Walter Benjamin
Schwerer ist es, das Gedächtnis der Namenlosen zu ehren als das der Berühmten.
Dem Gedächtnis der Namenlosen ist die historische Konstruktion geweiht.
Walter Benjamin, Gesammelte Schriften, Band I, Seite 1241.
Dem Gedächtnis der Namenlosen ist die historische Konstruktion geweiht.
Walter Benjamin, Gesammelte Schriften, Band I, Seite 1241.
09.01.16
Tag der Rache
Tag der Rache, Regie: Carl Theodor Dreyer, 1943
Zunächst erwartet man bei einem Film, der 1943 gedreht wurde und der von der Hexenverfolgung im 17. Jahrhundert erzählt, dass er die Verfolgung der Juden mit der der Hexen vergleicht. Es ist im Film aber nicht einfach so, dass unschuldige Frauen als Hexen verfolgt werden. Vielmehr wird Anne, die Frau des Pfarrers Absalon, nachdem sie Zeugin einer von ihrem Mann verantworteten Hexenverbrennung wurde, tatsächlich zu einer Hexe. Anne verliebt sich nämlich in Martin, den erwachsenen Sohn des Pfarrers. Martin erwidert ihre Liebe und sie finden sich. Anne wird bewußt, dass sie mit Pfarrer Absalon nicht glücklich war und wünscht, er wäre tot. Und der Tod ereilt ihn, als Anne ihm die Liebe zwischen ihr und Martin gesteht; damit ist die unschuldig hingerichtete alte Frau gerächt. Vor Gericht gibt Anne zu, Absalon mit Hilfe des Teufels umgebracht zu haben. Die Erzählhaltung des Films überschreitet den Denkhorizont der Zeitgenossen nicht. Dass aber der Teufel gar nicht im Spiel ist, dafür steht die Mutter des Pfarrers, die sich von Anne nicht bezaubern lässt. Sie ist immun gegen die Magie der Liebe.
Die Bilder sind inspiriert von Rembrandts Gemälden, wie Dreyer in einem Dokumentarfilm von Jorgen Roos verrät. Darin berichtet Dreyer, wie er seinen Stil, dessen Merkmal die Vereinfachung ist, entwickelte.
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