Walter Benjamin

Schwerer ist es, das Gedächtnis der Namenlosen zu ehren als das der Berühmten.
Dem Gedächtnis der Namenlosen ist die historische Konstruktion geweiht.

Walter Benjamin, Gesammelte Schriften, Band I, Seite 1241.

19.04.20

Little Big Man (1970)

















Auf den traurigen Film "Little Big Man" von Arthur Penn, machte Georg Seeßlen in der ZEIT aufmerksam: "Es waren drei Bücher, die am Ende der Siebzigerjahre, als das Jahrzehnt schon reichlich verbraucht daherkam, an den Schnittstellen von Wissenschaft und Pop einen gehörigen Kultstatus erlangten. Das heißt: Man musste diese Bücher nicht einmal gelesen haben, auf jeden Fall nicht von vorn bis hinten, um sie in die eigene Diskurs- und Schwafel-Kultur einzubauen.
Das eine stammt von dem US-amerikanischen Physiker, Informatiker und "Kognitionswissenschaftler" Douglas R. Hofstadter und trägt den Titel Gödel, Escher, Bach: Ein Endloses Geflochtenes Band. Darin geht es um selbstreferenzielle Muster in Mathematik, Ästhetik, Biologie und Bewusstsein und um die Überzeugung, dass sich solche "seltsamen Schleifen" in autonomen Computerprogrammen fortsetzen werden.
Das zweite Buch wurde geschrieben von Joseph Campbell und heißt Der Heros in tausend Gestalten. Es war zwar schon 1949 erschienen, entfaltete seine Wirkung aber erst in der Abenddämmerung des Hippietums. Noch heute steht es in der Liste der 100 einflussreichsten Bücher bei der New York Times. Am Ende der Siebzigerjahre jedenfalls war dieses Werk über das kulturenübergreifende Wesen des Geschichtenerzählens eine Bibel unter den großen Pop-Mythikern: Bob Dylan, Stanley Kubrick, Jim Morrison von den Doors, Steven Spielberg gehörten zu den Bewunderern des Buches. Und so auch George Lucas, der Schöpfer von Star Wars.
Das dritte Buch war ebenfalls eine Wiederentdeckung, Leslie A. Fiedlers Die Rückkehr des verschwundenen Amerikaners. Die Wiedergeburt des Indianers im Bewußtsein des Neuen Westens. Es beschwört die Gespenster des amerikanischen Genozids und beschreibt die Wiederkehr eines archetypischen Indianers im "New Western" – etwa Thomas Bergers 1964 herausgekommenes Buch Little Big Man, das durch Arthur Penns Verfilmung auch hierzulande berühmt wurde (mit Dustin Hoffman als Siedlersohn, der ab seinem zehnten Lebensjahr bei den Cheyenne aufwächst)."

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