Die
inzwischen zahlreichen Streaming-Dienste bieten leider keine älteren Filme. So
ist man immer noch auf DVDs angewiesen, wenn man sich Filmklassiker anschauen
will. Gerade ist „Mario und der Zauberer“ auf DVD erschienen und man hat so die
Möglichkeit sich diese Literaturverfilmung aus dem Jahr 1994 anzuschauen. Das
ist möglicherweise für diejenigen interessant, die Thomas Manns gleichnamige
Novelle aus den frühen Dreißigerjahren kennen und schätzen.
Darin steht
der Zauberer im Mittelpunkt, seiner abendlichen Vorstellung sind 40 von 50
Seiten gewidmet, während Mario, die im Titel immerhin zuerst genannte Figur,
nur einen kurzen Auftritt am Schluss hat. Wie stellt der Ich-Erzähler den
Zauberer dar? Er nennt Cipolla, so heißt der Zauberer, „Hypnotiseur“ (S. 218),
„Betrüger“ (231), „Gebieter“ (220), „Leiter“ (ebd.). Cipolla verlangt
„Hörigkeit“ (222) und strahlt „Autorität“ (ebd.) aus. Die Zuschauer tanzen nach
seiner Pfeife (224) und spenden Applaus. Er hat eine Gerte dabei. Er befiehlt
(„krümme dich!“ 207). Kurz: Er ist ein Verführer, ein Führertyp. Die Zuschauer
folgen ihm, auch wenn er sie, wie z.B. den Giovanotto, angreift, sie sind in
seinem Bann und gehen nicht, wie z.B. der Ich-Erzähler. Marios Attentat stoppt
den Diktator.
Im Film ist
Cipolla nur eine Figur unter anderen (Mario z.B. gewinnt im Film deutlich an Kontur,
andere Figuren kommen hinzu), ist aber vielschichtiger gezeichnet. Die Kamera
zeigt Klaus Maria Brandauer, der Cipolla spielt, in einem Garten verletzlich,
und hilflos, als er am Abend einen Mord aufklären soll, was er augenscheinlich
nicht kann. Die Kamera zeigt ihn in privaten Gesprächen, was ihn harmlos
erscheinen lässt. Seine Hypnose- und Verführungskunst auf der Bühne sind
weniger eindrücklich, weniger bedrohlich, weniger unheimlich als in der
Novelle. Die politische Aussage verschiebt sich. Statt um Herrschaft und
Gehorsam geht es im Film um Fremdenfeindlichkeit, um eine heuchlerische
Sexualmoral, um korrupte Beamte, Karrierismus und nationalistische
Honoratioren. Diesem recht plakativ vorgetragenen Potpourri entsprechen die Vielfalt
der Perspektiven und die formale Überladenheit und Opulenz, die z.B. in einem
sehr überflüssigen Feuerwerk zum Ausdruck kommen.
Demgegenüber
erscheinen Aussage und Aufbau der Novelle, trotz ihres ausschweifenden
Satzbaus, in ihrem Zuschnitt auf eine Hauptfigur, sehr reduziert, konzentriert und
klar.
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