Am Abend aller Tage, Regie: Dominik Graf (2017)
Formal ein Thriller, da es durchaus spannend ist, ob Philipp Keyser das Bild, das er suchen soll, finden wird und wie skrupellos er dabei vorgeht. Sein Schauspiel, als er Alma kennenlernt, erinnert an "Der talentierte Mr. Ripley"/"Nur die Sonne war Zeuge". Überflüssig für den Plot fand ich, dass Alma in einer der letzten Szenen eine schwere Krankheit preisgibt.
Inhaltlich thematisiert der Film die deutsche Geschichte - anhand der Gemälde aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts und der Villa, in der sie Lagern, aus seiner zweiten Hälfte. Die gelungenen Dialoge zwischen Magnus Dutt und Philipp über Kunst und Eigentum finden vor diesem Hintergrund statt.
Walter Benjamin
Schwerer ist es, das Gedächtnis der Namenlosen zu ehren als das der Berühmten.
Dem Gedächtnis der Namenlosen ist die historische Konstruktion geweiht.
Walter Benjamin, Gesammelte Schriften, Band I, Seite 1241.
Dem Gedächtnis der Namenlosen ist die historische Konstruktion geweiht.
Walter Benjamin, Gesammelte Schriften, Band I, Seite 1241.
10.08.17
21.06.17
Franz Dobler: Ein Schlag ins Gesicht
Die Fortsetzung von "Ein Bulle im Zug". Robert Fallner ist inzwischen Privatdetektiv. »grandiose Dialoge, filmreife Szenen und eine tragische Geschichte. Das
Buch ist eine Liebeserklärung an Hard-Boiled-Detektivgeschichten, 70er
Jahre BRD-Trash-Kultur, Debbie Harry und geheimes Wissen. Der Stoff, aus
dem Legenden sind.« Joachim Schneider, Badische Zeitung, 3.12.2016
Blondie: https://www.youtube.com/watch?v=WGU_4-5RaxU
Doku über Dobler (45 Minuten): https://www.youtube.com/watch?v=1Y8wKpVt5tY
Blondie: https://www.youtube.com/watch?v=WGU_4-5RaxU
Doku über Dobler (45 Minuten): https://www.youtube.com/watch?v=1Y8wKpVt5tY
Komödien
Irrational Man, Regie: Woody Allen, 2015
Mit Joaquin Phoenix in der Hauptrolle; Er spielt den Philosophieprofessor Abe Lucas, der am Sinn seines Fachs zweifelt und erst zu Optimismus und Libido zurückfindet, als er einen Mord plant. Was lustig anzuschauen ist. Eine gelungene Satire auf Universitätsbetrieb, Intellektuelle und Selbsterhöhung qua (Moral-)Theorie.
Toni Erdmann, Regie: Maren Ade, 2016
Hier treffen zwei Welten aufeinander: Die Welt des Musiklehrers Winfried Conradi alias Toni Erdmann und die der Unternehmensberaterin Ines Conradi, seiner Tochter. Da ist etwas Wahres dran, dass die Leute in ganz unterschiedlichen Milieus leben. Es gibt starke Szenen (Schüler kündigt Klavierunterricht, Ines und Tim) aber auch kitschige (Besuch bei rumänischer Familie, Versöhnung nach Nacktparty).
Mit Joaquin Phoenix in der Hauptrolle; Er spielt den Philosophieprofessor Abe Lucas, der am Sinn seines Fachs zweifelt und erst zu Optimismus und Libido zurückfindet, als er einen Mord plant. Was lustig anzuschauen ist. Eine gelungene Satire auf Universitätsbetrieb, Intellektuelle und Selbsterhöhung qua (Moral-)Theorie.
Toni Erdmann, Regie: Maren Ade, 2016
Hier treffen zwei Welten aufeinander: Die Welt des Musiklehrers Winfried Conradi alias Toni Erdmann und die der Unternehmensberaterin Ines Conradi, seiner Tochter. Da ist etwas Wahres dran, dass die Leute in ganz unterschiedlichen Milieus leben. Es gibt starke Szenen (Schüler kündigt Klavierunterricht, Ines und Tim) aber auch kitschige (Besuch bei rumänischer Familie, Versöhnung nach Nacktparty).
14.04.17
Inside Llewyn Davis
Inside Llewyn Davis, USA 2013, Regie: Joel David und Ethan Jesse Coen
100 Minuten reichen durchaus, eine gute Geschichte zu erzählen. Autos, Interieur, Mode, Verhaltensweisen tragen was dazu bei. Gute Musik und gute Schauspieler, was in diesem Fall zusammenhängt, tun was dazu. Entscheidend ist hier aber, dass und wie der Film einen Scheiternden in den Mittelpunkt stellt - mit ihm, nicht über ihn lachend.
