgehängten« Provinz stieß die identitätspolitische
Kampagne sehr erfolgreich.
Die Zeit, 20/2018
Walter Benjamin
Schwerer ist es, das Gedächtnis der Namenlosen zu ehren als das der Berühmten.
Dem Gedächtnis der Namenlosen ist die historische Konstruktion geweiht.
Walter Benjamin, Gesammelte Schriften, Band I, Seite 1241.
Dem Gedächtnis der Namenlosen ist die historische Konstruktion geweiht.
Walter Benjamin, Gesammelte Schriften, Band I, Seite 1241.
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