Andreas
Gryphius: Einsamkeit (1650)
In dieser Einsamkeit der mehr denn
öden Wüsten,
Gestreckt auf wildes Kraut, an die
bemooste See,
Beschau’ ich jenes Tal und dieser
Felsen Höh’
Auf welchem Eulen nur und stille
Vögel nisten.
Hier, fern von dem Palast, weit von
des Pöbels Lüsten,
Betracht ich, wie der Mensch in
Eitelkeit vergeh,
Wie auf nicht festem Grund all
unser Hoffen steh,
Wie die vor Abend schmähn, die vor
dem Tag uns grüßten.
Die Höhl, der raue Wald, der
Totenkopf, der Stein,
Den auch die Zeit auffrisst, die
abgezehrten Bein
Entwerfen in dem Mut unzählige
Gedanken.
Der Mauern alter Grau, dies
ungebaute Land
Ist schön und fruchtbar mir, der eigentlich
erkannt
Dass alles, ohn ein Geist, den Gott
selbst hält, muss wanken.
Text aus:
Günther Einecke / Maximilian Nutz (Hg.), deutsch kompetent, Stuttgart 2009, S.
126.
Das Gedicht
wurde der 2018 aktuellen Rechtschreibung angepasst.
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