100 Minuten reichen durchaus, eine gute Geschichte zu erzählen. Autos, Interieur, Mode, Verhaltensweisen tragen was dazu bei. Gute Musik und gute Schauspieler, was in diesem Fall zusammenhängt, tun was dazu. Entscheidend ist hier aber, dass und wie der Film einen Scheiternden in den Mittelpunkt stellt - mit ihm, nicht über ihn lachend.
28.03.17
Kino
Elle, Regie: Paul Verhoeven, 2016
Der erste Film, den ich von Verhoeven gesehen habe, aber nicht der erste mit Isabelle Huppert. Der Film ist spannend und gut gespielt, der Plot ist aber einen Tick zu überdreht, als ob sie versucht hätten, eine ganze Fernsehserie in einen Film zu packen.
Das unbekannte Mädchen, Jean-Pierre und Luc Dardenne, 2016
Im SZ-Interview sagen die Regisseure ihr Ziel als Filmemacher sei durchaus, der Gesellschaft wie die Ärztin Jenny den Puls zu fühlen. Das Politische ist hier deutlicher als bei Filmen von Christian Petzold, aber unaufdringlicher als bei Ken Loach.
Der junge Marx, Regie: Raoul Peck, 2017
Natürlich müsste man einem Revolutionär auch einen formal revolutionären Film widmen, aber wahrscheinlich ist das nicht so leicht, wenn man nicht Sergej Eisenstein heißt. Deswegen ist es besser einen solchen konventionellen Film zu machen, was ja in Deutschland nie jemand unternommen hat, um die Zeit, ihre Helden und Diskussionen kurz vorzustellen. Das ist durchaus gelungen, auch wenn Wilhelm Weitling etwas zu schlecht wegkommt. Leider war außer mir nur ein anderer Zuschauer im Kino, was dem Abend eine melancholische Note verpasste.
Der erste Film, den ich von Verhoeven gesehen habe, aber nicht der erste mit Isabelle Huppert. Der Film ist spannend und gut gespielt, der Plot ist aber einen Tick zu überdreht, als ob sie versucht hätten, eine ganze Fernsehserie in einen Film zu packen.
Das unbekannte Mädchen, Jean-Pierre und Luc Dardenne, 2016
Im SZ-Interview sagen die Regisseure ihr Ziel als Filmemacher sei durchaus, der Gesellschaft wie die Ärztin Jenny den Puls zu fühlen. Das Politische ist hier deutlicher als bei Filmen von Christian Petzold, aber unaufdringlicher als bei Ken Loach.
Der junge Marx, Regie: Raoul Peck, 2017
Natürlich müsste man einem Revolutionär auch einen formal revolutionären Film widmen, aber wahrscheinlich ist das nicht so leicht, wenn man nicht Sergej Eisenstein heißt. Deswegen ist es besser einen solchen konventionellen Film zu machen, was ja in Deutschland nie jemand unternommen hat, um die Zeit, ihre Helden und Diskussionen kurz vorzustellen. Das ist durchaus gelungen, auch wenn Wilhelm Weitling etwas zu schlecht wegkommt. Leider war außer mir nur ein anderer Zuschauer im Kino, was dem Abend eine melancholische Note verpasste.
