Walter Benjamin

Schwerer ist es, das Gedächtnis der Namenlosen zu ehren als das der Berühmten.
Dem Gedächtnis der Namenlosen ist die historische Konstruktion geweiht.

Walter Benjamin, Gesammelte Schriften, Band I, Seite 1241.

04.01.12

Filippo Buonarroti


Die Pflicht zum Aufstand
Vom Sturm auf die Bastille zum modernen Sozialismus: Ein Porträt des legendären italienischen Revolutionärs Filippo Buonarroti
Die Männer sitzen in vergitterten Käfigen. Wie Schlachtvieh werden sie in der Nacht auf den 27. August 1796 von Paris in das über 150 Kilometer entfernte Vendôme gekarrt. Dort, weitab von der unberechenbaren Hauptstadt, soll der Prozess stattfinden. Die Gefangenen sind angeklagt, unter Führung von François »Gracchus« Babeuf eine Verschwörung geplant zu haben – mit dem Ziel einer radikaldemokratischen Revolution, mit dem Ziel gar, die Diktatur der Jakobiner fortzusetzen, die zwei Jahre zuvor beendet worden ist.
Die Angeklagten nutzen den drei Monate dauernden Prozess als Tribüne für eine leidenschaftliche Verteidigung ihrer Vorstellungen von politischer und sozialer Gerechtigkeit. Besonders furchtlos und brillant agiert dabei ein Mann mit einem klingenden Namen: Filippo Buonarroti. Der Nachfahre aus der Familie des großen Michelangelo, geboren vor genau 250 Jahren am 11. November 1761 in Pisa als Sohn eines toskanischen Patriziers, ist seit 1793 Citoyen von Frankreich. »Die Toskana hat mich zur Welt gebracht, Frankreich aber ist mein Vaterland«, erklärt er stolz. »Mein Leben ist ein andauernder Kampf für die Freiheit [...], damit ganz Europa frei wird und ich zufrieden sterben kann.«

Während Babeuf und einer seiner Mitstreiter zum Tode verurteilt werden, bestraft das Gericht Buonarroti, obwohl auch er zum innersten Kreis der Verschwörer zählt, nur mit Verbannung. Ein Urteil mit Folgen. Denn hätte auch er sterben müssen, dann wäre die »Verschwörung der Gleichen« wahrscheinlich nur eine Fußnote zur französischen Geschichte geblieben. Durch Buonarrotis weiteres Wirken hingegen gewannen die Ideen dieses Kreises weit über Frankreich und weit über seine Zeit hinaus Einfluss. Aus ihnen sollte sich im Laufe des 19. Jahrhunderts eine mächtige Strömung herausbilden: der moderne Sozialismus.
Wer die Entscheidung der Richter 1796 beeinflusst hat, lässt sich nicht mehr feststellen. Vielleicht war es der kommende starke Mann selbst, Napoleon Bonaparte. Bonaparte und Buonarroti sind sich im Laufe ihrer stürmischen Karrieren mehrmals begegnet. Beide hatten sich mit Leib und Seele der Revolution verschrieben, freilich mit höchst unterschiedlichen Zielen. Napoleon erklärte später bedauernd: »Buonarroti, der Nachfahre Michelangelos, [...] war ein Mann von Talent, redegewandt und integer [...]. Er hätte mir in Italien sehr nützlich sein können.«
Auf Korsika hatten sie sich einst kennengelernt. Nachdem am 14. Juli 1789 die Bastille gefallen war, hatte es Buonarroti nicht länger in seiner Heimat ausgehalten. Er wollte den großen Aufbruch miterleben. Doch statt direkt ins Zentrum der Ereignisse zu reisen, nach Paris, ging er nach Korsika. Die italienisch geprägte Mittelmeerinsel, lange im Besitz der Republik Genua, gehörte seit 20 Jahren zu Frankreich. Immer wieder hatten die Korsen für ihre Freiheit gekämpft und sich 1755 unter Führung von Pascal – oder Pasquale – Paoli sogar eine moderne Verfassung gegeben (die allerdings mit Beginn der französischen Herrschaft wieder suspendiert worden war).
