Walter Benjamin

Schwerer ist es, das Gedächtnis der Namenlosen zu ehren als das der Berühmten.
Dem Gedächtnis der Namenlosen ist die historische Konstruktion geweiht.

Walter Benjamin, Gesammelte Schriften, Band I, Seite 1241.

23.06.12

Des Teufels General

 

















Deutschland 1955, Regie: Helmut Käutner

In der DVD findet sich eine gute Einordnung von Daniel Sander:

Vielleicht ist Curd Jürgens zu gut. Sein General Harras, dieser Held der deutschen Luftwaffe, ist ein versoffener und charmanter Tausendsassa, mit dem man gerne mal um die Häuser zöge. Ein Zyniker mit Herz, ein Mann von Welt und trotzdem volksnah. Pflichtschuldig tut er im Zweiten Weltkrieg seinen Dienst als General, aber die Nazis mag er nicht. Er gewährt sogar dem netten jüdischen Ehepaar Rosenfeld vorübergehend Unterschlupf. Er ist die ideale Identifikationsfigur für das mit der eigenen Moral hadernde Nachkriegspublikum von 1955: Einer, der da eben reingeraten ist, obwohl er doch gar kein politischer Typ war. Der aber dabei ein guter Mensch geblieben ist. Ist er?

Natürlich nicht, und das ist der Kern von »Des Teufels General«, Helmut Käutners Verfilmung von Carl Zuckmayers Bühnenstück: General Harras ist ein Mitläufer und Opportunist; zu fei­ge, um seine innere Abneigung gegen die Nazis in tatsächlichen Widerstand zu verwandeln. Zu sehr genießt er den Luxus der gehobenen Gesellschaft, den Rest blendet er aus. Doch als Harras spät und schleichend zur Selbsterkenntnis gelangt, da haben ihn Curd Jürgens und Regisseur Käutner längst so menschlich werden lassen, dass man es als Zuschauer schwer hat, diesen Mann als Verbrecher zu begreifen. Doch das kann man diesem Film nicht vorwerfen. »Des Teufels General« ist das packende und schlüssige Porträt eines Menschen, den sein Nicht-Handeln zum Täter gemacht hat. Am Ende zieht er sich per Freitod aus der Affäre, bevor er sich mit der ganzen Dimension seines Nicht-Handelns auseinandersetzen kann. Das liegt nun beim Zuschauer.

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