06.01.17
Robert Musil (1880-1942)
Das Fliegenpapier
Das Fliegenpapier Tangle-foot ist ungefähr sechsunddreißig Zentimeter lang und einundzwanzig Zentimeter breit; es ist mit einem gelben, vergifteten Leim bestrichen und kommt aus Kanada. Wenn sich eine Fliege darauf niederläßt – nicht besonders gierig, mehr aus Konvention, weil schon so viele andere da sind – klebt sie zuerst nur mit den äußersten, umgebogenen Gliedern aller ihrer Beinchen fest. Eine ganz leise, befremdliche Empfindung, wie wenn wir im Dunkel gingen und mit nackten Sohlen auf etwas träten, das noch nichts ist als ein weicher, warmer, unübersichtlicher Widerstand und schon etwas, in das allmählich das grauenhaft Menschliche hineinflutet, das Erkanntwerden als eine Hand, die da irgendwie liegt und uns mit fünf immer deutlicher werdenden Fingern festhält!Dann stehen sie alle forciert aufrecht, wie Tabiker, die sich nichts anmerken lassen wollen, oder wie klapprige alte Militärs (und ein wenig o-beinig, wie wenn man auf einem scharfen Grat steht). Sie geben sich Haltung und sammeln Kraft und Überlegung. Nach wenigen Sekunden sind sie entschlossen und beginnen, was sie vermögen, zu schwirren und sich abzuheben. Sie führen diese wütende Handlung so lange durch, bis die Erschöpfung sie zum Einhalten zwingt. Es folgt eine Atempause und ein neuer Versuch. Aber die Intervalle werden immer länger. Sie stehen da, und ich fühle, wie ratlos sie sind. Von unten steigen verwirrende Dünste auf. Wie ein kleiner Hammer tastet ihre Zunge heraus. Ihr Kopf ist braun und haarig, wie aus einer Kokosnuß gemacht; wie menschenähnliche Negeridole. Sie biegen sich vor und zurück auf ihren festgeschlungenen Beinchen, beugen sich in den Knien und stemmen sich empor, wie Menschen es machen, die auf alle Weise versuchen, eine zu schwere Last zu bewegen; tragischer als Arbeiter es tun, wahrer im sportlichen Ausdruck der äußersten Anstrengung als Laokoon. Und dann kommt der immer gleich seltsame Augenblick, wo das Bedürfnis einer gegenwärtigen Sekunde über alle mächtigen Dauergefühle des Daseins siegt. Es ist der Augenblick, wo ein Kletterer wegen des Schmerzes in den Fingern freiwillig den Griff der Hand öffnet, wo ein Verirrter im Schnee sich hinlegt wie ein Kind, wo ein Verfolgter mit brennenden Flanken stehen bleibt. Sie halten sich nicht mehr mit aller Kraft ab von unten, sie sinken ein wenig ein und sind in diesem Augenblick ganz menschlich. Sofort werden sie an einer neuen Stelle gefaßt, höher oben am Bein oder hinten am Leib oder am Ende eines Flügels.
Wenn sie die seelische Erschöpfung überwunden haben und nach einer kleinen Weile den Kampf um ihr Leben wieder aufnehmen, sind sie bereits in einer ungünstigen Lage fixiert, und ihre Bewegungen werden unnatürlich. Dann liegen sie mit gestreckten Hinterbeinen auf den Ellbogen gestemmt und suchen sich zu heben. Oder sie sitzen auf der Erde, aufgebäumt, mit ausgestreckten Armen, wie Frauen, die vergeblich ihre Hände aus den Fäusten eines Mannes winden wollen. Oder sie liegen auf dem Bauch, mit Kopf und Armen voraus, wie im Lauf gefallen, und halten nur noch das Gesicht hoch. Immer aber ist der Feind bloß passiv und gewinnt bloß von ihren verzweifelten, verwirrten Augenblicken. Ein Nichts, ein Es zieht sie hinein. So langsam, daß man dem kaum zu folgen vermag, und meist mit einer jähen Beschleunigung am Ende, wenn der letzte innere Zusammenbruch über sie kommt. Sie lassen sich dann plötzlich fallen, nach vorne aufs Gesicht, über die Beine weg; oder seitlich, alle Beine von sich gestreckt; oft auch auf die Seite, mit den Beinen rückwärts rudernd. So liegen sie da. Wie gestürzte Aeroplane, die mit einem Flügel in die Luft ragen. Oder wie krepierte Pferde. Oder mit unendlichen Gebärden der Verzweiflung. Oder wie Schläfer. Noch am nächsten Tag wacht manchmal eine auf, tastet eine Weile mit einem Bein oder schwirrt mit dem Flügel. Manchmal geht solch eine Bewegung über das ganze Feld, dann sinken sie alle noch ein wenig tiefer in ihren Tod. Und nur an der Seite des Leibs, in der Gegend des Beinansatzes, haben sie irgend ein ganz kleines, flimmerndes Organ, das lebt noch lange. Es geht auf und zu, man kann es ohne Vergrößerungsglas nicht bezeichnen, es sieht wie ein winziges Menschenauge aus, das sich unaufhörlich öffnet und schließt.
Aus: Robert Musil, Nachlaß zu Lebzeiten, Zürich 1936.