Den jungen Buonarroti zog diese Geschichte unwillkürlich an. Schon während des Jurastudiums in seiner Heimatstadt Pisa war er mit der Philosophie Jean Jacques Rousseaus und anderer Aufklärer bekannt geworden. Er begeisterte sich für die neuen Ideen, ja er habe, so berichtete er später, es bald schon für »die Pflicht eines anständigen Menschen« gehalten, »zum Umsturz des gesellschaftlichen Systems beizutragen, das Europa unterdrückt, um eine Ordnung herzustellen, die die Würde und das Glück aller bewahrt«. Eine tiefe Unruhe hatte ihn erfasst: »Ich verschlang die Nachrichten aus Frankreich, verglich die Reden der Patrioten in der Verfassunggebenden Versammlung mit den Lehren von Jean Jacques und fragte mich: Ist es denn wahr, dass das Reich der Gerechtigkeit beginnt? Allzu lang schon hatte ich nur auf dieses Zeichen gewartet.«
Es war nicht zuletzt sein Held »Jean Jacques«, der Buonarroti auf Korsika verwies. Denn Rousseau, der Philosoph der Volkssouveränität, der mit Paoli in Verbindung stand, hatte 1763 eine eigene Verfassung für die Insel entworfen. »In Europa«, schrieb er in seiner berühmten Abhandlung Vom Gesellschaftsvertrag, »gibt es noch ein Land, das eine gute Gesetzgebung verdient: die Insel Korsika. Die Tapferkeit und Ausdauer, mit der dieses mutige Volk seine Freiheit wiederzugewinnen verstand, verdiente, dass ein Weiser es lehrte, seine Freiheit zu bewahren.« Vor allem die – vormoderne – Zersplitterung des Grundbesitzes auf der Insel sah der Philosoph als ideale Voraussetzung für eine demokratische Republik der Zukunft.
Eigentlich sollte Buonarroti im Staatsdienst Karriere machen; er hatte geheiratet, eine reizende Contessa, gegen den Willen der Eltern. Vier Kinder gingen in rascher Folge aus der Verbindung hervor, doch zugleich entfremdeten sich die Eheleute unaufhaltsam. Immer wieder verließ er für längere Zeit das Haus – und jetzt hieß das Ziel Korsika.
In Bastia gründete er das Giornale patriottico, die erste italienischsprachige Zeitschrift der Revolutionszeit; heimlich wurde sie überall im Heimatland verbreitet. Kämpferisch verkündete er darin seine Vorstellung von Patriotismus: »Wenn sich zehn oder zwölf Männer aus jeder Nation dazu entschlössen, mutig zu reden, zu schreiben und ihr Leben zu riskieren, um den Völkern die Augen zu öffnen, dann gäbe es bald keine Tyrannei mehr. Je größer die Gefahren, desto größer der Ruhm bei ihrer Überwindung.«
Von Korsika aus wollte er die Freiheitsbotschaft auch persönlich ins Königreich Sardinien tragen, das zu Piemont gehörte. Mit französischer Unterstützung und mit flammenden Aufrufen zur Erhebung im Gepäck landete er auf der Nachbarinsel. An der Expedition nahm der Sohn eines korsischen Patriziers teil, der zum Freundeskreis Paolis gehörte: der junge Napoleon Bonaparte. Während die Befreier vergeblich auf eine große Volkserhebung warteten, gab sich der »kleine Korporal« Träumereien über seine künftige Karriere hin: »Auch nur ein Bruchteil von Cäsars Ruhm würde einen frühen Tod durch den Dolch mehr als aufwiegen.« – »Und ich«, soll Buonarroti darauf geantwortet haben, »will dein Brutus sein, denn ich hasse alle Tyrannen und Machthungrigen.«
Mit ihm beginnt die Einigung Italiens
Der Traum Buonarrotis von der korsischen Modellrevolution dauerte nur wenige Jahre. Als Paoli, von der Politik des neuen Frankreichs enttäuscht, mit englischer Hilfe erneut für ein unabhängiges Korsika zu kämpfen begann, musste auch Buonarroti die Insel verlassen. Nun gab es nur noch einen Ort, der ihn lockte: Paris. Im Mai 1793, wenige Monate nach der Hinrichtung Ludwigs XVI., traf er in der Hauptstadt der Republik ein. Kurze Zeit später schon gehörte er zum innersten Zirkel um Maximilien Robespierre.
