Walter Benjamin

Schwerer ist es, das Gedächtnis der Namenlosen zu ehren als das der Berühmten.
Dem Gedächtnis der Namenlosen ist die historische Konstruktion geweiht.

Walter Benjamin, Gesammelte Schriften, Band I, Seite 1241.

24.03.12

Wer wenn nicht wir















wer wenn nicht wir (2011, Regie: Andreas Veiel)

Der Film hat einige starke Szenen. Gleich zu Beginn erklärt Nazi-Dichter Will Vesper dem kleinen Bernward auf die liebenswürdigste Art, warum er die Katze dessen Katze erschießen musste. Später erzählt Bernward diese Geschichte einem Psychater, nachdem er seine Inneneinrichtung aus dem Fenster in den Innenhof geworfen hat - auch eine beeindruckende Szene. Bernward tut einem leid, weil er es nicht schafft zwischen seinem Vater als Vater und als Schriftsteller zu unterscheiden, was im Walter Jens empfiehlt. (Interessant, weil Jens seine eigene Mitgliedschaft in der NSDAP immer verschwieg.) So wird B. dann immer wieder mit Anspielungen auf den Vater aufgezogen.
Von Gudrun Ensslin bleibt in Erinnerung, wie sie mit ihrem sympathischen Vater und mit Klaus Röhler streitet. Die Empörung nimmt man der Schauspielerin Lena Lauzemis ab. Und weil Gudrun so aufrichtig moralisch empört ist, möchte sie zur Tat schreiten, wer diesen Tatendrang in Frage stellt, den weist sie rigoros zurecht. Es ist wohl diese ihre Art Kritik abzuwehren, die ihr einen Zug von Überheblichkeit verleiht. (s.a. Film-Titel) Im Film wird nicht deutlich, was Ensslin liest, ob sie auch durch theoretische Überlegungen motiviert ist. Vielleicht findet sich dazu etwas in Gerd Koenens Buch zum Thema.

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