04.01.17
Faserland
In seinem ersten Roman hat Christian Kracht die Interpretation noch mit reingeschrieben. Am Ende seines Roadtrips, auf dem der Protagonist viel trinkt ("ich hätte gerne vier Brandy Alexander, bitte." S. 136) und Markenbewußtsein beweist ("In Hamburg ist alles, man kann es nicht anders sagen, Barbourgrün." S. 31), sehnt er sich nach einer Familie und einer kleinen Holzhütte in den Bergen:
"Jetzt, wenn der
Sommer kommt, würden die Bienen summen, und dann würde ich mit den Kindern
Ausflüge machen bis an die Baumgrenze, durch die dunklen Wälder streifen, und wir
würden uns Ameisenhaufen ansehen, und ich könnte so tun, als würde ich alles
wissen. (…) Ich würde ihnen von Deutschland erzählen, von dem großen Land im
Norden, von der großen Maschine im Norden, von der großen Maschine, die sich
selbst baut, da unten im Flachland. Und von den Menschen würde ich erzählen,
von den Auserwählten, die im Innern der Maschine leben, die gute Autos fahren
müssen und gute Drogen nehmen und guten Alkohol trinken und gute Musik hören
müssen, während um sie herum alle dasselbe tun, nur eben ein klein bißchen
schlechter. Und daß die Auserwählten nur durch den Glauben weiterleben können,
sie würden es ein bißchen besser tun, ein bißchen härter ein bißchen
stilvoller." (Fischer Taschenbuch, S. 158f. )
„Ich werde hier sein im Sonnenschein und im Schatten“
„Es war die erste
Nacht ohne das ferne Artilleriefeuer, es war die ganze Nacht still. Der Hund
schlief auf dem steinernen Fussboden, und ich hörte seinen unregelmässigen Atem.
Er zuckte mit den Pfoten, manchmal träumte ihm wohl. Ich lag im grauenvollen
Nachthemd auf dem Holzbett, zerdrückte die Flöhe und das andere Getier, das mir
auf der Haut herumlief, und rauchte Zigaretten. Die Laken waren schmutzig, und
das Kissen roch nach Menschentalg, so konnte ich nicht schlafen.“
So beginnt der
dystopische Roman „Ich werde hier sein im Sonnenschein und im Schatten“. Er
handelt von der letzten Phase des hundertjährigen Krieges einer schweizerischen
Sowjetrepublik und seiner afrikanischen Verbündeten gegen die deutschen
Angreifer. Man merkt dem Buch an, dass Christian Kracht an den rund 140 Seiten, wie er
2008 in einem Fernsehinterview sagte, vier Jahre arbeitete. Die schweizerische
Orthografie ist nur ein kleines Beispiel dafür, dass hier alles durchdacht ist.
11.12.16
Christian Kracht: Imperium
Der Roman handelt von einem historisch verbürgten Aussteiger, der wenige Jahre vor Beginn der Ersten Weltkriegs in das deutschen Kolonialgebiete im Pazifik geht, dort eine Kokosnussplantage gründet und beschließt, sich ausschließlich von Kokosnüssen zu ernähren. Diese Expedition endet tragisch. Weil aber die ganze Geschichte im Stil der Jahrhundertwende, z.B. auch von einem auktorialen Erzähler, erzählt wird, ist sie auch Komödie. So gelingt es auf satirische und recht unterhaltsame Weise am Beispiel des August Engelhardt das deutsche Unbehagen an der Zivilisation zu kritisieren.
15.11.16
Cord Riechelmann über Klaus Behnken
Nachruf aus der Jungle-World: Vom SDS über den März-Verlag zum Zeitungsgründer: Was Klaus Behnken für die Linke bedeutet hat.
12.11.16
Christian Kracht: Die Toten
Ich war tatsächlich überrascht, dass es Gegegenwartsliteratur gibt, die so gut konstruiert, so dicht formuliert, auch aufwändig recherchiert und dabei sehr unterhaltsam ist. Der Mann versteht sein Handwerk.
Wolfgang Herrndorf
Das Bild auf dem Umschlag ist von der Hand des Autors und hing lange an der Wand über seinem Schreibtisch, wie die Herausgeber seines Romanfragments "Bilder deiner großen Liebe" schreiben. Zu diesem Landschaftsgemälde passt z.B. das 25. Kapitel:
Ich gehe im Tannenwald bergan. Vor Hunger komme ich kaum noch voran. Es zerrt an meinen Eingeweiden. Es klappt mich zusammen. Ich reiße Blätter von Sträuchern ab, stopfe sie in den Mund und spucke sie wieder aus. Ich probiere weiter Bäume und Sträucher und Gräser, bis ich etwas finde, das einigermaßen schmeckt. Darauf kaue ich herum. Aber viel hilft es nicht.
Als ich auf einen Wanderweg stoße, warte ich, bis Wanderer vorbeikommen. Ich frage sie nach Essen. Sie starren auf meine nackten Füße. Ein Mann fängt an mir Fragen zu stellen. Ich sehe, wie zwei andere ihre Handys rausholen. Sie schauen sich besorgt an, dann sehen sie mich an, dann steckt einer sein Handy wieder ein. Ich sage dem anderen, dass er das Handy auch wegstecken kann.