Hier in Paris lernte er auch seine zweite große Liebe kennen: die aus Ligurien stammende Teresa Poggi. Dank der französischen Gesetze konnte er sich scheiden lassen und die selbstbewusste Frau heiraten. Die Verbindung hielt immerhin bis 1824; wenig später, bald 70-jährig, schlug er Teresa eine Ménage-à-trois mit seiner neuesten Flamme vor. Aber Teresa lehnte dankend ab.
Entgegen seiner Erwartung blieb er nicht lange in Paris. Der Wohlfahrtsausschuss schickte ihn als Prokonsul ins französisch besetzte Oneglia an der ligurischen Küste, ins heutige Imperia. Sofort machte er sich an die Revolutionsarbeit, Kirche und Adel bekamen das zu spüren. Auch versuchte er, Gleichgesinnte aus allen Teilen Italiens um sich zu scharen. Auf der Halbinsel gärte es; im Königreich Neapel und im Königreich Sardinien-Piemont hatte es bereits antimonarchistische Verschwörungen gegeben. »Wir erreichen bald den glücklichen Augenblick, unser Vaterland frei zu sehen!«, schrieb Buonarroti voller Begeisterung an einen Freund im Piemont. »Vor allem aber werden durch die Patrioten die lächerlichen Grenzen zwischen Neapel, Mailand, Genua und Turin für immer verschwinden. Wir werden Bürger ein und desselben Landes, ein und desselben Vaterlands sein. Wir sind alle Brüder.«
Freiheit und Einheit: Buonarrotis Wirken in Oneglia ist für seinen Biografen, den italienischen Historiker Armando Saitta, der »erste Akt des Risorgimento«, der Erhebung Italiens im Kampf um einen einigen Nationalstaat, wie er dann im Jahr 1861, genau 100 Jahre nach Buonarrotis Geburt, Wirklichkeit wurde. Dieser »erste Akt« währte freilich nur ein knappes Jahr. Nicht lange nach dem Sturz Robespierres am 9. Thermidor, dem 27. Juli 1794, und der Machtübernahme durch das großbürgerliche Direktorium wurde Buonarroti nach Paris zitiert und für mehrere Monate im dortigen Gefängnis Plessis inhaftiert.
Die Gefangenschaft war ein Wendepunkt in seinem Leben. »Ein neues und bewegendes Schauspiel ließ sich hinter den Gefängnismauern beobachten«, berichtete er später. Die aus politischen Gründen Inhaftierten »lebten dort in brüderlicher Innigkeit zusammen. Sie waren stolz auf ihre Ketten und ihre Armut als Zeichen ihres patriotischen Eifers. Sie widmeten sich dem Lesen und Schreiben und diskutierten über die Übel, unter denen das Vaterland litt.« So seien die Gefängnisse dieser Zeit zum Ausgangsort kommender Verschwörungen geworden.
In der Tat begegnete Buonarroti hier dem Mann, der ihn mehr als Rousseau oder Paoli inspirieren sollte: François Babeuf. Die beiden Politiker hätten unterschiedlicher kaum sein können. Hier der idealistische Patriziersohn, der auf Privilegien und Vermögen verzichtet hatte, der glühende Verehrer Rousseaus und Robespierres, der mit ganzem Herzen an die Vernunft als das höchste Wesen glaubte. Dort der aus ärmsten Verhältnissen stammende Sansculotte, der sich mühsam selbst Bildung beigebracht hatte, dem die Jakobiner nicht konsequent genug gewesen waren und dem die »Anbetung des Höchsten Wesens«, die Robespierre in seinen letzten Tagen der Nation als Religionsersatz verordnet hatte, zutiefst suspekt erschien.
