Walter Benjamin

Schwerer ist es, das Gedächtnis der Namenlosen zu ehren als das der Berühmten.
Dem Gedächtnis der Namenlosen ist die historische Konstruktion geweiht.

Walter Benjamin, Gesammelte Schriften, Band I, Seite 1241.

20.01.18

Tyll

Daniel Kehlmanns Roman überzeugt durch plotlastige, spannende Szenen und gut recherchierte Schilderungen verschiedener Lebenswelten des 17. Jahrhunderts: Das Dorf, die Mühle, die Milieus der Gelehrten und Ordensleute, der Fürsten, Feldherrn und Söldner, die Szene der Diplomaten. Ein Höhepunkt ist der Dialog zwischen Friedrich V. und Gustav Adolf. Eindrucksvoll ist, wie Kehlmann den Stand des Wissens um 1650 vor Augen führt.
An wenigen Stellen fand ich den Roman zu didaktisch: manches, was uns der Autor über die die Zeit des Dreißigjährigen Krieges erklären will, sagen und denken seine Figuren, obwohl es als Selbstverständlichkeit des eigenen Lebens den Zeitgenossen wohl nicht der Rede wert gewesen wäre. Auch die Gesamtkonstruktion des Romans überzeugt nicht vollends, die Kapitel sind angeordnet, als wolle der Autor verschleiern, dass er chronologisch erzählt.

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