"Da im Tal", sage ich. "Da wohn ich. Da bin ich rauf. Ich hätte frühstücken sollen. Vor dem Bergsteigen muss man immer frühstücken.
Einige glauben mir, andere nicht. Eine Frau tritt an den Rand, sieht kein Haus und will die Polizei rufen. Ein Mann schüttelt den Kopf.
Ich nehme die Brote, die er mir hinhält, und gehe.
"Kannst wenigstens Danke sagen".
Nachdem ich alles gegessen habe, steige ich wieder in den Wald, weiter bergan.
Hinter einem Gebüsch stolpere ich über einen Kadaver. Eine Wolke Fliegen rauscht vor mir hoch. Ich nehme den Ellenbogen vors Gesicht. Da liegt ein Rehbock in einer Pfütze aus schwarzem Blut und ohne Augen. (...) (S. 99 f.)
Filme
Das Tagebuch der Anne Frank, 2016, Regie: Hans Steinbichler
Der Film ist konventionell aufgebaut, aber er macht eindrücklich klar, dass das Tagebuch von Anne Frank kein historisches Sachbuch, sondern ein Adoleszenzroman ist, zudem von einer sehr talentierten Schriftstellerin.
Vor der Morgenröte, 2016, Regie: Maria Schrader
Ein sehr gelungenes Stück zum Verhältnis von Kunst und politischem Engagement.
Einem Journalisten sagt Stefan Zweig: "Jede Widerstandsgeste, die kein Risiko in sich birgt und keine Wirkung hat, ist nichts als geltungssüchtig." Im Anschluss an den Film habe ich Zweigs historische Miniatur über Napolenons Niederlage 1815 gelesen, "Die Weltminute von Waterloo".
Polizeiruf 110: Wölfe, 2016, Regie: Christian Petzold
Der Plot ist einfach, aber die Story ist gut. Zurückhaltend und dadurch wirksam setzt Petzold die Musik ein.
Der Film ist konventionell aufgebaut, aber er macht eindrücklich klar, dass das Tagebuch von Anne Frank kein historisches Sachbuch, sondern ein Adoleszenzroman ist, zudem von einer sehr talentierten Schriftstellerin.
Vor der Morgenröte, 2016, Regie: Maria Schrader
Ein sehr gelungenes Stück zum Verhältnis von Kunst und politischem Engagement.
Einem Journalisten sagt Stefan Zweig: "Jede Widerstandsgeste, die kein Risiko in sich birgt und keine Wirkung hat, ist nichts als geltungssüchtig." Im Anschluss an den Film habe ich Zweigs historische Miniatur über Napolenons Niederlage 1815 gelesen, "Die Weltminute von Waterloo".
Polizeiruf 110: Wölfe, 2016, Regie: Christian Petzold
Der Plot ist einfach, aber die Story ist gut. Zurückhaltend und dadurch wirksam setzt Petzold die Musik ein.
Tabus über dem Lehrberuf
1963 hielt Adorno
den Vortrag Tabus über dem Lehrberuf, in dem er einige Motive der Abneigung
gegen den Lehrberuf skizzierte:
- Der Lehrer ist der Nachkomme von griechischem Sklaven, Mönch, Schreiber und Hofmeister.
- Er hat sich anders als die freien Beruf nicht in der Konkurrenz zu bewähren.
- Man nimmt seine Macht, da er sie nur über Kinder ausübt, nicht ernst.
- Alle Pädagogik hat das Problem, dass „die Sache, die man betreibt, auf die Rezipierenden zugeschnitten wird, keine rein sachliche Arbeit um der Sache willen ist.“
- Lange Zeit übten Lehrer körperliche Gewalt aus.
- Man betrachtet ihn, „weil er in eine Kinderwelt eingespannt ist“, auch in erotischer Hinsicht nicht als Erwachsenen.
- Man wirft ihm Weltfremdheit vor.
- „Die Zivilisation, die er ihnen antut, die Versagungen, die er ihnen zumutet, mobilisieren in den Kindern automatisch die imagines des Lehrers, die im Laufe der Geschichte sich angehäuft haben.“
- „Es ist darum so verzweifelt schwer für die Lehrer, es recht zu machen, weil ihr Beruf ihnen die in den meisten anderen Berufen mögliche Trennung ihrer objektiven Arbeit (…)vom persönlichen Affekt verwehrt.“
Abonnieren
Posts (Atom)