Im entscheidenden Punkt aber waren sich die beiden einig: in der Überzeugung, dass der 9. Thermidor eine fatale Entwicklung in Gang gesetzt hatte, die das Volk um die Früchte seines Freiheitskampfes zu bringen drohte. Nun galt es, noch radikaler vorzugehen, die Ziele noch höher zu stecken.
Bereits seit dem Beginn der Revolution hatte Babeuf ein »Ackergesetz« gefordert, eine gerechte Aufteilung des Bodens, um von der politischen Gleichheit, welche die Erklärung der Menschenrechte 1789 proklamiert hatte, zu realer Gleichheit fortzuschreiten. Deshalb trug er den Beinamen »Gracchus«, denn er griff eine Forderung auf, mit der schon die Volkstribunen Gaius und Tiberius Gracchus im Rom der späten Republik den Adel verschreckt und ein Jahrhundert der Revolution heraufbeschworen hatten.
Nach dem Sturz Robespierres war Babeuf nun ein bloßes Ackergesetz zu wenig. Jetzt wollte er mehr. Jetzt forderte er die Abschaffung allen Grundeigentums. Die Unfähigkeit des Direktoriums, das auf Robespierres Diktatur gefolgt war, und das Elend des einfachen Volkes bestärkten ihn in seiner Überzeugung, dass nur noch eines helfen konnte: das gesamte gesellschaftliche Gebäude niederzureißen. Dieser Auffassung schloss sich Buonarroti rückhaltlos an. Und sobald er amnestiert worden war, beteiligte er sich mit Feuereifer daran, die »Verschwörung der Gleichen« vorzubereiten, das »Reich der Gerechtigkeit« stets vor Augen.
Von einer spontanen Erhebung des Volkes war jetzt allerdings nicht mehr Rede. Stattdessen sollte eine Avantgarde vorangehen: ein kleiner Kreis von erprobten Kämpfern, die das revolutionäre Ideal im Herzen trugen. Außer Babeuf und seinem Freund Augustin Alexandre Darthé, der später mit ihm unter der Guillotine sterben sollte, gehörten Buonarroti und einige weitere Mitstreiter dazu. Sie sammelten Sympathisanten um sich – die allerdings nur eines miteinander verband, und das war ihre Opposition zur Herrschaft des Direktoriums.
Man traf sich im Pantheon-Klub und gab die Zeitschrift Tribun du peuple heraus. Der Klub sollte die Volksbewegung anspornen, beherrschen und leiten. Denn nichts erschien den Verschwörern in der Nachfolge Robespierres notwendiger als die revolutionäre Diktatur. »Geschichte und Erfahrung der Französischen Revolution hatten gezeigt«, schrieb Buonarroti später, »dass die bestehende Ungleichheit die Bürger entzweit, gegensätzliche Interessen und Leidenschaften hervorbringt, die Masse unterwirft, sie in Unwissenheit hält und es ihr unmöglich macht, die volle Souveränität nicht nur dem Schein nach, sondern tatsächlich auszuüben.« Wenn das Volk die Macht übernommen habe, sei es verantwortungslos, alles Weitere sofort einer nach den Prinzipien der politischen Demokratie gewählten Versammlung zu überlassen. Die Diktatur der revolutionären Minderheit müsse vielmehr so lange aufrechterhalten bleiben, bis die Gesellschaft umgestaltet sei und die neuen Institutionen arbeiteten. Was aber unterschied die revolutionäre Diktatur dann noch von der Tyrannei? In den Augen der Verschwörer einzig die »Tugend« und die Freiheitsliebe der Handelnden.
Buonarroti bekam eine besondere Aufgabe zugewiesen: Er sollte mit der Armee, die sich für einen Feldzug gegen die Österreicher und Piemontesen in Oberitalien rüstete, in seine alte Heimat zurückkehren. Der Plan war, die italienischen »Schwesterrepubliken«, welche die Franzosen dort gründen wollten, für den Kampf der Gleichen zu gewinnen.
