In seinem Aufsatz: Etatismus – "Kriegssozialismus" – “Nationalsozialismus” in der Literatur der deutschen Sozialdemokratie (1952, ca. 50 Seiten) untersucht Willy Huhn die staatsfreundliche Strömung der Sozialdemokratie von den 1860er bis in die 1920er Jahre. Er geht chronologisch vor, beginnt mit Lasalle und endet mit dem Zusammenschluss des rechten USPD Flügels mit der MSPD. Es kommen einige innerparteiliche Kritiker der Staatsfreunde zu Wort, z.B. Julius Vahlteich, Friedrich Engels, Karl Kautsky, Heinrich Ströbel und desöfteren verweist Huhn auf das Buch The Road to Serfdom (1944) des späteren Nobelpreisträgers F.A. Hayek.
Es ist haarsträubend, wie sozialdemokratische Intellektuelle (sie kommen in Huhns Essay reichlich zu Wort) in den Jahren 1914 bis 18 den Krieg rechtfertigten und die damalige staatliche Wirtschaftslenkung begrüßten, während Arbeiter und Arbeiterinnen im Krieg starben bzw. zuhause litten und fluchten, letzters hat z.B. Oskar Maria Graf eindrücklich geschildert. Der Aufsatz hält allerdings nicht ganz, was der Untertitel des Bandes, in dem Huhns Aufsatz zuletzt veröffentlicht wurde, verspricht. Denn um zu belegen, dass es sich beim Etatismus der Sozialdemokratie um die Vorgeschichte des Nazifaschismus handelt, müsste belegt werden, wie die staatssozialistischen Ideen von der SPD auf die NSDAP übergingen, was Huhn erklärtermaßen nicht unternimmt.
Walter Benjamin
Schwerer ist es, das Gedächtnis der Namenlosen zu ehren als das der Berühmten.
Dem Gedächtnis der Namenlosen ist die historische Konstruktion geweiht.
Walter Benjamin, Gesammelte Schriften, Band I, Seite 1241.
Dem Gedächtnis der Namenlosen ist die historische Konstruktion geweiht.
Walter Benjamin, Gesammelte Schriften, Band I, Seite 1241.
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