So traf er im Frühjahr des Jahres 1796, noch vor dem Beginn des Feldzugs, Napoleon wieder, der vom Direktorium mit dem Oberbefehl in Italien betraut worden war. Aber nur zu rasch wurde Buonarroti klar, was er schon bei ihrer ersten Begegnung auf Korsika gespürt hatte: dass es dem ehrgeizigen General kaum um die Freiheit ging. »Mit der Energie seines Charakters und dem Schwung seiner militärischen Erfolge«, so resümierte Buonarroti im Rückblick verbittert, »hätte er die Freiheit des Volks wiederherstellen können, aus reinem Machthunger versetzte er ihr dagegen den Gnadenstoß. Er hatte das Glück Europas in der Hand und wurde zur Geißel des Kontinents.«
Die unmittelbare Bestätigung für seine Befürchtung blieb Buonarroti allerdings zunächst erspart. Denn noch bevor er überhaupt nach Italien aufbrechen konnte, war die Conjuration des égaux schon gescheitert. Verrat hatte allem ein Ende bereitet: Babeuf, Buonarroti und viele andere Verschwörer wurden festgenommen, ihre druckfrischen Aufrufe zum Aufstand beschlagnahmt. Im Sommer begann der Prozess in Vendôme, mit dem bereits geschilderten Ausgang.
Blanqui, Bakunin, Marx und Engels – alle preisen und verehren ihn
Buonarroti wurde auf die Insel Oléron vor Frankreichs Atlantikküste verbannt. Doch Napoleon vergaß ihn nicht. 1804 bot ihm der Kaiser der Franzosen einen hohen Posten in Italien an. Buonarroti lehnte verächtlich ab, durfte aber nach Genf übersiedeln, in die Vaterstadt des geliebten Rousseau, die inzwischen zum französischen Departement Leman gehörte.
Und er blieb aktiv. Obwohl polizeilich überwacht, wurde er in Genf zum Mittelpunkt eines weitverzweigten Netzes von Geheimbünden, die sich zuerst dem Kampf gegen Napoleon und dann gegen die Restauration verschrieben. In diesen Zirkeln, die unter fantasievollen Namen wie »Erhabene Meister der Vollkommenheit«, »Köhler« oder »Volksfreunde« in ganz Europa wie Pilze aus dem Boden schossen, verbreitete Buonarroti die Lehre Babeufs. Wegen seiner rastlosen Tätigkeit und seiner Autorität wurde er – nach dem Oberhaupt des geheimnisvollen muslimischen Assassinenordens – von seinen Anhängern nur ehrfurchtsvoll der »Alte vom Berge« genannt.
1830 endlich, nach der Julirevolution, konnte Buonarroti nach Paris zurückkehren. Hier wurde er nun von den radikalen Gruppierungen wie ein Heiliger verehrt. Den weitreichendsten Einfluss aber übte er mit seiner 1828 auf Französisch verfassten Darstellung der Verschwörung für die Gleichheit aus. Nach seinem Tod am 16. September 1837 in Paris wurde das Buch zur Bibel der frühen Sozialisten um Louis-Auguste Blanqui, und für Karl Marx und Friedrich Engels war die darin entwickelte Lehre der entscheidende Schritt, mit dem sich der Sozialismus von der Utopie zum politischen Programm wandelte. Der russische Anarchist Michail Bakunin nannte sie gar die »größte revolutionäre Leistung des Jahrhunderts«.
Keiner seiner späteren Bewunderer freilich fand eine Lösung für den von Buonarroti mit unbarmherziger Klarheit immer wieder dargelegten Grundkonflikt jeder revolutionären Aktion, an dem er selber gescheitert war: »Auch das Volk ist unfähig zur Erneuerung aus sich selbst. Bevor man deshalb an eine Verfassung oder an dauerhafte Gesetze denken kann, muss man eine Revolutionsregierung auf ganz anderen Grundlagen als Freiheit und Frieden errichten.«
Friederike Hausmann, Die Zeit, 11.11.2011

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